Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 9 (31.1.1884)
- Date
- 1884-01-31
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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146 . und Gebäude waren auf Halbmast geflaggt. Sofort nach dem Eintreffen im Hafen wurde der Sarg an's Land geschafft, und unter den Klängen des Beethov'schen Trauermarschcs in die Halle des Norddeutschen Lloyd getragen, welche mit frischem Grün und Flaggen reich geschmückt war. Hier wurde der Sarg auf einen Katafalk gestellt. Der Bruder und der Schwager Lasker's, die Abgeordneten Wölffel, Baumbach, Barth, Lipke, Ahlhorn, ferner der Ausschuß des hiesigen Reichsvereins, die Mitglieder der Behörden und mehrere hundert Bremer Burger nahmen um den Katafalk Aufstellung, worauf der Präsident der Bremer Bürgerschaft, Claussen, die erste Ansprache hielt, worin er den Tobten auf deutschem Boden begrüßte, seine Uneigennützigkeit, Charakterreinheit, Liebe zur Freiheit und dem Vaterlande rühmend hervorhob. Der Abgeordnete Baumbach hieß,-den Verewigten Namens der Freunde und Wähler in der deutschen Heimath willkommen, dankte den Deutschen Amerikas für die ehrende Aufnahmedie Lasker in Amerika gefunden. Lasker's Tod bewegte alle tief. Lasker's Herz weilte stets im Vaterlande. An seinem Sarge müsse aller Streit und Hader schweigen, auch der konfessionelle. Er sei viel bekämpft, aber auch viel geliebt worden. Seine Selbstlosigkeit, Selbstverleugnung und Vaterlandsliebe sei von Jedem anerkannt. Der Abgeordnete Wölffcl legte Namens der liberalen Vereinigung einen Kranz auf den Sarg. Der Prediger der isr. Gemeinde Bremens, Lewinger, feierte Lasker als Freund der Wahrheit. Er spendete gleichfalls einen Kranz. Unter einem Tranermarsch wurde der Sarg hierauf in einen schwarz und weiß ausgeschlagenen Waggon getragen und begleitet von auswärtigen Trauergästen nach dem Bahnhof Geestemünde übergeführt, von wo er Nachmittags zwei Uhr nach Berlin weiterfährt. Oest.-Ungar. Monarchie. Wien, 26. Januar. Das Antisemikenblatt „Tribüne" hörte heute zu erscheinen auf. Krakau, 25. Jan. Die hiesige medicinische Facnltät hat die übermittelten Acten in Angelegenheit des Mordes in Lutcza an den Untersuchungsrichter mit der Erklärung zurückgeschickt, daß es dringend nothwendig sei, noch einmal die Exhumirung der Leiche der Mnich anzuordnen behufs Untersuchung des mit derWirbelsäule (Rückgrat) zusammenhängenden Schädels, sowie den Mitangeklagten Stochlinski, der in seinem Verhöre beim Bezirksgerichte StrMow zum Meuchelmorde sich bekannte, unter Beobachläng hiesiger Psychiater zu stellen, um deffen geistigen Zustand zu constatiren, da er später seine erste Aussage widerrufen und behauptet habe, kn Folge seiner Typhuskrankheit im Gefängnisse au Gedächtnißschwäche zu leiden. Terne-vckr, 22. Jan. Heute wurde Dr. Rosenberg (in der Duell-Affaire Batthyünyi-Rosenberg) zu zwei Jahren Staatsgefängniß verurtheilt. Rumänien. Budapest, 25. Jan. Bei Berathung des Justizbudgets klagte der Abg. Vesztcr den Jnstkzminister an, durch sein Verhalten im Tisza-Eszlarer Prozeß den Antisemitismus groß gemacht zu haben, wodurch gegenwärtig die Position des Ministeriums vornehmlich erschüttert fei. Der Jnstizminister erklärte, die Verantwortung vor dem Reichstage, vor Gott und den Menschen tragen zu wollen. Türkei.- Konstantinopel, 22. Jan. Der „Moniteur" erfährt, daß die kaiserliche Commission die Eintheilung der Abgebrannten von Haßkjöi in vier Kategorien beendigt hat. Ein jedes Familienhaupt der ersten Kategorie würde 2 Medschidie (l Medschidie etwa gleich 3*/2 M.), und ein. jedes Familienmitglied 1 Medschidie erhalten; bei der zweiten und dritten Kategorie bekäme das Familienhaupt 4 und jedes Mitglied 2 Medschidie, während bei der aus Wittwen und Waisen bestehenden vierten Kategorie einer jeden Person 4 Medschidie ausbezahlt würden. Des Weiteren seien folgende Entschädigungssummen fest* gesetzt worden: 30 pCt. des früheren Jmmobilkenwerthes für Eigentbümer, die sehr gelitten haben und 25 PCL. für die übrigen, ferner 25 pCt. auf verbrannte Maaren. Die dazu erforderlichen Summen sollen ausschließlich dem von der kaiserlichen Commission gesammelten Gelde — das Counts der „Alliance Isr." verfügt selbst über die bei ihm ekngelaufenen Gaben entnommen werden.