Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 9 (31.1.1884)
- Date
- 1884-01-31
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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nun können Sie klar aus den — versiebt sich antisemitischen! — Zeitungen „Trompcta Carpatilor", „Romania Libero" u. s. w. ersehen. Was mollen Sie! Solche Leute sollen das Recht haben Schnaps zu verkaufen, das Volk mit ihrem Spiritus zu verwirren, und diesen Zustand ausnützend sollen sie sich es glauben machen, daß cs in Palästina wäre, selber aber die Zügel der Regierung ergreifen, in dem Chaos die „Weißen" (Conservativen) und Ae „Rothen" (Liberalen) aus Kammern und Verwaltung entfernen und dann, vollständig Herren am Ruder, sollen sie auf Grund dessclbeii Artikel 7 der Verfüllung jedes Raturalisirungsverlangcn der Bulgaren, Serben, Griechen, österreichischen und anderen Rumänen ohne Discussion zu rückweisen-, ja sogar die eingeborenen Rumänen ihrer angeborenen Natural-Rechte berauben und sich mit dem Budget vollstopfen? Ich bitte Sie um Verzeihung, daß ich mit dieser Frage mich habe hinreißen lassen, einigermaßen ungehalten zu sein. Wo wirkliche Gründe fehlen muß man zu starken und hitzigen Phrasen greifen. Dieses ist, wie Sie wissen, auch unseren rumänischen Negierungsmännern bekannt. Sie sagen: ausländische Antisemiten behaupten, es wäre nicht wahr, daß die rumänische Negierung vor 1878 die Israeliten ungesetzlich verfolgte und daß sie jetzt ganz dasselbe durch Gesetze thut. Freilich ist cs nicht wahr; denn diese Gesetze sind gegen die „Fremden" gerichtet. Daß. die seit 400 Jahren in Rumänien lebenden Israeliten sammt und sonders „Fremde" sind und daß selbst das Machtwort von sieben großen europäischen Neichen, nämlich der Berliner Vertrag vorn Jahre 1878, nicht im Stande war, den Israeliten ihre Eigenschaft als „Fremde" zu nehmen und sie in Einheimische zu verwandeln, was, wie vorhin angegeben, sie allerdings blos seit iMefähr 4OO Jahren sind: Daran ist doch die Negierung nicht schuld. Und die rumänische Regierung denkt unablässig eben blos an die die „nationale" Erhaltung-— der Serben, Vulgaren, Griechen u. s. in., aus welchen nach der Völkerwanderung, nach Tartaren- und Türkenherrschast die neueste „rmnänische" Nation besteht. Nur aus dem Grunde und im Namen der „nationalen" Erhaltung wird in allen Tonarten geschrieen, daß zu viele „Fremde", nämlich Israeliten, im Lande sind. Dieses Zuviel au kräftigen Armen könnte zwar, zur Feldarbeit verwendet oder auch nur geduldet, im Handel und im Gewerbe, das Glück des Landes befördern; allein, die Furcht vor Gespenstern ist eine fatale Sache: wenn die rumänische Israeliten blos die Gedanken aufgcben wollten, Rumänien in ein Palästina zu verwandeln!!!. Somit grüße ich Sie uni» verspreche, daß ich Ihnen inKirzc auch die anderen Prohibitivmaßrcgeln und deren Begründung bekannt geben werde, Maßregeln, die gegen die Israeliten 'gerichtet sind, wie Sic es wahrscheinlich nennen werden, die aber tmr betreffen diejenigen, welche das Wahlrecht nicht haben, nicht erlangen können, wie ich bei meiner' Meinung beharre. (Forts, folgt.) Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. D e u t s ch l a n d. . Berlin, 25. Januar. Unter dem Vorsitze des Kronprinzen, aU des Protektors, hielt das Ceutral- Comitb der „Victoria-National-Jnvaliden-Stistung^ gestern Nachmittag seine diesjährige Sitzung im Englischen Hause ab. Aus dem gedruckt borliegenden Bericht gab der Referent. General v. Beyer nachstehenden gedrängten Auszug: Das Central - Comitä und der geschäftsführcnde ' usschuß haben durch das am 11. Februar d. I. erfolgte Hinscheiden des Geh. Commercienraths Stadtrath M c y e r - Magnus einen sehr schmerzlichen Verlust erlitten; der Kronprinz als Protektor der Stiftung habe durch Erlaß vom 26. Februar d. I. zum ehrenden Andenken des Verewigten seiner vollsten Anerkennung der hingebenden und erfolgreichen Thätigkeit desselben besonderen Ausdruck gegeben. Berlin, 26. Januar. Die Neberführung der Leiche L as kcr'S vom Bahnhöfe nach der Synagoge fand Abends l'h Uhr unter zahlreicher Betheiligung der Ncichstagsmitglieder, Verwandten und Freunde statt. Auf dem Bahnhofsperron wurden die zwei Brüder und drei Schwestern des Verstoi denen von dem anwesenden Oberbürgermeister v. Forckenbeck, den Abgeordneten Lowe, Hermes. Kochhann, Knörcke, Rickert, den Repräsentanten der jüdischen Gemeinde rc. empfangen. Acht uniformirte Träger hoben sodann den Metallsarg und trugen denselben unter Vorantritt von Beamten der jüdischen Beerdigungsanstalt, während die Anwesenden das Hanpt entblößten, auf den Leichenwagen. Der Kondukt bewegte sich sodann über die Alsenbrücke nach der Synagoge in der Oranienburgerstraße, wo der Sarg in dem mit frischem Grün decorirten Trauungsgemach aufgebahrt wurde. Die Gemeindemitglicder halten bis zur Beerdigung Trauerwacht. Bremerhaven, 25. Januar. In Folge des Sturmes traf der „Wccfar" erst Vormittags zehn Uhr auf der Rhede ein. Fast sämmtliche Schiffe