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Der Israelit · 1884-02-11 · Heft 12 (11.2.1884) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 12 (11.2.1884)
Date
1884-02-11
Page
– (sequence 7)
Language
German
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197 Repräsentanz der Landesjudenschast des Königreiches Böhmen, der isr. Freitischverein und die Direktion des Krenzervereincs in Prag, die Herren Rabbiner Dr. A. Stein in Prag, Dr. Alexander Kisch in Iungbunzlau, Dr. Wunder in Budwcis, Rabbiner Ehrentheil in Harz, Rabbiner Dr. Nathan Grün ln Prag, der Neligionslehrer S. Popper in Eger, die Dr. Ritter, v. Wiener, Tcdcsko, Moritz Lichtenstern, Frank, Notar Siegel u. a. m. M. Jedlinsky. F e « i I I t t v n. Mrs dem Leben eines orthodoxen Aabbiners. Skizze von vr. Sta . . . ' 5. Capitel. Eine Jugenderinnernng. Träumerisch und in Gedanken versunken schaute ich der herrlichen Gestalt nach, welche schwebenden und leichten Fußes der Stadt znschritt. „Meinem Binder niangelte es an Zucht und an einsichtssollcrtzi Belehrung des Vaters!" — Hat Fanny nicht so gesagt? — Thörichtes Kind! Auch der Vater kann nicht immer für die Gesinnung des Kindes! — Verschieden wie die Menschen selbst, gestaltet sich auch ihr Leben, ihre Gesinnung und die Auffassung ihres Daseins. Was dem Einen billig und gerecht ist, das erscheint dem Andern verwerflich und herzlos. — Wohl strengt sich der redliche Gärtner an, auch der wildaufblühenden Pflanze die richtige geschmeidige Haltung, den schlanken, schwunghaften Wuchs zu geben, — aber wie gar selten gelingt es ihm? und wie schwer ist diese Aufgabe zu lösen? — Zucht und Belehrung! — Lächerlich! — daran hat auch der vaterlose Jude keinen Mangel, und doch — wie verschieden ist die Wirkung, wie verschiedenartig die erzielten Resultate! Gott in seiner endlosen Liebe und Güte wollte, daß sich die Geistcsthätigkcit des Menschen zu den herrlichsten und duftensten Blumen und Blüthen entwickeln sollen, daher gab er unserm Volke die Thora. — Das Wort des Höchsten, welches einst unter Rollen des Donners und jähem Aufznckcn des Blitzes erscholl, soll unser Führer durch das Leben sein, damit nufer Fuß nicht an den Steinen des Anstoßes strauchle. Es ist die höchste Weisheit, dunkellos erleuchtende Intelligenz, die beste Erziehungslehre. Es gibt dem irdischen Leben die rechte Weihe und sichert ihm den Lebensinhalt eines ungetrübten Glückes, eines unzerstörbaren Seelenfriedens. Denken aber alle Israeliten so? Betrachten nicht gar Viele die Thora — dieses göttliche Wort — eben diese Wohlthätenn der Menschheit als eine schreckliche Fessel? — eine Beschränkung, welche sie um alle Lebensfreuden bringt?- Die Sonne hatte unterdeß den Scheidepunkt erreicht. Ihre Strahlen bahnten sich versengend und blendend den Weg zwischen den Laubkronen der Bäume, mit welchen die Allee bepflanzt war. Was thun? nach Hause gehen? Nimmermehr! Die Zimmerluft ist noch unerträglicher! — Ich ließ mich auf einer Bank unter einem einigermaßen schattigen Baume nieder und achtete nicht..darauf/daß die stechende Gluth der Sonne und das mit furchtbarer Schnelligkeit heraufzichcnde schwarze Gewölk, das bevorstehende Entladen des Wetters verkündete. Ich nahm meine Predigthefte zur Hand und versuchte zu memoriren; aber mein Blick schweifte in's Leere und blieb au einer, entsetzlichen Jugcnderinnerung hängen. . - Vor meinem innern Auge sah ich mich noch als Kind von fünf Jahren. — O, die sorglose heitere Kindheit! Lustig sprang ich in dem väterlichen Garten umber; — horchte auf den Gesang der Vögel, ergötzte mich an dem buntfarbigen Glanz und süßen Dust der Blumen. Sieh! da sah ich einen farbigen Schmetterling von einer Blume zu der andern flattern! O, wie glänzend seine Farben in den Sonnenstrahlen leuchten! Welch schimmernde Pracht nmgibt ihn! Soll ich ihn fangen?. Einen herrlicheren, mit schönerem Farbenschmnck Ausgestattetcn habe ich noch niemals gesehen! — Schon streckte sich meine Hand nach ihm ans, als ich sie plötzlich mich besinnend sinken ließ. — Es ist ja Sabbat heute! — Da vernahm ich ein Geräusch und mich umwendeud sah ich, wie sich die Thüre öffnete und mein Bruder in den Garten cintrat. Er hatte vor wenigen Monaten sein Referendarexamen glänzend bestanden und weilte die Ferien zur Erholung benutzend nun schon zwei Wochen in der Hcimath. Schon wollte ich aus den Pflanzen, die meine Gestalt verborgen hielten, hervorspringen und freudig meinem Bruder entgegeneilen, als ich, wie gebannt, starr vor Entsetzen und Schrecken stehen blieb. Spähend und durchdringend glitt sein großes dunkles Auge durch den Garten, alsdann nähm er — o, entsetzlich! —‘ eine Cigarre aus seiner Brusttasche, zündete sie an und rauchte. „Aber Salomon!" schrie ich kn Todesangst laut auf. während ich aus den mich umgebenden Pflanzen hervorstürzte — „Es ist ja Sabbat heute!" „Komm her, Närrchen" — murmelte er etwas verlegen und verwirrt. Da stand der Vater ächzend an einen Baum gelehnt — O, wie schauerlich, wie schrecklich bleich

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