Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 10 (4.2.1884)
- Date
- 1884-02-04
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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461 uns als Sklaven zu verkaufen. In demselben heißt es: „Die Israeliten sind meine Knechte, die ich aus Egypten geführt habe. Sie sollen nicht verkauft werden, wie man Sklaven verkauft." Sogar ist dem jüdischen Herrn befohlen, seinen Knecht im siebenten Jahre zu entlasien." Die Antwort dieses auf einer so niedrigen Stufe stehenden und in solcher Armuth lebenden Mannes machte einen tiefen Eindruck auf mich und ich gestehe, daß ich seit dieser Zeit eine höhere Meinung von dem jüdischen Charakter, wie von der jüdischen.Religion bekommen habe." zu muffen, bitte aber mich wenige Augenblicke ruhig anzuhören. Sie befinden sich nämlich in einem Ir." Ein rosiger Hauch überfluthete ihr ganzes Gesicht und Thränen traten in ihren Augen. „Aber, was ist nur mit Dir geschehen Karl? Ich glaube Du bist vom Sinnen." „Das bin ich, Gott sei Dank, nicht! Aber Sie Fräulein sind in einem Jrrthum befangen. Ich bin . . „Aber um Himmels willen, Karl, was soll das heißen?" Feuilleton. Ms dem Men eines orthodoxen Mbbiners. Skizze von Dr. Sta ... ' (Fortsetzung.) „Die Aehnlichkcit," entrang es sich seufzend meiner Brust, als ich in eine Seitenallee einbog und starr ans den Kies des Pfades hinsah, „fängt an auch mir peinlich zu werden. Wenn mir nur daraus keine neue Verlegenheiten entstehen." „Welche Verlegenheiten, lieber Karl?" fragte eine silberhelle Stimme in meiner nächsten Umgebung, und ein weicher Frauenarm legte sich vertraulich auf meine Schulter. Wie von einem jähen Blitze getroffen, zuckte ich unter dieser Berührung zusammen und mich aufrichtend, schaute ich verwirrt und erschreckt in das liebreizende Gesichtcheu eines wunderschönen Mädchens, welches mich mit seinen großen braunen Augen schalkhaft lächelnd ansah. „Habe ich Dich erschreckt, Karl?" „Mein Fräulein," — stotterte ich beklommen — „ich muß bitten. . . . o grausames Geschick! . . . Ich weiß nicht .... mit wem habe ich .... die Ehre — zu... . „Pfui. Karl, pfui!" unterbrach sie mich, während sie mich mit einem Gemisch von Unwillen und Staunen betrachtete und ärgerlich mit dem zierlichen Füßchen den Boden stampfte. — „So begrüßest Du Deine Fanny? — Schämst Du Dich denn nicht, für Deine Schwester, welche acht Tage abwesend war, keinen andern Gruß zu haben, als sie mit schwerernstem Gesichte „Fräulein" anznreden! Ha! ha! Wie komisch! Ich wußte nicht, lieber Karl, daß Du soviel schauspielerisches Talent besitzest! — Nun aber schnell Deinen Arm, Karl, und erzähle mir, was Dich vorhin so sehr bedrückte, wenn Du meine schwesterliche Liebe nicht vollends verscherzen willst!" „Ich bedauere, mein Fräulein, dieses ablehnen „Daß Sie, mein liebes Fräulein, sich geirrt haben!" stieß ich, gereizt durch die fortwährende Unterbrechung rasch hervor. „Hat Ihr Herr Bruder Ihnen noch nicht mitgctheilt, daß er einen Doppelgänger . . . .!" „Das ist doch etwas zu arg! — — Genug, Karl, genug! ich glaube ... .!" „Nichts sollen Sie glauben, mein Fräulein, sondern sich von der Wahrheit überzeugen lasten, daß Sie sich ohne mein Verschulden durch eine Aehnlichkeit haben täuschen lassen!"' Sei es, daß der Ton meiner durch Aufregung heißer klingenden Stimme sie erschreckte, oder daß in ihr plötzlich die Möglichkeit einer Aehnlichkcit zwischen ihrem Bruder und einem fremden Menschen aufdämmertc: genug, sie senkte plötzlich betreten und verlegen die Augen, während auf ihrem Gesichte jähe Röthe und Blässe abwechselten. Ich fuhr fort: „Sie glauben nicht, liebes Fräulein, welche peinliche Stunden ich durch diese Aehnlichkeit schon seit gestern erlebt! — Schon bei meiner Ankunft hatte mich dieselbe fast zur Verzweiflung getrieben. Denn Niemand wollte mir glauben, daß ich nicht Herr Dr. Priester sei, daß aber diese so groß sei, daß selbst die nächsten.Verwandten durch sie befangen würden, habe ich erst jetzt erfahren!" Sie schlug tief erröthend ihre Augen zu mir auf und betrachtete mich einige Augenblicke verwirrt und ängstlich: „Ah, Du — nein — Sie nicht Karl?" stotterte sie. „Nein! bei Gott nein! Aber bitte mich zu entschuldigen! Ich vergab in der Aufregung, in welche mich die peinliche Situation versetzte, mich vorzustellen. Mein Namen ist Dr. Stein. Ich bin ..!" „Der Rabbiner, der morgen in der Synagoge einen Vortrag halten wird?" — „Wie? — das wissen Sie schon? —" „Ja, Herr Rabbiner, ich las heute die Anzeige im Amtsblatte!" _ „Ich bitte sehr, mich zu ent,chuldigen!" fuhr sie fort, indem sie sich graziös verneigte. — „v*dj