Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 9 (31.1.1884)
- Date
- 1884-01-31
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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■ 141 fälligem Gegensätze eineNachricht des „ Petersb.H erold,"? wonach den in den Ostseeprovinzen ansässigen Inden! derAufenhalt im ganzen Reiche gestattet worden sein soll.! Feuilleton. Am standhaft! xxvn. Trotz seines Liebesrausches hatte Herr von Löwenheim die ihm ünerzogene Vorsicht eines Geschäftsmannes nicht ans den Augen verloren. War es doch möglich, daß seine kaltherzige Braut das Verhältniß zu ihm wieder lösen konnte! Und alle männlichen Badegäste in Ostende beneideten ihn um den Besitz dieser schönen und vornehmen Dame! Der Gedanke schon, Agathe zu verlieren, erfüllte ihn mit Angst und Schrecken. — Dem klugen Beobachter blieb cs jedoch nicht verborgen , wie sehr das Glück ihres Bruders der Schwester am Herzen lag. Um die Schwester von einer Auflösung des Verlöbnisies zurückzuhalten, beschloß er, den Bruder unauflöslich an sich zu feffeln. „Lieber Bruno," sagte er eines Tages zu ihm, „es werden noch Wochen darüber hingehen, bis wir, Agathe und ich, unser Hochzeitsjest feiern können. Da wäre es vielleicht angemessen, wenn Du diese schönen Spätsommertage dazu benutzen möchtest, die Familiengüter in Schlesien wieder anzukaufen und einen tüchtigen Baumeister zu engagiren, der die Pläne für den Aufbau des Schlosses anfertige, damit im Frühjahre der Bau gleich begonnen werden könne. Ich gebe Dir ein Accreditiv-Schreiben an ein mir befreundetes Bankhaus in Breslau, las Dir die nöthigen 100,000 Thaler auszahlen wird. Du brauchst keine so abwehrende Miene zu machen; ich will Dir das Geld nicht scheukcn, ich will es Dir nur leihen. Hcirathest Du Bernhardine, so werde ( ich Dir diese Summe bei der Auszahlung der Mitgift in Anrechnung bringen." „„Und wenn, wir uns gegenseitig nicht gefallen sollten?"" „So werde ich mich mit der Rückzahlung so lange gedulden, bis Deine Finanzen Dir diese ermöglichen. Ich zweifle nicht daran, und Dein Freund Schwarzenstein hat cs Dir ja geschrieben, daß die Güter billig zu erwerben sind und eine hohe Rente abwcrfcn werden. Da kannst Du Deine Schuld in kleinen Roten abtragen. Daß ich Dir keine Zinsen berechne, wirst Du mir'als Schwager schon gestatten." ' „„Du bist der beste Mensch der Welt,"" rief Bruno begeistert aus und umarmte den zukünftigen Mann seiner Schwester. „Lag cs gut sein, mein lieber Junge," sagte Lowenheim. „Ich fühle.mich verpflichtet, für den einzigen Bruder meiner geliebten Agathe etwas zu thun. Nebrigens kann es mir ja lieb sein, wenn das alte, freiherrliche Geschlecht, mit welchem ich mich zu verbinden die Ehre haben werde, den Glanz seines Namens durch den Erwerb seiner Familiengüter wieder herstellt. Hier ist das Accreditiv- Schreiben. Die zu erwerbenden Grundstücke können einstweilen auf meinen Rainen eingetragen werden. Hcirathest Du Bernhardine oder zahlst Dü das Geld, so lasse ich den Bcsitztitel auf Dich übertragen. Nimm das Dokument zu Dir." Nachdem Bruno Beides gethan, fuhr Löwenheim zu reden fort: „So, das wäre geschehen. Und nun erlaube mir, daß ich Dir noch einige Instructionen ertheile. Du bist Osficier und nachher Schriftsteller gewesen. Es ist natürlich, daß Du von Geschäften nichts verstehst. Ich habe deßhalb an das Bankhaus, auf welches Dein Akkreditiv lautet, das Ersuchen gestellt, Dir einen erfahrenen und tüchtigen Geschäftsmann zu empfehlen, der Dich beim Ankäufe der Güter unterstütze. Wen Kornfeld u. Comp. Dir empfehlen, dem darfst Du volles Vertrauen schenken. Ninnn ihn mit Dir nach W. und laß ihn den Kauf - abschließen. Du wirst viele Tausende dabei ersparen. Und nun reise mit Gott. Sobald der Kauf abgeschlossen ist, bist Du wohl so gut, uns ein Telegramm zu scudlN." „„Ich wiederhole es,"" sagte Bruno, „„Du bist der beste Mensch der Welt und ebenso klug wie flut. Ich preise meine Schwester glücklich, daß sie einen solchen Mann gefunden!"" Bruno eilte zu seiner Schwester, um sich von ihr zu verabschieden. „Agathe," rief er, ins Zimmer hineinstürmeüd, „wir sind am Ziele unserer Wünsche! Heute Abend noch reise ich nach Schlesien ab, um unsere Stammesgüter anzukaufen und das Schloß unserer Ahnen wieder aufzubaucn. Dein Verlobter gewährt mir die Mittel dazu. Sei gut zu ihm! Ich bitte Dich inständigst darum. Er verdient es wie kein anderer Mensch auf Erden!" Agathe brach in Thränen aus. j „ ,',Mein heißgeliebter Bruder," " sagte sie, „ „ich will cs versuchen um Deinetwillen."" Von diesem Augenblicke an. war das Freifräulein von Wolkenberg weniger stolz und zurückhaltend -gegen ihren Bräutigam, und Herr von Löwenheim hatte alle Ursache, sich seines gelungenen Planes zu freu«. - Bruno reiste Tag und Nacht, um das Ziel seiner Wünsche zu erreichen. In Berlin hätte er sich gern einige Tage aufgehalten, um seinen ehemaligen Ka-