Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 8 (28.1.1884)
- Date
- 1884-01-28
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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130 In der Eingabe wird sodann die Möglichkeit negirt, daß eine einheitliche Schule, ein einheitliches Rabbinat und sonstige einheitliche Institutionen den beiden verschiedenen religiösen Anforderungen entsprechen können. Die Einreicher des Memorandums verwahrest sich des Weiteren dagegen, daß von Zwangsmitteln gesprochen werde, die eventuell gegen sie in Anwendung gebracht werden sollen, da es nicht denkbar ist, daß die Anhänger Meier Konfessionen zu einer und derselben Geistlichkeit gehören, eine konfessionelle Schule gemeinsam benützen, mit einem Worte, eine Neligionsgemeinde bilden. Sie verwahren sich dagegen, zur Erhaltung solcher Institutionen beizutragcn, deren Inanspruchnahme ihnen vom religiösen Standpunkte nicht gestattet ist, welche die Negation all' dessen involviren, was ihnen das Heiligste ist. Sie haben — heißt es sodann — ein Nabbinerscminar errichtet, welches mit den grundsätzlichen Prinzipien der jüdischen Religion im Gegensatz steht. Wie kann man nach all' dem von einer konfessionellen Einheit sprechen? Das Memorandum übergeht nunmehr auf die Volksschulen und die Matrikelführnng und behauptet betreffs beider, daß die orthodoxen Gemeinden bestrebt seien, den gesetzlichen Anforderungen zu entsprechen. Wenn trotzdem Mängel und Fehler Vorkommen, so muß es einerseits in Betracht gezogen werden, daß derartige Fehler bei allen Neligionsge- .meinden zu konstatiren sind und anderseits sei es Aufgabe des Vertreters des Gesetzes — und nicht der Kongressisten — auf die Behebung derselben hinzuwirken. Wenn speziell auf die oberungarischeil orthodoxen Gemeinden hingewiesen wird, so mäste betont werden, daß Oberungarn überhaupt nicht als Maßstab für die Kultur in Ungarn angenommen werden dürfe. Exzellenz! Die 40jährige ruhmreiche öffentliche Wirksamkeit Ew. Exzellenz — so schließt das Memorandum — ist uns Bürgschaft dafür, daß es unseren Gegnern niemals gelingen werde, unsere heiligsten religiösen Gefühle zu verletzen. — Wir richten an Ew. Exzellenz die ergebenste Bitte, unseren, in diesem ergebenen Memorandum zum Ausdruck gebrachten, der Opportunität, dem Rechte und der Gerechtigkeit entsprechenden Standpunkt huldvoll berücksichtigen zu wollen. Die Durchführungskounnission der aut. orthodoxen isr. Religionsgesellschaft Ungarns und Siebenbürgens. Der Kultus- und Unterrichtsminister hat diese Repräsentation zur baldigen Abgabe eines Gutachtens dem Präsidenten der isr. Landeskanzlei zugewiesen. . Großwardein, 21. Jan. Vor zehn Jahren schied Herr Gottlieb Haas >"r, ein Mann, hervorragend durch Edelsinn und seltenen Herzensadek, aus der Reihe der Lebende». Nickt aber, ohne seine nothleidenden Brüder in edelster Weise bedacht zu haben. Er hinterließ ein Kapital von 20.000 fl., dessen Zinsen alljährlich unter arme, hilfsbedürftige Studenten an den hiesigen Schulen, unsere mitinbegriffen, gleichmäßig vcrlheilt werden. Eine zweite Stiftung von 6000 st., welche je nach Berhältniß thatkräitigen doch mittellosen Leuten ohne Unterschied der Eonscssion unverzinslich, leihweise zrr Verfügung gestellt werden, bis es den Betreffenden ermögliche wird, die ihnen vorgestreckte Summe zurückzuzahlen. Zwei großartige Wohlthötigkeitswerke, die nach beiden Richtungen hin .ersprießliche Erfolge hatten. Was aber dem Verdienste die Krone aussetzt, ist jene große Tugend seltener Selbstlosigkeit, von welcher ein Paragraph im Testamente des edlen Verstorbenen beredtes Zeugniß gibt; derselbe lautet: „Sollte Jemand cvent. mehrere dieser Stiftung eine ähnlich große Summe Mähren, so : möge der Name derselben auf den zweiten Spender l übertragen werden.^ Das ist Wohlthätigkeit, geübt! irn Sinne, im Geiste des Judenthums. Zum An-! denken jenes Philanthropen wurde mm verstoffene Woche nach Ablauf eines Decennknms im hiesigen Gotteshause eine öffentliche Trauerfeier veranstaltet, welcher die Elite der hiesigen Gemeinde, der Lehrkörper, die Studentenschaft, zahlreiche Verehrer des Verstorbenen Thcil nahmen; auch die Jeschidah war vollzählig erschienen. Herr Oberrabbiner Moritz Fux Hielt eine der Feier entsprechende meisterhafte Rede, hiernach verrichteten zehn elternlose Knaben das v'ip-Gebet, welches den Schluß dieser erhebenden Feier bildete. J. W—n Frankreich. HZaris. Am 0. Januar wurde ein auf Kosten von Frau WittweKarl Heine, geb. Furtado, errichtetes neues Atelier für Blinde eröffnet. Das Atelier ist kein Asyl oder Hospital, sondern eine Handwerkerschule. Der Blinde kommt des Morgens in daffelbe und kehrt Abends in seine Familie zurück. Wenn er sein Handwerk versteht, arbeitet er zn Haufe und macht einem andern Blinden Platz. (Arch. isr.) VariS. Herr Dr. Strauß wurde in Anerkennung seiner Verdienste, welche er sich als Dekegirter der Sanitätscommission zur Prüfung der Cholera-Epidemie in Egypten im verstoffene» Sommer erworben, zum Ritter der Ehrenlegion ernannt In Lüneville wird, wie wir bereits früher gemeldet, zu Ehren des Abbö Gregoire, welcher zur Revolutionszeit hauptsächlich zur Proclamirung der