Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 11 (7.2.1884)
- Date
- 1884-02-07
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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gesetzt war, der Einladung des Protektors, 'nachdem er seinen Sohn vorausgeschickt hatte, dem die seltene Auszeichnung zu Theil wurde, daß er von der Oxforder Universität zum Doktor der Philosophie und der Medizin ernannt wurde. Besonders unter der Geistlichkeit erhob sich jedoch ein Stutm gegen bfe Aufnahme der Juden. In einer Schrift, „die Rettung Israels", widerlegte Manasse alle gegen die Juden vorgcbrachten Anschuldigungen. Mit besonderer Begeisterung trat dagegen Cromwcll für die Rechte der Juden und für deren Wiederaufnahme ein; allein politische Ereignisse verhinderten, daß die Sache nach Wunsch verlief, und Manasse mußte unverrichteter Sache abziehcn, nachdem ihm vom Protektor ein Jährgehalt von hundert Pfund ausgesetzt worden war. Auf der Heimreise starb er im März 1657 in Middcburg. Seine Leiche wurde nach Amsterdam geholt und unter großen Ehrenbezeugungen zur Erde bestattet. Obwohl die Ansiedelung der Juden in England durch kein Gesetz anerkannt wurde, hatten Manafles Bemühungen dennoch zur Folge, daß Cromwell einzelnen Inden gestattete, sich da anzusiedeln und ihnen ein Stück Land zur Bestattung ihrer Todten schenkte. Nachdem so der Redner das Leben Manasse ben Israels entwickelt hatte, berührte er noch kurz zwei vielgenannte Zeitgenossen desselben, Uriel Acosta und Spinoza. Er schilderte das Leben Uriel Acostas, der, ohne Kenntniß des Judeuthums aufgewachsen, sich durch den christlichen Glauben nicht befriedigt fühlte, und glaubte, daß das Judenthnm mit seinen äußerst freien religiösen Ansichten harmonircn müsse. Er war deshalb von Spanien nach Amsterdam geflohen und hier zur jüdischen Religion übergetrcten. Aber bald fand er, daß seine vorgefaßten religiösen Meinungen und ganz besonders die Leugnung der Unsterblichkeit der Seele mit der jüdischen Lehre nicht in Einklang zu bringen wären, wie sie denn überhaupt mit keiner positiven Religion übereinstimmen können. Acosta aber ließ sich durch dieses Gefühl, daß die Auswanderung aus Spanien ihm die innere Befriedigung nicht gebracht habe, zu Schmähungen und Verdächtigungen des rabbiuischcn oder, wie er es nannte, des „pharisäischen" Judenthums hinreißen. Und wenn die Rabbiner ihn jetzt in den Bann thaten, ja sogar beim Magistrate seine Inhaftnahme auf einige Zeit bewirkten, so handelten sie hiermit nur im Jntereffe ihrer kaum begründeten Gemeinde. Verleumdungen und Schmähungen, wie Uriel sie gegen den Talmud richtete, konnten marannischen Juden leicht die einzige Freistätte, die ihnen noch in,Europa geblieben war, rauben, und welche Folgen konnte es erst haben, wenn Uriel behauptete, daß das echte Judenthum die Unsterblichkeit der Seele, diese Grundlage aller Religiosität, leugne. Redner wies daraufhin, wie man in unseren Zeiten so oft eine angebliche Schmähung der Religion .Seitens einzelner Juden ans alle wälze, wie vielmehr hätte dies erst in jener Zeit der Fall sein müssen! Wunderbar sei es deshalb, daß Gutzkow, ohne alle diese Momennte in Anschlag zu bringen, gerade lind Acosta als Märtyrer des freien Gedankens gegenüber der Intoleranz hingestellt habe, während'doch noch zu dessen Zeiten die Scheiterhaufen rauchten, ans denen die Schlachtopfer der Inquisition ihre innere Ueberzengung mit dein Tode büßten, und während die Geschichte aller Religionen weit mehr von wirklichen Opfern der Unduldsamkeit zu berichten weiß. Ebenso hatte denn auch schon aus Rücksicht nach außen hin die israelitische Gemeinde in Amsterdam die Verpflichtung, einem Manne wie Spinoza gegenüber Stellung zu nehmen, der, wie bedeutungsvoll auch immer sein Auftreten für die ganze Entwickelung der Philosophie geworden ist, doch nnzweifelhast einen dem Gottes- und Osfenbarnngsglanbcn feindseligen Standpunkt einnahm. Redner schloß mit dem Hinweis darauf, daß die hohe Stellung, welche die Inden heute in England einnchmen. Manasse ben Israel zu verdanken sei, und daß deshalb sein Name in der Geschichte Israels fortleben wird. MiloSlard, 28. Jan. ^xntr'p -vonV Unter dieser Überschrift ersuche ich -- als langjähriger Abonnent Ihres geehrten Blattes - Fol- . gcndcs in demselben zur Kenntniß Ihrer geehrten Leser zu bringen. Wiewohl es mir wehe thut, durch solchen Schritt einem Glaubensgenossen das n'jcjo zu schwächen, so fordert jedoch die Beobachtung unserer heiligen religiösen Pflichten denselben. — niy Ntpji w)' *6 dx Vor Kurzem reiste ein isid, Herr Elias Kassel aus Rußland, angeblich wohnhaft in LöbanchW.-P.) durch unsere Stadt. Hier weilte er mehrere Tage und reparirte einige nmn und Es kam mir zu Ohren, daß er Leder zu mj/'sv-iit einem Geschäfte gekauft habe. Ich ging in das Geschäft, -wo ich erfuhr, daß er “xsü nons br? 21p Roßlcder gekauft hatte, aus welchem er die ruyisn fertigte. Da kein 21 in unserer Gemeinde fungirt, so hielt ich mich verpflichtet, Herrn Kassel über sein Verhalten Vorhaltung zu machen, wogegen er keinerlei Einsprache that, sowie auch keine Gründe für dessen Nichtigkeit Vorbringen konnte', vielmehr die hier an den Mann gebrachten i'.'vn znrücknahm. Also, trau, schau — wem? A. M. Bucki, Cantor.