Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 10 (4.2.1884)
- Date
- 1884-02-04
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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164 912 fl., den uns diese Jnsiitution einbrachte. Wie dieser Erfolg beweist, war jener Appell beinahe niemals. ein vergeblicher, was wir zur Ehre unserer wohlthätigen Glanbensschwestern mit besonderer Befriedigung zur Kenntniß bringen. Die Einnahme betrugen 16912 fl., die -bis auf 288 fl., verausgabt wurden. Tabor. Am. 28. Januar starb unser allvcrehrter durch Berufstreue und Pflichteifer ausgezeichneter Rabbiner, Herr Guttmann Klemperer, nach einem 40 jährigen segensreichen Wirken in seiner Gemeinde im 68. Jahre seines gottessürchtkgen Lebens. Aus Oldenburg, 24. Jan. wird geschrieben; Die Untersuchung in Angelegenheit der antisemitischen Kravalle in Oedenburg, welche vom Gerichtsrathe Ofner geführt wurde, ist bereits abgeschlossen und sind die Akten behufs Antragstellung der Staatsanwaltschaft übermittelt worden. Die Schlußverhandlung findet am, 5. Februar l. I. statt. Der öffentliche Ankläger erhebt gegen die Oedenburger Einwohner Stephan Larga. Geza Doffer, Franz Schmidt, Johann König, Johann Pattyi, Julius Rößler, Paul Dorßner, Alexander Horvath, Ferdinand Puhl, Samuel Preißinger, Michael Schrnidt, Ludwig Kuabel, Johann Koloßar, Joseph Tschomitz die Anklage wegen Verbrechens der Gewaltthätigkeit gegen Privatpersonen. Als Beschädigte sind vorgelaoeu: Salamon Frischmann, Julius Biringer, Sigmund Wiener, Wilhelm Weiß, Advokat Dr. Adolf Winkler. Vorstand der Knlnsgemeinde, Norbert Nosinger und Ignaz Frankl. Als Zeugen wurden berufen die Sicherheits-Organe: Alexander Tampos, Alexander Purth, Gotllieb Bierbaum, Johann Wabl, Theodor Kogler und Samuel Straßner, ferner die Herren Christoph Zehetner, Alexander Bereiter, 'Sigmund und Ignaz Bereiter. Die Anklage lautet: In der Nacht des 11. u. 13. August v. I. bildeten sich in der Stadt Oedenburg Menschengruppen in großem Maße, um zur Bezeugung ihrer Antipathien gegen unsere Mitbürger mojaischer Konfession deren Fenster einzuwerfen. CS'tue größere Gruppe, hauptsächlich aus dem Handwerkerstände und der dienenden Erlasse sich rekrutirend, versammelten sich gegen 8 Uhr Abends ans der Pfarrwiese und setzte sich um die neunte Abendstunde unter Eljenrnfen auf Jstoczy in Bewegung. Den -Weg durch die Turnergasse nehmend, durchzogen sie lärmend und johlend die Silber- und Pottschygasse und begannen das Werk des Feusterzertrümmerns. Die demoustrirende Gruppe wuchs, von der gaffenden neugierigen Menge^begleitet, riesenhaft an und erhielt unglücklicherweise noch Verstärkung, als die mittelst Südbahn aus Groß-Kanizsa hier anlangendeu zwei Bataillone des Hausregiments unter klingendem Spiele Nachts um 10 Uhr ihren Einzug irr die Stadt hielten. Bei dieser Gelegenheit wurden die Fenster des Kürschner-Geschäftes Sakomon Frischmann in der Fischergafle, des Gasthauses des Sigmund Wiener in der Turnergafle, ferner Wilhelm Weiß, des Rabbiners Emanuel Grünwald und der Synagogen der Neologen und Orthodoxen zertrümmert. Sodann wälzte sich die heulende Menschenhorde irr. die Zeughausgasse, um das Ignaz Frankl'sche Hans mit Steinen zu bombardiren und beim Geschäfte des Rosinger an der Ecke der Elisabethengaffe gingen sie bereits daran, das Gewölbe zu erbrechen. Das Werk der Zerstörung hörte erst auf, als wegen ungenügender Polizeiorgane das Militär reqnirirt worden war, das mit aufgepflanztem Bojonnet erschien und die Straßen bald rcinfegte. Der Staatsanwalt bittet daher um Anwendung des § 176 des Strafgesetzes. England. Namsgate, 1. Februar. Durch die Zeitungen geht die Nachricht von der plötzlichen Erkrankung unseres Sir Moses Montesiore. Zu meiner großen Freude kann ich Ihnen die Mittheilung machen, daß das Unwohlsein ein ganz ungefährliches ist und namentlich der Bericht über einen Rückfall jeder Begründung entbehrt. Dr. Samuel Woodmann, Sir Moses ärztlicher Beistand, äußerte sich gestern Nachmittag mir gegenüber in günstigster Weise über den gegenwärtigen Stand der Gesundheit des verehrten Mannes. Tie Bronchialansälle haben ganz nachgelassen und Sir Moses befindet sich — je nach der Witterung — zieuckich wohl. Sein Befinden schwanke zwar von Tag zu Tag, jedoch sei nicht der geringste Grund, zur Besorgniß vorhanden. I. E. R u ß l a n d. Petersburg, 29. Jan. Dem Vernehmen nach hatte die Judcukommission bisher eine Sitzung, woraus sie beschloß, zum Sammeln und Drucken des Materials zu schreiten. Im Laufe dieses Winters werden zwei oder drei Privatkonferenzen beim Präsidenten Zwecks eines Meiimugsaustausches der Mitglieder stattfinden. Fenilletorr. Aas alle Ghetto in Venedig. Das Bild, das wir heute unseren geehrten Lesern vorsühren, bringt das alte Ghetto von Venedig, Ghetto Vecchio, zur Anschauung.