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Der Israelit · 1884-01-28 · Heft 8 (28.1.1884) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 8 (28.1.1884)
Date
1884-01-28
Page
– (sequence 11)
Language
German
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129 Die Synagoge war auch von Mitgliedern der großen Synagogengemeinde bis auf das letzte Planchen gefüllt und folgte man in feierlicher Nutze und Spannung dem edlen Vortrage. Die Festrede am Samstag Morgen wurde von Herrn Rabbiner Dr. Ehrmann aus Trier, der von den Fcstgästen bei der Seminar-Einweihung hier zurückgeblieben war, gehalten. Der überaus herrliche Vortrag beginnend mit den ersten Worten des Wochenabschnittes behandelte in erster Reihe das Festhalten unserer Väter an ihren altüberlieferten jüd. Namen, die sie auch in dem modernen gebildeten Mizrajim als Ehrenname nicht abgelegt und P'.sn sich nicht Rudolph, pye» nicht Siegmund und %t> sich nicht Leo nannten 2C.2C. und dadurch zu Wege brachten, daß sie nicht aufgingen, nicht amalgamirt wurden unter dem Volke. Auch uns ist vor Decennien der Name Orthodoxe als Schimpf- und Spottname gegeben worden, wir haben ihn acceptirt und als Ehrennamen beigehalten und freuen uns heute dieses Namens, der uns kennzeichnet als Sondergemeinde, die festhalten an unserer heiligen alten Ueberlieserung, die von der indifferenten Masse sich losgelöst, von ihr sich nicht verschlingen lassen. — Darum ist jede Weihe eines neuen Gotteshauses in dieser Art ein besonderer hochwichtiger heiliger Akt, der von Neuem Zeugniß ablegt, daß wir die alten Jacobs - Söhne sind rfrsn nie» 2C. Es ist unmöglich mehr als diesen kleinen Theil der Rede wiederzugeben, die begeisterten Widerhall fand in den Herzen der Zuhörer. Die Synagoge im Aeußeren vollendet, bedarf noch der inneren Einrichtung und Ausschmückung, wozu noch ca. Mk. 4000 nothwendig sind; beim Aufrufen zur Thora am Samstag Morgen wurden über Mk. 600 für diesen Zweck gespendet. Am Samstag Abend vereinigten sich die Mitglieder der Adaß-Jechurun mit ihren Familien unter Anwesenheit ihres verehrten Gastes Herrn Dr. Ehrmann in einem hiesigen jüd Restaurant und beschloß en hier das schöne Fest in überaus würdiger Weise. Es wechselten ernste und heitere Vorträge, Toaste, Musik, Gesang und der Vorstand forderte die Versammelten auf anschließend an die Worte no run diese Wahrheit wahrzunehmen zu einem innigen festen Zusammenhalten in jedweder Lage des Lebens. Erst spät nach Mitternacht trennte man sich, und jeder Einzelne nahm das schöne Bewußtsein mit sich, zur Weihe des Tages sein Schärflcin beigetragen zu haben. Oesterr.-Ungar. Monarchie. H)eW. Wie wir bereits gemeldet, hat die aut. orthodoxe israelitische Durchführnngskommifsion unter Führung des Präsidenten Ignaz Reich durch eine aus den Mitgliedern Adolf König (Raabßiget), Markus Fischer (Zenta), Salamon- Weiß (Balassagyarmat) und Mair Trebits (Budapest) bestehende Deputation dem Kultusminister, als Entgegnung auf das von der israelitischen Landeskanzlei, respektive den Bezirkspräsidenten in Angelegenheit der Regelung der israelitischen Gemeindeverhältnisse dem Minister überreichte Memorandum eine Eingabe unterbreitet. Im Nachstehenden geben wir, dem Jdeengange derselben folgend, eine Skizze dieser Eingabe: Die drei Bogen starke Eingabe ist eine Erwiderung auf das von der israelitischen Landeskanzlei dem Kultusminister überreichte Memorandum und durchwegs polemischen Inhalts. Im einleitenden Theile heißt es: Obzwar die Ucberreicher des Memorandums die historischen Thatsachen vollkommen irgnorirten und es bequemer fanden, die von Sr. Majestät dem König, ddto. 22. Oktober 1872, sanktionirte Organisation der auf legalem Boden ruhenden orthodoxen israelitischen Religonsgcnossenschaft nur nebenbei, und nicht dem Thatbestande entsprechend, zu berühren; obzwar, die Kongressisten es nie und niemals einsehen wollen, daß sie einem vollendeten Faktum gegenüberstehen, fühlen wir uns dennoch veranlaßt, an Ew. Exellenz eine ergebene Repräsentation zu richten, und zwar hauptsächlich aus dem Grunde, weil in der Eingabe der Kongressisten betreffs der Führung der Matrikel und der Winkelschulen Verleumdungen enthalten sind und sie den Patriotismus und den Liberalismus ausschließlich sich allein vindiziren. Die Kongressisten — so heißt cs sodann — wissen es gut, und wenn sie es nicht wissen, mögen sie es zur Kenntniß nehmen, daß die orthodoxen Juden in ihrer Vaterlandsliebe hinter Niemandem zurückstchen. In den orthodoxen Judengemcinden der Ortschaften mit deutscher und slavischcr Zunge wird heute bereits offiziell die ungarische Sprache gebraucht und verbreitet. Wir können es nicht gestatten, daß die Aufrichtigkeit unseres Partriotismus auch nur den Gegenstand einer Frage bilde. Ebenso verwahren wir uns gegen die Insinuation, daß die orthodoxe Judenschaft exklusiv wäre. In unseren Volksschulen akkommodiren wir uns vollkommen dem Gesctzartikel 1868: 38 und sind auch Freunde und Anhänger der Institution der konfessionslosen Schulen. Der von unseren Gegnern betonte Liberalismus steht mit ihrer Handlungsweise und ihren Bestrebungen nicht im Einklänge. Sie wollen — unbekümmert um. die Gewissensfreiheit — gewaltsam Jene vereinigen, welche in Folge, unüberbrückbarer Gegensätze niemals ein ersprießliches Ganzes bilden können.

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