Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 12 (11.2.1884)
- Date
- 1884-02-11
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Ocsterr.-Ungar. Monarchie. Ans Mähren, Ende Januar. Angeregt durch eine kleine Korrespondenz aus Kremsier in Nr. 3 dieser geschätzten Zeitschrift, erlaube ich mir, der geehrten Redaktion einen Bericht zukommen zu lasten, der die jüdisch-religiösen Zustände in unserem Lande, in welchem früher die größten 'y.xi gewirkt haben, unbefangen und wahrheitsgetreu schildern will, wenn ich auch schon im Vornherein leider die traurige Bemerkung nickt unterdrücken kann, daß dieselben nicht im rosigsten Lichte dargestellt werden können. Die meisten Gemeinden in Mähren sind von dem Fortschrittsgeiste so geblendet, daß selbst die altberühmten nicht ausgenommen, nur wenige Gemeinden zu finden sind, wo es noch oma gibt, die etwas mm nm verstehen möchten oder nurSinn dafür hätten; um so weniger man auch bemüht ist, der min einen ihr gebührenden Platz in der Schule einzuräumen, um dieselbe den Kindern mundgerecht zu machen. Und doch soll ja nur dieses die Bürgschaft für die Erhaltung unserer heiligen Lehre sein. Denn als Israel dieselbe am Sinai empfangen sollte und Gott, der Allmächtige, Bürgschaften für die Aufrechthaltung derselben verlangte, gab er sich nur dann zufrieden, als Israel antwortete: o'2'iy rrp unsere Kinder verbürgen den Fortbestand der Thora, und „dieses sind auch die besten Bürgen," sprach Gott. Wie traurig es aber in dieser Beziehung bei uns aussieht, beweist der Umstand, daß cs sehr viele Fälle gibt, wo man dem Kinde, das niso m werden soll, wochenlang mnnn dd-o eintrichtert, um dann, wenn cs dazu kommt, der Knabe seine ganze Lektion vergessen hat, ohne sich dessen auch nur zu schämen. Wenn man sich dieses traurige Bild vor Angen hält, um daraus einen Schluß für das gesammte Judenthum sich zu erlauben, so müßte man zu dem herzbctrübenden Ausspruch gelangen: ✓x-upm mm roniio n^n. Der ganze Charakterzug der mähr. Juden ist ein solch durch und durch materialistischer, daß selbst die Stellung des Rabbiners, die doch stets mehr eine ideale war, degradirt wurde, und derselbe nur als ein ganz einfacher Gemeindebcamte betrachtet wird. Wer trägt nun die Schuld an dieser trostlosen Perspective, sind cs die Gemeindemitglieder, oder sind es deren Führer und Lehrer, die Rabbinen? Und wahrlich, wenn wir offen sein wollen, so können wir Manche unsrer Rabbincn durchaus nicht in Schutz nehmen, diese tragen einen großen Theil der Schuld daran, daß die Antipathie gegen alles Religiöse so tiefe Wurzel in den Kerzen der jüdischen Bekenner gefaßt hat. Viele dieser Herren wagen es nicht, wenn irgend etwas öffentlich gegen das nnsto verstößt, mit Energie in die Schränken zu treten und alle ihnen zu Gebote stehenden Mittel anzuwendcn, um dem ciugeriffenen llebel zu steuern, weil sie cs mit Niemanden verderben ivöllen. So ist es allgemein bekannt, daß in der Gemeinde T. vis-ii-vis dem Rabbiner am p"v Fleisch aü^I'^'ottet wird, ohne daß der Rabbiner ernstlich dagegen einschreitet. Es ist ferner ein offenes Gcheimuiß, daß in der Gemeinde Z. beim Rabbiner ein ganzes Jahr rrsD -»eo genossen wird, und solche Rabbiner sollen dann die jüdische Religion lehren, und unsere Jugend für dieselbe begeistern! Freilich gereicht cs uns zur inner» Befriedigung, daß es gottlob auch rühmliche Ausnahmen gibt, aber Danm usp lyr. So sind in der altehrwürdigen Gemeinde Boskowitz noch Spuren des Wirkens des ehrwürdigen Landrabbiners '"2 pysuxb« omox /nio pxn mn zu erkennen, in welcher Gemeinde noch nroo pa -nyo 3'iyQP gelernt wird, was in Mähren sehr viel bedeutet. Leider hält das hohe Alter wie auch seine immerwährende Kränklichkeit den ehrwürdigen Landrabbiner ab energischer in diesem Geiste fortzuwirken. — Nicht minder heilsam und zum Wohle und Gedeihen des gesctzestreuen Jndenthums wirkt auch Herr Rabbiner P 0 l l a k in H 0 lleschau dort, von wo einst die Lehren des großenpa ms» in aller Welt verbreitet wurden. Eine besondere Freude empfand auch Schreiber dieser-Zeilen, als er unlängst auf Reisen geuöthigt war, in der alten Gemeinde Schaffa den?"r>2w gu feiern. Es war gerade an diesem Sabbate Predigt im Tempel, und der dortige Rabbiner, Herr Dr. A. Diamant sprach mit solcher Wärme und Lebendigkeit für die Erhaltung unserer heiligen Lehren und Gebräuche, daß jeder wahre vollkommen befriedigt und erbaut diese heilige Gottesstätte verlassen mußte. Als ich mich dann erkundigte, ob seine Thatcn auch seinen Worten entsprechen, ob auch o”'!n rpyo sind, da konnte ich mich nicht satt hören, wie mir erzählt wurde, mit welcher Energie und mit welcher Selbstaufopferung er bestrebt ist, alle religiösen Einrichtungen wieder in den alten Stand zu setzen, und überhaupt, was nnwa anbelangt, keine Haaresbreite von seiner Neberzeugung zu opfern. Und wahrlich seine Bemühungen bleiben auch nicht ohne Erfolg, und hat derselbe, trotz seines erst zweijährigen Wirkens daselbst, schon viele Schäden geheilt und was die Hauptsache ist, den hebräischen Unterricht in der Schule sehr gefördert. Dieser Sabbat, wie auch dieser mit solch religiöser Wärme gehaltene Vortrag wird Zeit meines Lebens mir nicht aus dem Gedächtnisse schwinden. So nur ein