Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 12 (11.2.1884)
- Date
- 1884-02-11
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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201 gethan. Indessen im Vereine damit wird der Regierung der Vorwurf gemacht, daß sie aus Allem gleich eine Judensrage mache, und zum Beweise werden die Matriken und die Winkelschulen angeführt. In Sachen dir Winkelschulen und der regelmäßigen Führung der Matriken verfügt der Eultus- und Unterrichtsministcr ohne Unterschied der Confessio», in manchen Fällen im Einvernehmen mit dem Minister des Innern. Der Cultusminister verfügt überall, wo er Fehler erblickt, selbstverständlich auch bei den Israeliten, wofern es auch bei ihnen Fehler gibt. Dieses Verfngüngsrecht gilt aber nicht allein bezüglich der Israeliten, sondern ist ein allgemeines, für alle Confessionen giltjges. Sie sagen, cs sei ein Fehler, die Israeliten unter einen speziellen Gesichtspunkt zu nehmen. Wo geschieht denn das und durch wen? Es sei mir gestattet, diesbezüglich aus dieser Debatte einen prägnanten Fall anzukühren. Der Herr Abgeordnete Helft), der übrigens in dieser Hinsicht eine — wie ich glaube — von jedem nüchtern denkenden Menschen zu billigende Aeußeruug gethan, als er auf die Nothwendigkeit der Verschmelzung hinweisend, dazu die Bemerkung machte, daß diese Verschmelzung in der Weise, w.'nn wir einen Therl, der -sich eben mit uns amalgamireu soll, verfolgen, nicht zu erzielen sein werde — Herr Abg. Helft) sagte gleichwohl, er fordere und halte die Negierung auch ohne besonderes Gesetz für berechtigt, durchzusetzen, daß die Unterrichtssprache in jeder israelititschen Schule nur die ungarische sein könne. Hub womit motivirte er diese Forderung? Damit, daß die Judentchaft keine Nationalität, sondern nur eine Confessiou sei. Es ist wahr, die Judenschaft ist keine Nationalität, sondern nur eine Confession, aber eben deßhalb, weil sie eine Confession ist, gibt es ungarische Juden, deutsche Juden, französische Juden; vorn NationaÜtäten-Gesichtspunkte unterstehen sie also den nämlichen Normen wie die in diesem Vaterlande lebenden deutschen Christen. (Zustimmung rechts.) Das bedeutet keineswegs, daß man nicht dahin ^wirken müsse, daß die hier in Rede stehenden Bürger des Landes sich magyarisiren; dies ist nothweudig und soweit die Regierung in dieser Hinsicht aufmunternd wirken kann, thut sie es auch, doch wird auch der Abg. Hclfy nicht in Zweifel ziehen, daß hiezu unter allen im Lande wohnhaften ni.l.tungarischeu Volksstämmen bei den Juden sich die meiste Neigung zeigt. Sie zeigen in dieser Hinsicht die meisten Fortschritte, sowohl in den größeren Städten als in jenen Gegenden, wo die Bevölkerung im Allgemeinen ungarisch ist. (Nute: Wahr ist's!) Deutschland. Von Berlin, wird mitgetheilt, daß. die Kronprinzessin Sir Moses Montesiore mit einem kostbaren Geschenke überrascht habe. Die hohe Frau habe nämlich eigenhändig ein vortrefflich gelungenes Portrait des greisen Montesiore nach seiner Photographie gemalt und dasselbe mit folgenden Worten an den edlen Mann geschickt: „Dieses Portrait ist eine meiner mühsamsten Arbeiten, aber die Verehrung für Sie, edler Sir, hat sie mir leicht gemacht," (W, J.) Altona, 6 Februar. Der israelitische Fleischvertheilungsverein von 1815 hatte Sonnabend eine General-Versammlung in der Gemeindeschule. Nach dem vom Vorsitzenden T. M. Solomon erstatteten Jahresbericht pro 1883 ist ein günstiges Resultat im verflossenen Jahre erzielt worden. Der Verein hat 150 Mitglieder mit einer Einnahme von 600 M. Die Ausgaben an Fleischvertheilnngeu beliefen sich auf 110 M. Die Ausgaben für Gottesdienste an den Trauertagen stellten sich auf 140 M., während der beim Unterstützungsinstitnt belegte Fonds 800 M. beträgt. Alsdann wurden die üblichen Wahlen vollzogen. Der durch Loos ausscheidende Präses Salornon wurde wiedergewählt, Revisoren wurden die Herren H. Unna und A. Lehrend, Ersatzrevisoren die Herren L. Victor und D. M. Seligmann. Da der Vorschlag gemacht worden war, im Jahre 1885 das siebzigjährige Stiftungsfest des Vereins durch eine Festivität zu feiern, so wurde der Vorstand beauftragt, das Erforderliche zu veranlassen. Von Frau Cccile Behrens Wittwe, geb. Redlich in Hamburg und deren Kindern wurden zum dauernden Andenken an ihren Gatten und Vater, den verstorbenen Wilhelm Leopold Behrens, M. 50,000 der Joseph Simon Bchrens'schen Stiftung, M. 3000 der Pestalozzistiftung, M. 2000 der Blindenanstalt von 1630, M. 2o00 dem Wohlthätigen Schulverein und M. 3000 den Armen der Gemeinde Nienstädten geschenkt, zusam. M. 60000. Der verstorbene N. Heß dasebst hinterließ u. A M. 250 dem SUpendien-Verein für israelitische Studirende, M 150 dem Israelitischen Unterstützungs-Verein von l862, M. 250 dem Israelitischen Schillingsverein zur Unterstützung armer Wittweu und betagter Jungfrauen, M. 150 dem Israelitischen Miethe-Verein von 1828, M. 150 dem Israelitischen Frauen-Verein für Krankenpflege, M 150 dem Frauen-Verein zur Unterstützung armer israelitischer Wittweu, M. 150 der Deutsch-Israelitischen Gemeinde, M. 150 dem Verein. der jungen israelitischen Armenfremde, M. 100 dem israelitischen Feuerungs-Verein von 1855, M. 100 dem Vereine.