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Der Israelit · 1884-01-31 · Heft 9 (31.1.1884) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 9 (31.1.1884)
Date
1884-01-31
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Als kompetente Männer, Abgeordnetcn-Collegen! mosaischer Confession mich aufforderten, in diesem? berüchtigten Strafproccffe die Verthcidigung der nn-! glücklichen Angeklagte» zu übernehmen, da hat mein - Gewissen lange schwer gekämpft zwischen der doppelten Pflicht, ob ich, wenn ich diese Sache unternehme, nicht meine publicistische uffd politische Stellung! schädige, und wenn ich sie nicht unternehme, nicht gegen jene höhere Menschenliebe und das Pflichtgefühl verstoße, die mich stets geleitet und mich auch künftig leiten werden. Als ich aber sah, wie die Agitation durch sechs Wochen im ganzen Lande betrieben wurde und wie von Tag zu Tag diese Aufwieglung zunahm, welche nicht wehr einige Schächter anklagte. sondern eine ganze Confession; als ich sah, wie die antisemitischen Herren und Zeitungen sich nicht mehr begnügten, zu sagen: die Schuldigen Peter und Paul oder Abraham und Salomon haben ihre Strafe zu erleiden, sondern wie sie durch alle Register der Leidenschaft und des ruchlosen Haffes ausposaunten, jener Handlung sei eine ganze Confession schuldig, und als man dieser großen historischen Glaubensgenoffenschaft die entsetzliche Anklage der. rituellen Blutschuld gleich dem Brandmale des Henkers auf die Stirne drücken wollte, damit sie Jahrhunderte hindurch aufrecht bleibe und für alle Zukunft der Aufregung Nahrung biete, deren traurige Erscheinungen wir bereits in einigen Gegenden des Vaterlandes erfahren haben, als ich das sah und erfuhr, daß nachgerade bereits 72 Menschen ihrer Freiheit beraubt worden sind, und zwar unter der Wirksamkeit eines ungelehrten, unerfahrenen, im grünen Alter stehenden Vice-Notärs, der als Untersuchungsrichter fungirte; als ich sah, daß der Herr Justizminister mit uuver- . glcichlicher Unparteilichkeit derartige Jnhaftirnng von 72 Menschen mit ansieht und in dieser seiner erhabenen Unparteilichkeit vielleicht selbst dann sich nicht in eine Angelegenheit cinnüschen würde, wenn nicht 72 Menschen, sondern 700,00t) Menschen in Anklagezustand versetzt würden, wie denn auch in der That eine ganze große Religions-Genossenschaft augcklagt wurde, welche unter der Wncht dieser entsetzlichen Anklage stumnl erschreckt und eingeschüchtcrt dastand, da sagte ich mir: Ich bin entschlösse», die Verthcidigung zu übernehmen, denn es kann wohl geschehen, daß. die Leidenschaft des Antisemitismus mich zermalmt, -'nicht geschehe» kaun es aber, daß dieselbe mich mit sich fortreißt, und nicht geschehen kann es, daß ich einer meiner vollsten llröerzeugung nach ungerechten und herzlosen Anklage, sei cs auch nur scheinbar, sei es auch nur stillschweigend zustimme und Recht gebe. In politischen und Abgeordnetenkreisen, ja sogar in der vaterländischen Presse ist die odiose finanzielle Seite dieser Angelegenheit häufig vcntilirt worden. Als meine Freunde mich aufforderteu, diese Vertheidiguug zu übernehmen, und ich mit meinen geehrten Freunden Horanszky und Funtak dieselbe übernahm, wurde jene Frage an mich gerichtet, welche im alltäglichen Leben an den Rechtsanwalt immer gestellt zu werden pflegt, was der Preis der Arbeit sein werde, das heißt, man fragte uns, welches Honorar wir uns für die Vertheidignng bedingen. Ais Erster nahm in dieser Berathung Horanszky das Wort; er sagte, daß hier die Frage der Entlohnung, des Advokatcu-Honorars, nicht den Gegenstand der Besprechung bilden könne, denn wir müssen die Angelegenheit entweder aus andc wcitigcn Beweggründen übernehmen, ganz abgesehen davon, ob unsere Arbeit honorirt, ob uns für'die vielfachen Leiden und Verfolgungen, welche die Sache zur Folge haben wird, Ersatz geboten wird oder nicht, oder aber,, wir finden ans dem Gebiete des gesellschaftlichen Lebens keine Motive, welche uns bewegen könnten, die Angelegew heit im öffentlichen Interesse zu übernehmen, welches Honorar uns auch geboten würde. (Lebhafter Beifall.) Nie gab es ein Feilschen', nie einen Vertrag, und schließlich hat das uns Allen ansgefolgte Honorar die Höhe der einer solchen Arbeitsleistung entsprechenden und für eine solche üblichen Entlohnung keineswegs überschritten. Auch blieb es weit hinter dem durch anüscmitischc Blätter verkündeten Betrage zurück. Indessen, meine Herren, welchen Zweck hätte auch ein solcher Vertrag gehabt? Hat denn Ungarns Judcnschaft, haben denn die Juden dieser ganzen Welt Geld genug, um Entschädigung bieten zu können für alle jene Verunglimpfungen, deren wir von Seite der antisemitischen Presse und des Antisemitismus theilhaftig geworden sind? Neinl Dafür vermag! uns alles Geld der Welt nicht zu entlohnen. Eines - aber gibt es, was meine Freunde und mich in dieser Hinsicht entschädigt: unser Selbstgefühl und Erfolg. Der Abgeordnete Ladnay sagte gestern: „Es wird bald ein Jahr, daß der Herr Abgeordnete Karl Eötvös in seiner Eigenschaft als Advocat eine Eingabe an den Minister des Innern gerichtet, in der er behauptet, daß in Ungarn die Tortur deo Untersuchungshäftlinge vielleicht schon eine üblicl-e specielle Methode der Untersuchung bilde und daß besonders! in dem sensationellen Tisza-Eszlarer Strafprozesse, j auf welchen seine Eingabe sich bezog, der Unter- - suchungsrichter bei zwei Flößern die schreckliche Folter . der Waffertortur angewcndet habe." Geehrtes Haus! j In dem Passus, welchen ich verlesen habe, ist? kein einziges Wort wahr. Wohl hat es die antisci mitische Presse hundertmal gesagt und interpretirt,! aber es ist kein wahres Wort daran. Herrn Vadnay i fordere ich mit so viel Achtung als er verdient, auf, mit jenen Daten hervorzutrctcn, auf welche er, den; guten Ruf unserer Gerichte benützend, seine Behaup-

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