Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 9 (31.1.1884)
- Date
- 1884-01-31
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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s 137 Verlegenhelten des „Függctlensög" abzuhelfen. Ein Bruder Verhovay's, der Leiter der Administration, befindet sich bereits in Haft. Der Gerichtshof verlangte nun auch die Auslieferung des Chefredakteurs Julius Vcrhovay vom Abgeordncteuhause, beziehungsweise die Aufhebung seiner Abgeordneten - Immunität. Heber. das Maß seiner Schuld wird das Gericht entscheiden, deffen Urtheile wir nicht vorgreifen wollen; in dem Anklageact führt der Gerichtshof aus, daß Julius Verhovay nicht blos von der sträflichen Verwaltung der Spendengelder bei feinem Blatte Kenntniß hatte, sondern einzelne Beträge auch zu seinen privaten Zwecken verwendete.? (Schluß folgt.) Laskers Megräöniß. Berlin, 28. Januar. d. Soeben kehre ich von dem Gegräbnisic Lasters zurück, das sich zu einem durchaus imposanten gestaltete. Ueber die Feier in der Synagoge kann ich Ihnen nur vom Hörensagen berichten, da ich, wie Sie wissen, eine Orgelsynagoge grundsätzlich nicht betrete. Das große Haus in der Oranienburgerstraße war bis ans den letzten Platz gefüllt. Der Sarg war vor der heiligen Lade aufgebahrt, verschwand aber unter der ungeheueren Menge der Dlumenspcnden. Außer dem Oberbürgermeister v. Forckenb e ck, der in Amtstracht erschienen war und dem Reichstaaspräsidenteu. Herrn von Levetzow, war.vou offiziellen Persönlichkeiten nichts zu erblicken. Kein Vertreter der Negierung, kein hoher Beamter war erschienen; auch von den konservativen Abgeordneten und vom Ccnlrum waren nur Wenige anwesend. Dagegen waren die Liberalen sehr zahlreich erschienen. Die Gesandten Amerikas und Griechenlands legten im Namen der von ihnen vertretenen Ländern Lorbeercnkränze auf den Sarg nieder. Herr Rabbiner Dr. Frankl hielt die Leichenrede. Er entwarf ein Charakterbild des Heimgegangenen, dessen Hauptstreben der Wahrheit und Gerechtigkeit galt, während er durch Selbstlosigkeit und Bedürfnißlosigkcit sich seine Unabhängigkeit zu bewahren trachtete. Hierauf ergriff Friedrich Kapp das Wort. Was Laster erreicht hat, sagte der Redner, hat er lediglich der eigenen Thatkraft zu verdenken. Ohne äußere persönliche Vorzüge mußte er selbst die Beredsamkeit durch große Anstrengungen zu erlangen suchen. Sein Hanptvorzug war die logische Beweisführung. Laster war ein Held, der unablässig für das von ihm als recht und wahr Erkannte kämpfte und im Dienste des Vaterlandes seine Gesundheit opferte. Das bürgerliche Heldenthum Eduard Lasters wird für alle Zeiten amRuhmcshimmel der deutschen Nation strahlen. Ein Viertel vor 1 Uhr setzte sich der Trauerzug von der Synagoge aus in Bewegung, ein Couduct, ebenso überwältigend durch die Feierlichkeit und Würde der Arrangements, wie durch die Wucht der sich bethciligendcn Masse. Voran ein Mnsikcorps von 30 Mann, flankirt von berittenen, dem Zuge häufig voraussprcngenden Schutzleuten, daun die reickgcsticktc Fahne des Vereins „Vorwärts", die bekränzten Embleme des Haudwcrkervereius und die schwärz-roth-goldne Fahne des Arbeitervereins,-gefolgt von mehreren Hunderten von Mitgliedern, Flügelmänner mit Marschallstäben in den Händen. Der ganze Lcicheuzug bewegte sich in Gliedern zu fünf Mann. An diese Vereine schlossen sich zunächst der Wahlverein des 1. Reichstagswahlkreises, geführt von dem Abgeordneten Dr. Hermes, die Fahnen, Embleme und Widmüugskränze des Dorotheenstädtischen und des Friedrichstädtischen Bezirksvereins traten hier besonders hervor. Ein zweites Musikcorps schritt dem Wahlvcrcin der Fortschritt. Partei im 2. Wahlkreise voraus, an dessen Spitze eine prächtige goldgestickte Fahne flatterte. Der Potsdamer und der Hallesche Thorbezirk'sverein, die Bezirksvercinc der südwestlichen Fricdrichsstadt und des Deuncwitzplatzes mit Lorbeerkränzen und Widmungen aller Art folgten. Unmittelbar vor dem Traucrwagcn schritt der Prediger Dr. Frankl. Der Leichenwagen selbst, schwarz drapirt, blumengcschmückt und von zwei schwarzbchangenen Pferden gezogen, folgte in gemefferrem Tempo. Hinter ihm schritten die nächsten Leidtragenden, die Brüder, Schwager, Schwägerin und Nickte des Dähiugeschkedenen, einige entferntere Verwandte und die offiziellen Deputationen. Oberbürgermeister von Forckenbeck und Stadtverordnetenvorsteher Dr. Straßmaun, angclhan mit der goldncn Amtskette, waren umringt von Vertretern des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung. Eine größere Zahl parlamentarischer Freunde und Genossen des Vcstorbencn folgten. Daran schlossen sich Deputationen, zunächst der juristischen Gesellschaft, dann des Kaufmännischen Vereins zu Frankfurt a. M., des Wahlvereins der Liberalen für den Wahlkreis Liegnitz Goldberg, der liberalen Wahlvereine zu Brannsckweig, Breslau und Worms, des zweiten Meininger Wahlkreises (den Laster bekanntlich vertreten hatte) mit einem silbernen Lorbcerkranz auf schwarzem Sammtkissen, endlich des Magistrats der Geburtsstadt Lasker's, Jaroczin. Ein drittes Musikcorps marsckirte dann an der Spitze des Wahlvereins des drittenReichstagswahlkreises, dessen Angehörige unter Führung des Stadtverordneten Loebel in sehr großer Anzahl erschienen waren. Der Lomsenstädtische, Koepnicker Vorstadt und der Bezirks-