Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1884-02-07 · Heft 11 (7.2.1884) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 11 (7.2.1884)
Date
1884-02-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2449406-2449418--19563-2509053
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

176 Oesterr.-Ungqr. Monarchie. Preßburg, im Jan. Wie. bekannt gebührt dieEbre für die Begeisterung der heiligen Sache, des Antisemitismus, der königl. Freistadt Preßburg. Auch setzt, wo doch der Antisemitismus schon in' aller Herren Länder sehr verbreitet ist, behauptet sie den Vorrang, der ihr auch nicht abgcsprochen werden kann, da sie bei jeder Gelegenheit sich Mühe nimmt es auch thatkröftig zu beweisen. — Vorige Woche, als die Herren ans dem Oberhanse heimkehrtcn, die gegen das Ebcgcsetz stimmten, entsendete die königl. Freistadt Preßburg einen Theil, einen sehr geringen Theil ihrer Bewohner — blos aus 300 Köpfen bestehend — um die Heimkehrendcn festlich zu empfangen. Auf die Begrüßungsrede einer der Herren Antisemiten erwiderte Graf Stephan Palfy: er danke für den feierlichen Empfang, dem man ihm und seinen Kollegen bereitet, jedoch verdiente er selben nicht „da er blos als Bürger seiner Pflicht entsprochen habe". — Am darauffolgenden Abend sollte auch die Bevölkerung hiesiger Stadt, die warme Sympathie, die sie den Dolmetschern ihrer Gefühle hegen, beweisen, es sollte nämlich eine Illumination stattfinden. In einem Kaffchause, welches als Sammelplatz zu derlei Demonstrationen gilt — und deren haben wir hier sehr viele, war bereits Tags vorher ein Subkriptionsbogen aufgelegt, und um 8 Uhr Abends erstrahlten auch einige Häuser in der Vorstadt im Lichtglanze. Auch in der inner« Stadt wurde ein Haus gar schön beleuchtet, und der Zufall wollte es, daß dieses Haus Eigenthum des — Entrepris des pompes funebres war. Wie ich eben erfahre, sollte auch am selben Abende ein glänzender Fackelzug stattfindcn, wurde aber von unfern weisen Stadtvätern vereitelt; ans welchem Grunde dies geschah, ist mir gänzlich unbekannt, ob etwa, weil dies zu Ausschreitungen führen könnte, und es der löbl. Nepräsendanz nicht sehr wünschenswerth wäre, vom Obergcspan. der sehr taktvoll vorgcht, abermals eine schöne Moralpredigt anhören zu müssen, oder geschah die Vereitelung etwa, aus Scham, vor Sr. Kaiser!. Hoheit, dem Herrn Erzherzoge Friedrich, der in unserer Stadt sein ständiges Domizil hat? Mag der Grund hiesür welcher immer sein, — allenfalls, nicht aus Liebe zur jüdischen Bevölkerung und ihrer Gleichberechtigung! Fr «ntreich. Carpentras. Dahier verstarb neulich Herr Aron Lisbonne, Onkel des früheren Depntirten Lisbonne, in dem hohen Alter von 166 Jahren. „Vater Lisbonne", wie der Verstorbene ln familiärer Weise genannt wurde, erfreute sich bis zu feinem Ende aller seiner Sinne. In Earpentras im Jahre 1778 geboren, zu welcher Zeit die Inden dieser Stadt noch im alten Ghetto wohnten, welches allabendlich von der Behörden durch die eisernen Thore abgeschlossen wurde, erlebte Herr L., daß die Enkel seiner früheren Schulkameraden einen hohen Rang in politischer, gesellschaftlicher und kommerzieller Beziehung einnahmen. Ein jüngerer Bruder des Verstorbenen, welcher in Lyon lebt, ist 66 Jahre alt. Amerika. Ncwyork. Vor .Kurzem wurde dahier eine hebr. technische Schule, deren Bcdürsniß man schon seit lange fühlte, mit 50 Schülern eröffnet. Die Herren I. H. Hosfmann, Jeffe Seligmann, I. H. Schiff und D. B. Einstein haben je 1000 Dollars und viele Andere kleinere Summen zur Bestreitung der ersten Kosten gegeben. Alan verspricht sich von dieser Schule recht günstige Resultate und hofft dadurch den Sinn für das Handwerk unter der armen jüd. Bevölkerung zu erwecken und zu verbreiten. Chicago». Vor ungefähr zwei Jahren wurde dahier von den russischen Flüchtlingen unter dem Namen „Kchilath Ansche Rußlands" eine recht niedliche Synagoge errichtet. Dieses Gotteshaus wurde in der Nacht vom 13. ans den 14. Dezember v. I. von ruchlosen Händen im Innern aus das gräßlichste zerstört. Die Fenster, Tische und Bänke wurden demolirt; aber damit begnügten sich die frechen Einbrecher nicht, sie machten auch drei neue mm nsoß eine rö'ic, ein '£■£•, eine Menge d’^d und eine Anzahl unbrauchbar. Die Gemeinde ist in Folge dieses in großen Schaden gerathen, den zu ersetzen sic außer Stande ist. Dian hat daher zur Wiederherstellung der Synagoge eine Collccte innerhalb der hiesigen Gcsammtgemcinde veranstaltet. Bis jetzt ist cs der Polizei nicht gelungen, die Urheber der Zerstörung zu entdecken.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.