Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 8 (28.1.1884)
- Date
- 1884-01-28
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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123 Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Friedberg (Hessen). Vielleicht erinnern sich noch die geehrten Leser dieser Blätter des Schicksals des im August 1881 in hiesiger Synagoge aufgestcllim und bereits im September desselben Jahres verschwundenen Harmonium-Instruments. Es scheint dies ein Wendepunkt zum Guten für die hiesige Gemeinde .geworden zu sein, denn nach und nach wurde der Vorstand, welcher in der Majorität der Reform huldigte, durch Männer ersetzt, welche unsere heiligen Gesetze nicht als veraltet bezeichnen. . Den. ersten wichtigen Beschluß, welchen der jetzige Vorstand ausführte, war die Errichtung einer Mikwah (das frühere sehr verwahrloste kam beim Umbau der Synagoge in Wegfall). Darob großes Geschrei in dem G. s. D. kleinen Lager der Herrn Reformer, der Rekurs bei hiesiger Krcisbchörde blieb ohne Erfolg, und nun wurde eiu weitgehender Protest an Großh. Ministerium eingereicht, welcher enbensowenig Erfolg hatte, da diese Behörde erwiderte, das; die Errichtung eines rituellen Frauenbades Pflicht des Vorstandes sei. Auffallend war es uns, daß zu den Kosten dieser Eingabe einige Mitglieder Ihren Tribut zollten, die zu den religiösen gezählt wurden und ihr Portion Tehillim täglich nicht versäumen?! — Was nun thun? Die Presse mußte jetzt ihre Schuldigkeit thun? zuerst waren es die Monatsblätter eines Herr Dr. Brüll, welche in Nr. 9 1. S. in einem Artikel, der an Frivolität und Gehässigkeit nichts zu wünschen übrig ließ, von Gießen aus, ihre Wuth gegen den Vorstand ausließen. Der G. Korrespondent, scheint doch eher hier zu Haufen, wir kennen diesen prächtigen Stil aus eigner Erfahrung; einer Aufforderung an Herrn Dr. V., den Namen dieses Ehrenmannes zu nennen, wurde nicht entsprochen, wahrscheinlich scheut dieser saubere Vogel das Sonnenlicht. Der Vorstand ließ sich jedoch nicht einschüchtern und beschloß nach hartem Kampfe mit dem Herrn Vorsteher (Reformer), welcher erst mit dem Aufrufen der höchsten Behörde endete, den seither bestehenden gemischten Chor aufzulösen und einen Männerchor zu gründen. - Dies war doch des Guten zuviel, der I. Herr Vorsteher sah seine Macht gebrochen und demissionirte, die Herren isängcr nebst Anhänger,, gaben sich alle erdenkliche Mühe um den gefaßten Beschluß zu vereiteln, der Vorstand ließ sich nicht nicht beirren, vermihete schon anderen Tages die innegehabten Sitze der Herren Sänger in der Frauenabtheilung als Frauensitze. Und nun gestaltete sich ein Unikum seltenster Art, die Herren Reformer und länger, ca. 14 an der Zahl, denen gegenüber eine Gemeinde von achtzig Steuerzahlern, drohten mit sofortigem Austritt, richteten unter dem Protektorate eines ehemaligen Vorstehers ein demselben gehöriges Magazin As Betsal ein in dem Glauben, die Verhältnisse dadurch zu ändern. Die Herren werden sich aber irren, denn der Vorstand wird feine Gesinnung nicht ändern. In neuester Zeit versuchen es die Herren nun in politischen Zeitungen, den Vorstand einzuschüchtern, so im Frkf. Journal am 14. Jan. und in den Wetterauer Nachrichten; sie eröffnen den Austritt als beschlossene Thatsache. Möge doch die kleine Schaar entweder ruhig ihrem Schicksale sich ergeben oder anstreten; ändern können sie doch vorerst Nichts. Dem Vorstände wollen wir jedoch zurufen: Stark und standhaft! Cölrr, 24. Jan. Im Anschluß an die am Mittwoch den 16. Jan. stattgehabte Einweihung des Lehrer-Seminars fand am Freitag den 18. d. M. die Einweihung der Synagoge der Ädaß-Jechurun statt. Die Synagoge ist auf dem Grunde und Boden des Seminar-Vereins in unmittelbarer Nähe des Seminars erbaut und zwar einzig und allem aus Mitteln der Adaß-Jechurun. Ein großer Theil der Kosten des Baues wurde jedoch aus einer Schenkung der verewigten Frl. Helene Stolzenberg aus Esch bestritten, auch einige Private haben sich durch Schenkungen fpeckell für Synagoge und Mkckwah um die heil. Sache verdient gemacht. Für die Hergabe des Terrains steht dem Lehr- Personäl des Seminars und deren Familien — dem Director in erster Reihe, — sowie den Seminarzöglingen die unentgeltliche Benutzung der Synagoge zu, die auch zur Erlernung des Cultus (murr) für die Seminaristen dient. Die Synagoge ist ein herrliches Gebäude in maurischem Styl (Kuppelbau) enthält 166 Männersitze und 80 Frauensitze. Die Einweihung erfolgte programmgemäß. Die Weihrede am Freitag Abend hielt Herr Rabbiner Dr. Plato. In meisterhafter Weife verbreitete er sich unter Zngrundlegung des Textes der Worte, mit denen das znpon nu eilt* weihte. (56—61, V. n K. x oo^d), indem er auch hinzufügte, daß wenn der Bau auch noch nicht ganz vollendet fei, dies doch zu entschuldigen wäre, ähnlich dem Gleichniß (welches Redner ansührte) wo die Diener mit dem König auf Reisen sich befanden Md ihren Gebieter um Erüschuldigung bocken, daß sie es ihm nicht so bequem herzustellen vermögen, weM er aber in seine Residenz zurückgekehrt sei, sie es ihm ganz nach feinem Wunsche einrichten wollten."