Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 9 (31.1.1884)
- Date
- 1884-01-31
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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XXV, Jahrgang. Erste Beilage zu Nr. 9 des Israelit. Leilender Artikel. Briefe aus Mmäuien über den neuesten Stand der dortigen Israeliten. Mitgetheilt von Dr. I. Enc. *) - r» . > Ich constatire aus dem Inhalte des Schreibens, mit welchem Sie mich beehrt haben, daß Sie zugleicher Zeit lachen und weinen. Es thut Ihnen leid, daß Sie Rumänien in Folge des alten Artikel 7 der Verfassung verlassen haben und Sie freuen sich, daß dieser Artikel 7 im Sinne des Berliner Vertrages geändert,wurde. Sie fragen mich, welche sind die Früchte, die die Aenderung hervorgebracht hat, und, wie ich verstehe, vermuthen Sie, daß ein „Jude", der im Lande geboren ist, von Eltern die ebenfalls im Lande geboren sind und von Ureltern, die dito im Lande, geboren sind, ohne sich je einer fremden Unterthanenschaft erfreut zu haben, daß ein socher Jude, vermuthen Sie „ohne Discussion zum Bürgerrecht zugelassen wird", wenn es ihm gefällt, die Naturalisa, tion mit Dispensirung von der zehnjährigen Wartezeit zu verlangen. Schöne Annahme in der That. Aber die Wirklichkeit, die traurige Wirklichkeit ist: daß er „ohne Discussion ab gewiesen wird." Und ich, der ich ein Israelit bin in den obigen Bedingungen, ich versichere Sie, daß die Mandatare des rumänischen Volkes daran gut thun, solch' absurdes jüdisches Verlangen zurückzuweisen. Wozu brauchen „Juden" das Bürgerrecht? „Damit sie uns auch das politische Leben mit Vitriol vergiften sollen, wie sie es mit den geistigen Getränken thnn?" Ob dies auch Gerechtigkeit wäre, ist allerdings eine noch streitige Frage. Das Ergebniß der Verfassungs-Revision aber ist kein anderes, als wie ich es Ihnen vorhin angegeben habe: die Israeliten Rumäniens im Allgemeinen und im Bejondern, haben trotz der Aenderung des Artikel 7 oder weil damit nur Comödie gespielt wurde, noch immer keine Menschenrechte. *) Jeder Nachdruck verboten. Vielleicht werden Sie beim Lesen dieser Zeilen lächeln; Sie werden möglicherweise glauben, daß ich in umgekehrter Weise Jhnel^gegenüber den Diplomaten „machen" will, wie dirrümänischen Staatsmänner es gegenüber den ruhmreichen Mitgliedern des Berliner Congrcsses gcthan hab'kn.ittdem sir-sir^ an eine wirkliche. Aenderung des Artikel 7 Mmbeu machten. Ich versichere aber auf's Wort, daß ich weit entfernt bin, Diplomat zu sein nnd am allerwenigsten in dem hier verstandenen Sinne und daß ich Ihnen nichts berichte, was nur ein Tüpfelchen über die reine, lautere Wahrheit hinausginge. Es ist wahr, daß der Artikel 7 umgemodelt wurde, es ist aber nicht minder wahr, das jedes Naturalisations-Gesuch eines Israeliten ohne Debatte verworfen wird. . Es ist wahr, daß in den Bureaus der gesetzgebenden Körperschaften viele israelitische Jndigenatsgesucht herumliegen, aber es ist nicht minder wahr, - daß mit einer rein diplomatischen Schlauheit sich der stille und feste Entschluß in die Kammern eingeschlichen hat (wahrscheinlich in einer außerdiätarischen Zusammenkunft der Abgeordneten): diese israelitischen Naturalksatkonsgesuche auf die Tagesordnung der ersten Sitzungen von zu schreiben, nachdem die Seele des Gesuchstellers längst glücklich in den.Himmelsräumen schweben nnd über uns, unsere Welt und unsere Rechte lachen wird. Ich kenne Sie ja seit lange und weiß, Sie haben die Gewohnheit, bloße Angaben nicht zu glauben und bestehen auf überzeugende und schlagende Beweise. Wohl! Ich habe nicht den Muth, Ihnen eine Collection rumänischer Zeitungen oder des „Monitorul Official" (die offizielle Zeitung der Bucarester Regierung), enthaltend die. Reden der Deputirten. und Senatoren, vorzulegen. Die Landesgcsetze sind ebenfalls zu umfangreich und langweilig, um als Lectüre empfohlen werden zu können. Wenn Sie aber Muße und Geduld hätten, Ihren Geist mit einer so wenig zerstreuenden Lectüre zu beschäftigen, so würden Sie sehen, daß die Wahr- - heit von den Naturalisations-Verweigerungen ohne . Debatte auf meiner Seite ist. Siewürdcn zwischen den Zeilen lesen können, daß in Folge eines von „national-oekonomischen" Raisonnemcnts geheiligten Princips, jedes Naturalisirungs-Gesnch, und 'käme es auch von Seiten des Bruders des ersten Ministers und Staatsmannes, naturgemäß zurückgewiesen wer-