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Der Israelit · 1884-02-07 · Heft 11 (7.2.1884) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 11 (7.2.1884)
Date
1884-02-07
Page
– (sequence 10)
Language
German
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180 Mittel des urig. isr. Schulfonds — die man ihnen, wäre nur ein öcfc^ncö gcvcgHtc» vorhanden gewesen, nie und nimmer hätte versagen können — in Anspruch zu nehmen, erklärten sie sich, um nur nicht an der Schaffung eines modern-wissenschaftlichen Jnstiuts theilnehmen zu mnpen, für die Benützung von Simnltanschulen; und so erlebte die Weltdaskomische Schaulspieh daß die orthodoxe Partei Ungarns sich für die confessionslose Volksschule erklärte, während die fortschrittliche auf confessionelle bestand. Man entgegne uns ja nicht, daß die Macht der Verhältnisse, nach welchen die Rcologen damals das Heft in den Händen hatten, die orth. Partei zu diesem Schritte drängten, wenn anders sie den durch Majoritätsbeschluß giltigen Eongrcßbestimmungen in der Regelung ihres Schulwesens entgehen wollten. Denn dieser Zustand hatte nur kurze Zeit gewährt, und bereits im Jahre 1870 war der ung. Orthodoxie das Recht gegeben worden, ihre Institutionen und Gemeindeeinrichtungen nach eigenem Ermessen regeln und gestalten zu dürfen, ohne daß sie bis heute Zeit gefunden hätten, an die Bessergestaltung ihres Volksschulwesens zu denken. Roch in ihrer jüngsten Eingabe an den Minister betonen sie mit großer Emphase ihre Anhänglichkeit an der confessionslosen Volsschule, ohne zu bedenken, in welch crassen Widerspruch sie diese Behauptung mit den thatsächlichen Verhältnissen bringt. Nun glaube man aber ja nicht, die §rth. Partei Ungarns sei von der Nothwendigkeit der Schaffung eines glaubensstarken Lehrerstandcs, denen diese gesetzestrenen Gemeinden getrost ihre Kinder anvertraucn könnten, weniger überzeugt als wir, und daß sie darum die Errichtung eines Instituts zur Heranbildung von Lehrern, die von echt jüdischen Geiste durchdrungen, so beharrlich aus dem Wege geht. Die Schuld liegt auch hier — wie schon oft in diesen Blättern hervorgehobcn — nicht an den Gemeinden, sondern an der Leitung, der sie der Zufall unterstellt hat. Die Herren, die an der Spitze der orth. Partei in Ungarn stehen— so gute und brave Jehndim sie auch sein mögen — verstehen von dem Wesen einer Schulinstitution Nichts, was jdurchaus kein Vorwurf sein, kann, da zu ihrer Zeit der Standpunkt der Schule in Ungarn ein anderer war, als er es hevtzutagen ist. Nun wäre es keine geringe Verlegenheit, wenn jenen durchaus ehrenhaften, aber ans Laien bestehenden Männern die Aufgabe zufiele, ein den staatlichen Anforderungen entsprechendes, modern wissenschaftliches Institut zu gründen —: wer sollte die Leitung desselben übernehmen? Noch ist leider bis jetzt von orthodoxer Seite in Ungarn nicht die nöthige Anregung gegeben worden, um fronunen, tallentvollen, jungen Männern, die Neigung, sich mit den für die Leitung eines solchen Instituts, wie es ein Lehrerseminar ist, nöthigen Vorkenntniffen zu befassen, bekzubringen. Diejenigen, die eine volle Qualifikation für einen derartigen Posten in Ungarn haben dürften, sind nur einzelne Wenige, und diese Wenigen, so fest und überzeugungstreu sie auch den orthodoxen Grundsätzen an, hangen, werden von den andern, die es verabsäumt haben, sich rechtzeitig dem Ruse ihrer Zeit zu stellen und deren ganzen Qualification darum nnr in der verschlungenen Mitra oder Tiare besteht, verfehmt und zurückgedrängt, anstatt gefördert und herangezogen zu werden. Das ist der wunde Punkt, an welchem alle Institutionen der orth. Partei in Ungarn kranken, und es ist traurig genug, daß die Heilung anstatt von innen heraus sich von selbst zu gestalten, von außen her gewaltsam gebracht werden muß. O, daß doch Männer von gläubig frommer, echt orthodoxer Gesinnung dies einsehen und mit vereinten Kräften bessere Zustände schaffen möchten! Möchten doch all jene, die von den Gütern ihres Schweißes so aufopferungsvoll für die Zwecke ihrer Partei steuern, sich etwas mehr nach dem Wirken derselben nmsehen und sich öfter als es geschieht fragen: ob denn die Wege, die ihre Vertretung lsie führt, die richtigen sind, oder ob diese nicht vielmehr gerade auf das Gegentheil hinauslaufen. Möchten sie doch insbesondere in Bezug auf die in diefem Briefe berührten Punkte bedenken: b"-a r« csear ü’S’t» px, wenn nicht schon in der Schule durch gesinnungstüchtige Lehrer in die Herzen ihrer Kinder der Keim der Liebe für unsere Religion, die flammende Begeisterung für die Erwerbung von und ncDn gepflanzt wird — worauf sollen dann die höheren Anstalten weiter bauen? Darum auf, Ihr Gesinnungstreuen in Ungarn! denen der alte Väterglaube noch werth und theuer ist und die ihn gerne von ihren Kindern forterhalten wissen möchten: Tretet zusammen und schaffet eine Anstalt znr.Hera.rbildung von überzeugungsstarken Lehrern gleich denen in Deutschland, damit Ihr wisset, daß diejenigen, denen Ihr Euer heiligstes Gut, Eure Kinder anvertrauet, Männer sind, die fest im Glauben der Väter wurzeln und für ihn begeistert zu wirken verstehen. — Damit wäre der erste Schritt zur bessernden Umgestaltung der bestehenden orth. jüd. Verhältnisse in Ungarn geschehen. D. Zeilungsrrachrichterr und Correspsndenzen. Deutschland. Hamburg, den 28. Januar. Die „Israelitische Wochenschrift", deren Redacteur feit einiger Zeit eine wahre Manie in der Bekämpfung der Ör-

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