Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 11 (7.2.1884)
- Date
- 1884-02-07
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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174 In früheren Zeiten war nun ein systematischer Unterricht für die Mädchen allerdings nicht nöthig.! denn w fange unsere Voreltern noch nicht im regen! Verkehr mit der Außenwelt standen und mit Andersgläubigen und Andersdenkenden wenig oder gar nicht in Berührung kamen, wuchsen die jüdischen Töchter nur in den streng jüdischen Ideen ans und lernten ihre Pflichten von selbst kennen. Und doch fehlte es auch damals nickt an anregender Belehrung im Worte Gottes: so sind vielen von uns noch, heute jene Erbannngs- und Belehrungsbücher nach Art des niV>* im Gedächtniß, die so mangelhaft auch ihre Form war, doch den jüdischen Mädchen und Frauen werthvolle Anregung gaben, und die auch meistens an den Text des Bibelwortes angclehnt waren. Heute aber liegen die Verhältnisse ganz anders. Die Gefahren der Verirrung auf religiösem Gebiete sind sehr groß, bei Mädchen, die äußeren Eindrücken so leicht zugänglich sind, viel größer noch als bei Knaben. Wir können es nicht verhindern, daß unsere Mädchen von nicht jüdischer und leider auch so. oft von jüdischer Seite abfällige Urtheile über das Indenthum hören. Jede belletristische Zeitschrift, die sie in die Hand nehmen, führt ihnen auch nebenbei die Gedanken des Materialismus zu. Auch in unseren politischen Blättern dominirt ja leider diese Gesinnung, und allem dem sollten wir unsere Mädchen wehrlos gegenüber stellen. Wapvnen .vir sie daher durch eine aus die genaue Kenntniß unserer heiligen Lehre gegründete Ueberzeugung gegen alle Angriffe und gegen alle Versuchungen, und dies können wir am besten dadurch, daß wir ihnen das Buch unserer heiligen Lehre in die Hand geben, aus dem sie besser als aus jedem anderen Religionsunterricht Liebe und Begeisterung für unsere heilige Religion schöpfen werden. Zeitungsnachrichten und Eorrefpondsnzen. D e n t s ch l a n d. AnSbach, im Febr. Ende August d. Jahres wird in hiesiger Stadt eine allgemeine bayr. Volksschnllehrerversammlung abgehalten, mit welcher eine Lehrmittel-Ausstellung verbunden ist. Das zu diesem Zwecke sich gebildete Eomite hat den Beschluß gefaßt, auch Lehrbücher zur Ertheilung jüdischer Religionslchre, sowohl in Volksschulen als auch in Lehrerbildungsanstalten ausznstellen. Die h. h. Herausgeber und Verleger einschlägiger Lehrbücher, welche ihre Werke für eine Lehrmittel- Ausstellung paffend finden, wollen sich gef. an de« hiesigen Lehrer H. Hosmann wenden. Frankfurt a. M., (VierterVortrag.) Im Verein für jüd. Geschichte und Literatur hielt diesen Mittwoch Abend Herr Dr. D. Barnaß einen Vortrag über Manasse benJsrael. Maneffe de» Israel entstammte einer portugiesischen Familie aus dem Kreise der Marannen, das heißt jener Juden, die bei der Vertreibung unserer Glaubensgenoffen ans der pirenäifchen Halbinsel zum Scheine das Christenthum angenommen hatten, km Geheimen aber dem jüdischen Glauben eifrig anhingen. Als die Lage dieser Marannen, die seit dem Regierungsantritte Philipps HI. sich immer trauriger gestaltete, unerträglich wurde, wanderte im Jahre 160» ein großer Theil derselben nach Holland aus, wo schon zwanzig Jahre vorher die jüdischen Flüchtlinge eine gastliche Aufnahme gefunden hatten. Unter diesen Auswanderern befand sich auch Joses den Israel mit seinem Weibe und seinem einzigen, damals einjährigen Sohne Manasse. Manasse genoß gründlichen Unterricht, nicht blos in den jüdischen Fächern, sondern auch in allen profanen Wissenszweigen, mrter der Leitung des Amsterdainer Rabbiners, Rabbi Jsak Usiel. Schon als fünfzehnjähriger Knabe trat er als Prediger auf, und in seinem achtzehnten Lebensjahre übernahm er, da sein Lehrer inzwischen gestorben war, dessen Stelle, als Rabbiner. Er vermählte sich mit einer Urenkelin Abrabancls, worauf er nicht wenig stolz war. Da sein Amt nicht ansreichte, ihn und seine Familie zu ernähren, gründete er die erste Amsterdamer jüdische Buchdruckerei. Er war von hinreißender Beredsamkeit und verstand es, seine Zuhörer für seine Zwecke zu begeistern. Besonders hatte er sich mit Sprachen vertraut gemacht, deren er zehn meisterhaft handhaben konnte. Sein erstes Werk „der Versöhner" stellte sich die Aufgabe, angebliche Widersprüche in der Bibel auszuglekchen. Hervorragende christliche Gelehrte schloffen sich ihm damals aufs Freundlichste an, wie Scaliger, Buxtorf, Vossins u. a. und gewannen die Sprache der Bibel lieb. Auch die Königin Christine von Schweden schätzte ihn hoch. — In England, wo seit dreihundert Jahren keine Juden mehr geduldet wurden, schien keine Hoffnung zu sein, daß dieselben sich wieder niederlaffen dürften. Jndeß, als Cromwell die Leitung der Negierung übernahm, hegten.die gebildeten Christen den lebhaften Wunsch einer Annäherung an die Juden, thcils weil sie von den Juden eine Förderung ihres Handels erhofften, theils auch, weil sie glaubten, durch die Verbrüderung aller Völker die Errichtung des Erlösnngsreiches fördern zu könneir. Manasse folgte im Jahre 1655, als in England die Judenfrage im Parlamente aus die Tagesordnung