Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 10 (4.2.1884)
- Date
- 1884-02-04
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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XXV, Jahrgang. Geilage zu Nr. 10 bcs 3!staeltt. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 1. Februar. Der Redacteur des hier erscheinenden antisemitischen Blattes, die Wucherpille wurde im Laufe des verflossenen Herbstes von der Anklage, verschiedene Elasten der Bevölkerung gegen einander aufgereizt zu haben, von dem Landgericht freigesprochen; ebenso wurde derselbe Redacteur von der gegen ihn erhobenen Anklage, groben Unfug verübt zu haben, freigesprochen. Die erste Freisprechung wurde von dem Reichsgericht, wie seiner Zeit von uns gemeldet, bestätigt, dagegen die zweite Freisprechung, als nicht richtig motivirt, aufgehoben und die Angelegenheit zur nochmaligen Verhandlung an das Landgericht zurückgewiesen. In der heutigen Sitzung kam nun diese Anklage § 360 Pos. 11 zur abermaligen Verhandlung. Die Staatsbehörde beantragte gegen den Beschuldigten eine Gefängnißstrafe von 4 Wochen. Das Urtheil wird nächsten Freitag verkündigt werden. Berlin, 3. Febr. Der Prozeß wegen des Reustettiner Synagogenbrandes, der bekanntlich in der Sitzung des Reichsgerichts vom 4. d. — unter Kassirung des Spruches der Kösliner Geschworenen — vor das Schwurgericht zu Könitz verwiesen wurde, wird dortselbst, wie mau uns gemeldet, am 25. Febr, und den folgenden Tagen zur Verhandlung gelangen. Zum Vorsiitzenden des Schwurgerichts ist ein Richter aus Danzig delegirt worden, nämlich der als schneidiger Jurist bekannte Landgerichtsratb Arndt, der behufs Studium der Akten bereits in Könitz weilt. Skurz bei Czenvinsk in Westpreußen, 1. Febr. Am 21. vorigen Monats wurde der 14jährige Sohn eines hiesigen Schneiders Namens Z ibu la auf die schrecklichste Weise ermordet. Die der Kleidung beraubte und verstümmelte Leiche wurde unter einer Brücke aufgeftmden. Allsogleich verbreitete sich das Gerücht, daß die Juden den Knaben ermordet hätten, um ihm das Blut abzuzapfen. Eine Untersuchung wurde sofort eingeleitet, welche jedoch nicht -den geringsten Anhaltspunkt ergab. Auch der Unterzeichnete, welcher hier als Schächter angestellt ist, wurde gerichtlich vernommen und mußte seine Schlachtmesser vorzeigen. Aber nicht allein, daß die verschiedenen Wunden und Stiche nicht mit derartigen Messern ausgeführt sein können — ich vermochte auch mein alibi zu beweisen, da ich bereits Montag Morgens 5 Uhr — die Mordthat wurde' Montag Abends ausgefnhrt — nach Stargard verreiste und erst Donnerstag hierher zurückkehrte. Die Aufregung ist in hiesiger Stadt sehr groß, denn derPöbel ist nur zu geneigt, jener abscheulichen Verläumdung Glauben zu schenken. Außerdem wird noch das Gerücht verfireiici, daß ein polnischer Bettler in Peplitt zur katholischen Kirche übergetreten sei und ausgesagt habe, daß die Juden Ehristenblnt brauchen. — Gebe der allgütige Gott, daß die ruchlosen Mörder entdeckt und die Verläumder zu Schanden werden. S- Blumenheim. Oesterr.- Ungar. Monarchie. Wien. Dem Jahresbericht des israelitischen Frauen-Vereines in Wiew für das Jahr 1883 entnehmen wir: : Das rege Interesse, das für die Zwecke, die wir anstreben, bethätigt wurde, berechtigt uns mit wahrer Genugthuung auf das verflossene Jahr zurück zu blicken, da uns hiedurch der Beweis geliefert wurde, daß wir uns der sympathischen Zustimmung unserer verehrten Mitglieder sowohl als auch zahlreicher Gönner erfreuen, die vertrauensvoll ihre Liebesgaben für die Nothleidenden: hinfällige Greisinnen, verlassene Wittwen und Waisen, curbedürftige Kranke, darbende Wöchnerinnen, unserer wohlerwogenen Vermittlung anheimstellen. In erster Reihe fühlen wir uns gedrungen, den hochherzigen Spendern außergewöhnlicher Beiträge den wärmsten Dank dafür auszusprechen, daß sieden Vereinsvorstand in die Lage versetzt haben, den vielfachen Anforderungen, welche die stets sich steigernde Zahl der Hilfesuchenden an ihn stellt, möglichst gerecht zu werden, ohne die Reserven angreifen zu müssen. Einer erst in diesem Jahre getroffenen Einführung, an jede glückliche junge Mutter, die sich neuen Kindersegens erfreut, die schriftliche Bitte zu richten, bei dieser Veranlassung der armen Wöchnerinnen zu gedenken, die nach Ppflege und Labung schmachten haben wir auch eine bedeutende Förderung unserer Bestrebungen zu verdanken, und wir erwähnen mit wahrer Erkenntlichkeit den beträchtlichen Zufluß von