Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 10 (4.2.1884)
- Date
- 1884-02-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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157 fängnißstrafe zur Folge. Im ungarischen Abgeyrd-! netenhanse fällt Onüoy lediglich durch sein geckenhaftes Exterieur auf. Seine Reden sind oft von der rührendsten Naivetüt. Er vertrat mit Jstüczy und Simonyi auf dem Aittisemiten-Kongreffe in Dresden die antisemitische Partei Ungarns'und war dort ihr Sprecher. Jstöczy und Simonyi waren geradezu entsetzt über den naiven Speech, den er hielt, und machten aus ihrer Ansicht über die Sache nach ihrer Heimkehr selbst Leuten gegenüber, die durchaus nicht. zu ihren Gesinnungsgenossen gehörten, kein Hehl. Zum Schlüsse noch ein Wort über den Advotaten der antisemitischen Partei, in Ungarn, Herrn Karl Szalay, und auch dieses lediglich nur, weil sich eine tragi-komische Episode an seinen Namen knüpft. Er vertrat im Tisza-Eszlarer Prozesse die Mutter der verschwundenen Esther Solymoffy. Zu Beginn , der Verhandlung nahm er das Wort. „Geehrter Gerichtshof!" sagteer. Der Gerichtspräsident unterbrach ihn aber und bedeutete ihm, daß er als Vertreter der Privatklägcrin erst zum Schluffe des Prozesses sprechen dürfe. Und so saß denn Herr Karl Szalay neun Wochen auf derVertheidigerbank, ohne ein Wort sprechen zu dürfen. Er ist ein kleiner Provinzialadvokat, der sein Leben von einer magern Praxis fristet, die er Tisza Eszlar's wegen auch vernachlässigen mußte. Ein Honorar wurde ihm nicht bezahlt und so veranstalteten die antisemitischen Damen des Szabolcser Komitats mildherzig eine kleine Sammlung für ihn, die fünfzig Gulden ergab. Dieser Betrag wurde von den Damen Herrn Julius Vorhavay überreicht, mit der Bitte, ihn Szalay einzuhändigen. Vorhavay nahm das Geld an sich, reiste Tags darauf, nach Budapest und Herr Szalay sah — Roß und Reiter niemals wieder. Nun, gelegentlich der Untersuchung gegen „Függetlentög" wegen der Csangü- und sonstigen Spendengelder wurde auch diese Assaire bekannt; die Damen von Szaboles sind gegen Lerhovay wegen der unterschlagenen fünfzig Gulden klagbar geworden. Herr Karl Szalay war übrigens vor einigen Jahren in eine bedenkliche Criminalangelegenheit verwickelt und befand sich sogar sechs Wochen tn Untersuchungshaft. Das sind die „Häupter" der antisemitischen Partei in Ungarn. Ich habe nichts hinznzufngen, der geehrte Leser möge selbst die Comequenzcn ziehen. Literarischer Bericht. Lehrbuch der neuhebräischen Sprache und Literatur von .Herm. L. Strack und Earl Siegfried. I. Grammatik der neuhebräischen Sprache von Carl Siegfried. II. Abriß der ncuhcbräischen Literatur von Herm. L. Strack. Karlsruhe und Leipzig H. Reuther 1884. 132 u. XII. S. In diesen Blättern befand sich jüngst eine Korrespondenz au? London, welche darüber Klage führte, daß die Pflege der jüdischen Literatur bei den Juden daselbst so sehr in Argem liege. Während von nichtjüdischcr Seite gerade in der Jetztzeit dieser Literatur und spccicll der nachbiblsichen die eingehendste Sorgfalt gewidmet und erhöhtes Interesse cntgegcngebrackt wird, während in England an verschiedenen Universitäten Lehrstühle für das Talmudstudium errichtet werden und verschiedene Gesellschaften und Privatgelchrte dieses Studium eifrig fördern: muß-, ten mehrere Vereine, die von Seiten der Juden zu ähnlichen Zwecken gegründet wurden, Mangel'? Theilnabme eingehen. Äehnliche Betrachtungen weckt in uns das vorliegende Werk zweier deutscher Uni- 'versitätsprosefforen. Können auch wir Israeliten auf eine solche Erscheinung Hinweisen, wie sie in der Vorrede zn dem vorliegenden Werke als Grund seines Erscheinens angeführt wird? „EhedieersorderlichenVorarbeiten beendet werden konnten", so lautet diescrPaffus, „begann das Studium des Rabbinischen an den deutschen Universitäten einen ebenso erfreulichen wie bedeutenden Aufschwung zu nehmen". Und am Schluffe des Vorwortes schreiben die Herren Verfasser Folgendes: „Möge das Lehrbuch der neuhebräischen Sprache und Literatur dazu beitragen, daß das in vieler Hinsicht so wichtige Studium der jüdisch e n Literat u r, welches in der Zeit, der Buxtorfc eifrig gepflegt worden ist und reiche Früchte getragen hat, zu neuem, kräftigen Leben erblühe!" Wahrlich beschämend sind solche Worte für uns, die wir von Seiten der Juden das gerade Gegcntheil consiatiren müssen. Während das Studium detz Hebräischen unter dem „Volke der Schrift", dessen ganzer geistiger Schatz in Bibel und Talmud niedergelegt. ist, nur ganz spärlich gepflegt wird, sehen wir nichtjüdische Theologen und Orientalisten immer mehr sich dem Studium desselben zuwenden. Die Exegese der heil. Schrift findet bei ihnen die eifrigste Pflege,; Jahraus Jahrein erscheinen neue Werke über, cin- ' zelne Bücher derselben, die bald nacheinander mehrere , Auflagen erleben, was doch das sicherste Kriterium ' eines eifrigen und weitverbreiteten Studiums ist. Im Gebiete der hebräischen Grammatik, deren Grnnd- . lagen die klassischen Grammatiker des Mittelalters, wie Rabbi Jona Jbn Ganach, Raschi, Jbn Esra, - Kimchi u A. ausgearbeitet haben, müssen wir gcstehen, daß die christlichen.Gelehrten die Führung übernommen haben. -Und das heben wir nicht etwa aus Scheelsucht über die Errungenschaften Andersgläubiger hervor, als gönnten wir es den Andersgläubigen nickt, daß sie sich die Schätze unserer na- , tionalen Literatur zu Nutzen machen. Eine solche Gesinnung wäre niedrig und thöricht zugleich. Nur auf dem Gebiete der materiellen «Güter bedeuten die