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Der Israelit · 1884-01-31 · Heft 9 (31.1.1884) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 9 (31.1.1884)
Date
1884-01-31
Page
– (sequence 4)
Language
German
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3 138 verein Ncn-Eoelln am Wasser und der sehr stark vertretene Verein Waldeck vervollständigten die Vertretung des dritten Reichstagswahlkreises, an den sich unmittelbar der vierte, selbstverständlich wieder mit Fahnen, Emblemen, Kränzen und reichen Blumenspenden, anschloß.- Unter dem Banner des vierten Wahlkreises marschirten die Bezirksvcreine des Mariannenplatzes, Heinrichsplatzes, Oranienplatzes, Andreasplatzcs und'des Frankfurter Stadtviertels. Es folgte ein weiteres Musikcorps und hinter diesem, unter Führung des Stadtverordneten Pitzmann, der fünfte Neichstagswahlkreis mit der Fahne des liberalen Bürgerverein-r, Alexanderplatz- und mehrerer, anderer Bczirksvereine. Den Beschluß bildete der sechste Neichstagswahlkreis, der Blumenspenden in verschwenderischer Fülle im Zuge mitführte. - Die Entwickelung des ganzen Zuges nahin über 20 Minuten in Anspruch; die Zahl der Theilnehmer kann auf mindestens 5000 geschätzt werden. Die Haltung des Publikums, das zu vielen Zehntaüsendcn die Straße und Plätze säumte und jeden Aussichtspunkt occnpirte, warim großen Ganzen eine überaus würdige und denl Ernst der Feier angemessene. Tran.'rzeitnngen mit dem Bilde und der Biographie Lasker's wurden massenhaft auf der Straße abgesetzt. Auf dem alten Friedhofe der israelitischen Gemeinde in der Schönhauser Allee, welcher seit Eröffnung des Friedhofes in Weißensee offiziell geschlossen wurde, war das Grab des großen Todteu bereitet worden. Die Säulen der alten Leichenhalle waren mitTrauerllorcn und Tannengrün umwunden, während die Wände ebenfalls schwarz ausgeschlagen fast unter dem Schmucke herrlichster Blattpflanzen und blühender Blumen verschwanden. Noch vor dem Eintreffen des Conduktes wurde neben dem offenen Grabe eine außerordentliche Menge von Kränzen aufgehänst. Gegen 1 Uhr 20 Minuten erreichte die Spitze des Zuges den Friedhof, und nachdem die Fahnen abgcschwenkt und an dem Grabe Aufstellung genommen, rangute sich der ungeheure Zug nach rechts und links sich theilend, an der Peripherie des Friedhofs. Die Leiche war nach der Leichenhalle gebracht worden, um dort aufgebahrt zu werden. Das Träuergefolge ordnete sich, so gut cs in den Mafien ging,'vor der kleinen Halle, in welcher die Feier stattfinden sollte, und gegen I V- Uhr wurde unter dem lautlosen Schweigen der Menge, der Sarg hcrbeigebracht und auf. den Katafalk gesetzt. Nachdem die am Grabe stehende Musik einen Ehoral geblasen hatte, betrat Herr Rabbiner Dr.Maybaum die zu Häupten des Sarges stehend^ Tribüne und hielt die Grabesrede. Der Rede folgte ein Gebet in hebräischer und deutscher Sprache, dann wurde der Sarg aufgehoben und unter den Klängen des von einem Musikcorps geblasenen Liedes: „Es ist bestimmt in Gottes Rath" nach dem nur wenige Schritte entfernten Grabe getragen. Gegen 2*/« Uhr wurde, was sterblich ist an Eduard Laster, in die Erde hinabgesenkt. Die den Leichenzug bildenden Vereine und Körperschaften waren unterdessen mit ihrer Spitze bis an das Grab heranrückt, aus dem sie nun die zahllosen Lorbeerkränze, welche bisher im Zuge getragen wurden, niederlegteu. Das Grab selbst verschwand bald unter den mit Atlasschleifen in weiß-roth-schwarz u. f. w. geschmückten Lorbeerkränzen. Gegen 3 llhr war die Feierlichkeit vorüber. Vor dem Friedhof harrten Tausende von Menschen aus den Abmarsch des Leichenzuges, der unter Musik erfolgte. An vorher bestimmten Stellen lösten sich die einzelnen Theile des Zuges aus» Berlin, 2st. Jan. Im Saale der Singakademie fand gestern Abend ein Gedächtnißfeier für Lasker statt. Der Reichstagsabgeordnete Dr. Ludwig Bamberg er hielt die Gedächtnißrede. Der große Saal war vollständig gefüllt und die hervorragendsten Vertreter der Wissenschaft und der Literatur, soweit dieselben in Berlin anwesend sind, waren erschienen. Die Rede Bambergers war von mächtiger, hinreißender Wirkung. Der Redner entwarf ein Bild des parlamentarischen Lebens des Verewigte». Liebevoll und wahr schilderte er dessen große Vorzüge und einflußreiche Wirksamkeit. Die Rede machte einen ungeheuren Eindruck. Namentlich zündeten dieStellen, in welchen der Redner bcu Mangel jeder ofsiciösen Vertretung beim Begräbnisse des großen Parlamentariers rügte. Allgemein hört mau die Meinung äußern, daß diese Rede Bambergers den vorzüglichsten oratorischen Leistungen der größten Redner aller Zeiten sich würdig anreihe. Zeitungsnachrichten und Correfstondenze». Oesterr.-Ungar. Monarchie. Westh, 26. Jan. In der gestrigen Sitzung des Abgeordnetenhauseshauses hatte der nengewählte antisemitische Abgeordnete Andor Vadnay gegen den Abgeordneten Karl Eötvös wegen dessen Funktion als Vertheidiger im Eszlarer Prozesse heftige Angriffe vorgebracht, auf die Eötvös. heute in einer vom ganzen Hause mit großer Aufmerksamkeit angehörten Rede antwortete. Eötvös sagte im WesenÜichen Folgendes:

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