Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 11 (7.2.1884)
- Date
- 1884-02-07
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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. 173 Beiträge zur Wetl-odik des hebräischen Unterrichts. ii. Die Frage, ob der Pentateuchunter' richt für Mädchen zweckdienlich, sei, ist schon oft aufgeworfen worden, und. tatsächlich erstreckt sich in den meisten Schulen der Unterricht der Mädchen im Hebräischen noch heute ausschließlich auf das Uebersctzen des Gebetbuches. Meiner Ansicht nach zu unserem großen Nachthcile; denn ich bin überzeugt, vieles würde bei uns besser aussehcn, wenn wir schon in früheren Generationen begonnen hätten, auch dem weiblichen Geschlechtc einen eingehenderen hebräischen Unterricht zu erlheilen. Die Gründe, die man gegen den Pentatcuchunterricht der Mädchen etwa Vorbringen kann, sind durchaus nicht stichhaltig, dagegen spricht alles für die Zweckmäßigkeit eines solchen. ..Für die Mädchen genügt ein bescheidenes Maß von hebräischem Wissen," so hört man in erster Linie oft sagen. Seltsam genug, man ist doch heute allgemein darüber einig, daß den Mädchen ein Unterricht zu Theil werden müsse, der den fortgeschrittenen Anforderungen der Zeit nach jeder Richtung hin Rechnung trägt; unsere Mädchen sollen nicht nur die besten Erzeugnisse der Literatur kennen, sie sollen sich in allen Realien ein respcktabelcs Wissen erwerben, und in den höheren Töchterschulen lernen sie . fremde Sprachen und lesen die hervorragenden Werke derselben in der Ursprache; nur in der hebräischen Sprache glaubt mau, sich auf das Allernothwendigste beschränken zu müssen und will die Kenntnisse auf das »Gebetbuch reducircn, dessen Ucbersetzung nur ihres unmittelbaren praktischen Rühens willen geduldet wird. Der Unterricht im Pentateuch gewährt aber schon allein für die formale Bildung solch' großen Nutzen, daß derselbe schon aus diesem Grunde auch für Mädchen nicht warm genug empfohlen werden kann. Was kann das für die Schönheiten der Sprache so sehr empfängliche Gemüth der Mädchen mehr erheben, als die bald so einfache, kindliche und plastische, bald wiederum so erhabene und gewaltige Ausdrucksweise der Bibel? Durch welches Mittel könnten wir besser den Geist und den Charakter der Mädchen bilden, als dadurch, daß wir ihnen ein richtiges Berständniß des Gotteswortes erschließen? Und daß dieses alles in erhöhtem Maße möglich ist, wenn wir sie die Bibel in der Ursprache, wenn wir sie den Pentateuch übersetzen lehren, ist klar, denn ebenso sehr, wie die Pflanzen eines Herbariums verschieden sind von den frischen, noch blühenden Blumen auf der Wiese, ebenso sehr steht der Werth, den das Lesen einer Bibelübersetzung oder der Unterricht der biblischen Geschichte besitzt, zurück gegen den Unterricht im Pentateuch, der allein ein Eindringen inlden Geist des göttlichen Wortes und ein Erfassen desselben mit Herz und Verstand ermöglicht. ' . Ein anderer Einwand gegen den Pentateuchun-; terricht der Mädchen ist der, daß das Studium des 1 Gotteswortes dem Berufe der Frau nicht angemessen sei. In Wirklichkeit besteht die Pflicht, nach welcher das Lernen der Gotteslehre an sich schon Selbstzweck ist, ohne Rücksicht auf die That, die ja aus dem Lernen entspringen soll, die göttliche Vorschrift, die in dem 71 uiib in anderen Ans- I vr; t:-; ..... sprächen enthalten ist nur für das männliche Geschlecht. Ja, das Studium der' mündlichen Lehre durch die Frauen wird vom Talmud selbst mißbilligt, da eben die individuelle Geistesbcanlagung der Frau sie für den in der mündlichen Lehre herrschenden Jdeenkreis und namentlich für das abstrakte und eigenartige Denken, das den Talmud charakterisirt, nicht qualisizirt, und diejenige Frau, die so ganz und gar im Gegensatz zu der ihr von der Natur angewiesenen Geistesrichtung sich hineinwagen würde, in die ihr fremdartigen Pfade der mündlichen Lehre- Würde damit Gefahr laufen, die zarte Sphäre der Weiblichkeit zu verlassen und vielleicht auch gar dem Gesetze selbst, dessen logisch scharf ausgcfübrten Deduktionen sie nicht zu folgen vermag, den Rücken zu kehren, wcßhalb die Weisen mit Recht die harten Wortengebrauchen. - mVDn rrraVo ibsa rrvn ira dI Aber nie und nimmer kann die Frau der Belehrung über die Pflichten, die unsere heilige Lehre für jeden Israeliten und für jede Israelitin enthält, entbehren; denn nicht allein die ihr selbst obliegende Hebung des Gesetzes erfordert eine gründliche Kenntnis; desselben, sondern auch die besondere höchst wichtige Mission, die unseren Frauen für die Pflege und Erhaltung des jüdischen Geistes in unseren Familien znfällt, macht es uns zurPflicht, ihnen eine gediegene religiöse Unterweisung angedeihcn zu lassen, für die wir natürlich, da wir ja unsere Mädchen ganz, besonders für ihren zukünftigen Berus als Frauen vorbereiten sollen, schon in der Schule Sorge tragen müssen und diese Unterweisung kann ihnen nicht besser werden, als dadurch, daß wir sie hinführcn an die Quelle des Gottcswortcs und sie befähigen selbst zu schöpfen aus dem nie versiegenden Lebensborne.*) « * Schon der Tnre-Sahaw zu Iore-Dcah, Kapiiel 2-16, Anmerkung 4 macht aufmerksam, daß die Warnung vor dem Thora- Lernen der Frauen sich nur auf das tiefere Eingehen in das Einzelne des Schriftwortcs, nicht aber aut' die-einfache Nebersetzung erstrecke. — Daß übrigens die ötcnntniß der anch den Mädchen obliegenden Pflichten religiöses Eebol für sie ist, bemerkt dort Rabbi M. Iscrles zur Stelle.