Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 12 (11.2.1884)
- Date
- 1884-02-11
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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202 zur Speisung armer Reisender am Sabbat und M. iöO dem israelitischen Mädchen - Bekleidungs- Verein. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Hauronna, Obcrungarn. Die antitcrnitische Strömung welche sich auch bei uns in empfindlicher Weise fühlbar machte, ist in Abnahme begriffen, und da ist denn jede noch so unbedeutende Errungenschaft, jeder noch so kleine Sieg der gerechten Sache gegen das feindliche Lager bcachtcnswerth und der Veröffentlichung würdig. Gelegentlich der jüngsten Ncstauration der Comitatsbcantten,. ließ sich Dr. Papai — ein junger Arzt, der sich viel mehr mit der Pflege der istoziauischcn Idee, als mit seinem eigentlichen Berufe befaßt — gegen Dr. David Poman, der während seiner 25jährigen Thätigkcit als Bezirksarzt sich vielfache Verdienste erworben, von .* einigen Krakehlcrn unterstützt, als Gege» candidat ausstcllen. Daß dieser Candidatur keine andere Absicht als die der gemeinen Jndenbctzc zu Grunde lag, beweist der Umstand, daß Papai trotz des sichern Bewußtsein's seines Falles von der Candnatur nicht abstehen mochte, Hin mir gegen den „Inden" Hetzen und agitircn zu können. Am Wahltage ließ der Obergespan durch Händecrhcbcn der vollzählig versammelten Stimmberechtigten, die Probe machen, ob überhaupt eine Abstimmung nöthig sei und da waren cs nur sehr Wenige, die ihre Hand nicht für Dr. Poman erhoben hatten. Und so wurde den. Dr. Poman ohne Weiteres als Bezirksarzt für die nächsten 6 Jahre mit Aklamation gewählt. Feuilleton. „Fieber Macht ergraut!“ von I. W. Mancherlei Geschäfte führten mich oft in die Stadt L. Ich lernte den dortigen Chasan, einen äußerst fähigen Mann, kennen und freute mich, so oft ich seine Unterhaltung genießen konnte, weil er auch ein angenehmer Gesellschafter ist. Wir saßen eines Tages wieder zusammen und sprachen über Dieses und Jenes, als ich ihn mit den Worten unterbrach: „Woher kommt es nun, daß Sie ein so jugendliches Gesicht und dabei ein graues Haupt haben?" „Das graue Haupt hat mir der .Krieg verursacht!" war die Antwort. „Sind Sie im Kriege gewesen?" fragte ich. „Im Kriege war ich nicht, aber doch habe ich vor dem Feuer gestanden! Ick will Ihnen den Vorgang erzählen," sagte mein freundlicher Tischnachbar. „Der Ausgang der Schlacht bei Wörth am 6. August hatte Angst und Schrecken, über die Bewohner unserer Gegend gebracht. Mit jedem Augenblick sollten nun die deutschen Soldaten einrücken. Was hatte man sich aber alles von ihnen erzählt! Haarsträubendes! Sie würden nichts am Leben lasten. Greife und Kinder nicht schonen. Tausende waren in die Wälder geflohen; besonders die Landleute nahmen ihr Vieh und was sie führen und schleppen konnten und flohen. Die Bewohner in den Städten mußten zum größten Tbeike bleiben und dem angedrohten Schicksale entgegensehen. Es ist ja bekannt, daß es niemals G. L. zu Ausschreitungen von Seiten der Krieger gekommen ist; denn es herrschte Zucht und Sitte unter ihnen. Leider gab cs aber viele Fanatiker unter den Bewohnern des Landes, die nicht selten durch ihre scheußlichen Handlungen manches große Unglück hervorgcrufen haben, wodurch der Schuldige und auch der Unschuldige oft büßen mußten. Auch ich wäre ' beinahe der durch einen Mcnschenmord heraufbeschworencn Rache unschulvig zum Opfer gefallen. Am dritten Tage nach der Schlacht — es war Tiscko b'av — gingen wir des Morgens zur Synagoge. Ich hatte soeben mit den Kinnos*) beginnen wollen, als die Kunde in das Gotteshaus drang, daß die Preußen in die Stadt gerückt seien. Ich hielt inne. Der Rabbiner, der sonst kein Freund vom „Davonnehwcn" und vom „Verschieben" der Gebete war, gebot nun die heilige Stätte zu verlassen. „ „Wenn es Gottes Wille ist."' sprach er, „werden wir im Laufe des Tages die Gebete fortfetzen." Ich aber sollte an diesem Tage das Gotteshaus nicht mehr betreten. Alles lief nach Hause; auch ich eilte meiner Wohnung zu. die an einem großen, freien Platze lag. Ich lief über denselben und bemerkte einige berittene Soldaten. Ich wollle soeben die Hanskhürr öffnen, als ich einen Schuß fallen hörte. Ich drehte mich um und sah wie ein Soldat vom Pferde herabstürzte. Ich betrat das Haus und lief die Treppe binauf, denn ick wohnte oben. Kaum war ich in meiner Wohimng angelangt, so hörte ich heftige Tritte und Gerastel auf der Treppe; zwei wüthende Soldaten stürzten aus mich zu und beschuldigten mich, daß ich den Soldaten erschossen hätte. Meine Unschuld ihnen zu betheuern, dazu ließen sie mir keine Zeit — ich Klagelieder, ob der Zerstörung Ierus. u. d. h. Tempels.