Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 11 (7.2.1884)
- Date
- 1884-02-07
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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3* e tt i I I t t p it: Nur standhaft! : xxvm. 1 Am andern Morgen, 9 Mir, begab sich Bruno - von Wolkenberg in das Geschäftshaus der Herren! Kornfeld u. Comp. Er wurde sogleich vom Chef in dcffen Prioatcabinct geführt. Herr Kornfeld kam dem jungen Manne mit der ausgesuchtesten Höflichkeit entgegen. „Ei, ei," sagte er, „sieh, sieh, seien Sie mir herzlich willkommen, mein gnädiger Herr Baron! Sie sind mir von einem meiner ältesten Freunde auf das Wärmste empfohlen. Nehmen Sie gefälligst Platz, damit wir Ihre Angelegenheit ausführlich besprechen. Baron von Löwcnheim ersucht mich. Ihnen mit Rath und That beizustehen; ich stelle mich und mein Haus ganz zur Verfügung." „„Ich danke Ihnen, mein Herr; ich werde von Ihrem gütigen Versprechen, soweit es nöthig ist, Gebrauch machen. Gestatten Sie mir zunächst, Ihnen mein Accreditiv-Schreiben zu überreichen."" Der Banquier nahm das Schriftstück entgegen, setzte seine goldene Brille auf und las dasselbe sorgfältig durch. „Ei, ei, sieh, sieh," sagte er, nachdem er die Lectüre beendet' hatte; „einmalhundertlausend Thaler, das ist viel, viel Geld! Ei, ei, sich, sich, Baron Bruno von Wolkenberg ist Ihr weither Name? Hier in Schlesien gibt es auch Wolkcnbergs. Das ist ein altes, aber heruntergekommenes Geschlecht. Ein Wolkenberg hat sich, nachdem er das Seinige verspielt hatte, erschossen. Sie sind wohl mit diesen Wolkenbergs nicht verwandt?" „„Doch; ich bin der Sohn des Mannes, der lieber seinem Leben ein rasches Ende bereitete, ehe er Armuth und Schande ertrug."" „Ei ei, sieh, sich! Da müssen Sie ja eine glänzende Carriere gemacht haben! Etwa eine reiche Heirath?" „„Mein Herr; ich bin nicht zu Ihnen gekommen, um mich über meine Privatangelegenheiten examiniren zu kaffen."" . „Mein lieber Herr Baron, es handelt sich hier um die Kleinigkeit von einmalhunderttauscnd Thalcrn. Ich muß sicher gehen, ehe ich Ihnen eine so große Summe aushändige. Es gibt jetzt viele Hochstapler und Schwindler. Erst vor einigen Wochen kam ein angeblich vornehmer Engländer zu einem hiesigen Banquier und brachte ihm Empfehlungsschreiben und Accrcditive von Baring in London. Später stellte sich heraus, daß Beides gefälscht war, und der hiesige Banquier hatte den Verlust zu tragen.' „„Mein Herr, Sie beleidigen mich!'" „Gemach, gemach, Herr Baron, es liegt mir durchaus fern, einen mir völlig unbekannten Mann beleidigen zu wollen. Sollten Sie nicht geneigt sein, die Angelegenheit ruhig mit mir zu besprechen und nach allen Seiten hin zu erwägen und zu erörtern, so nehmen Sie Ihre Accrcditive wieder zurück; ich bin nicht geneigt, eine so'große Summe auf das Ungewisse hin zu wagen und möglicherweise zu ver-. lieren." „„Verzeihen Sie, mein Herr, meinen Ungestüm; ich bin ehemaliger Officicr und niemals Geschäftsmann gewesen. Ich bin bereit. Ihnen jede gewünschte Auskunft zu geben."" „Ei ei, sieh, sieh, jetzt reden Sie vernünftig. So erklären Sie mir denn zunächst, wieso Sie dazu. kommen, über eine so große Summe zu verfügen." „„Ich kann Ihnen das mit wenigen Worten erklären. Herr von Löwcnheim ist mein Schwager."" „Ihr Schwager?" „„Der Bräutigam meiner Schwester."" „Ei ei, sieh,, sich , was Sie mir da interessante Neuigkeiten mittheilen. Herr von Löwenhcim Bräutlgaüi? Ist denn seine Frau gestorben?" „ So ist es."" „Und das hat er mir nicht mitgetheilt? Ja, ja, Jugendsrcundschasten! Löwcnheim und ich, wir waren vor länger als einem Vierteljahrhundert in einem und demselben Geschäfte in Berlin als Voloniaire thätig. Wir schlossen damals einen innigen 'Freuudschastsbund, und jetzt theilt er mir nicht einmal mit, daß seine Frau gestorben ist! Und wieder verlobt ist er? Und mit Ihrer Fräulein Schwester? Wird eine Baronesse von Wolkenberg zum Judenthum übergehen?" „„Baron von Löwcnheim hat bereits die heilige Taufe empfangen."" „Das ist ja aber gar nicht möglich! Löwenheim schwärmte damals für eine Reformation des Judenthums, Und hundertmal habe ich ihn versichern hören, daß er die mosaische Religion, losgeschält von der talmudischen Tradition, über Alles liebe- und daß er ihr treu bleiben werde bis zu seinem letzten Athemzuge." „„Mein Herr, ich habe zwar versprochen ruhig zu bleiben; allein, Sie nehmen sich mir gegenüber doch zu viel heraus. Wie können Sie cs wagen, einer Thalsache zu widersprechen, die ich Ihnen mittheile?" ..Nehmen Sie es mir nicht übel; ich will Sre nicht beleidigen, sondern nur meine Sicherheit in Erwägung ziehen. Sehen Sic, '.nein weither Herr Baron, dieses Accrcditiv-Schreibcu ist nicht in D. ausgestellt, sondern in Ostende, und nirgendwo gibt es so viel Schwindler und Hochstapler wie in den eleganten Seebädern. Da mir nun das, was Sie mir