Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 8 (28.1.1884)
- Date
- 1884-01-28
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXV. Jahrgang. Beilage zn Ar. 8 lies Israelit. Leitender Artikel. Literarisches. Die ernste Dame Kritik must ihre strenge Miene bannen und einen heitern Ton anschlagen, wenn es " gilt, einen Puri m - A l m a n ä ch zu beurtheilen. Der vollständige Titel lautet: „P u r i m - 3l l m a n a ch. Herausgegebcn von Sl. G o l d s ch m i d t. Hamburg 1884." Die erste Piece ist: „Der Purim vor Gericht. Dramatischer-Purimscherz." Eine höchst originelle Idee, Peßach, Rasch Haschono und Sukkos, Schowuos, Jom Kippur und Ehanuka treten darin als Personen auf, um über Purim, der natürlich auch eine persona, liieim auch dlnfangs keine Kiata, ist, wegen seiner tollen Streiche abzuurtheile». Nachdem die hohen Herrschaften unter sich einige Streitigkeiten abgemacht , nehmen sie sich vor, den Purim tüchtig zu bestrafen, werden aber durch des Letzteren liebenswürdige Ausgelassenheit nach und nach so besänftigt, daß sogar der.ernstfeierliche Jom Kippur sich herbeiläßt, mit „dem Kinde" anzustoßen und ein Glas auf desicn Wohl zu leeren. Wenn gut gespielt und geschmackvoll costümirt, kann dies Stückchen sehr zur Erheiterung einer Purim - Gesellschaft beitragen. Die zweite Piece ist: „Die Rivalen. 'Purimspiel." Personen: Megillo, Sch'lachmonos. Nachdem die Personen sich lange genug herumgeklopft, verzehrt die Megillo das Sch'lachmonos! Auch licht übel. Das' dritte ist „Der Scküttelsturm. Parodie". Wenn nun auch gerade eine Parodie auf „die Glocke" nichts Neues ist, so ist doch dieses Gedicht dasjenige, was mir in dem ganzen Lüchlein am besten gefallen hat. Nachdem der Dichter die Flüchtigkeit des Purim beklagt hat, erinnert er sich gleichzeitig an die Zeit, in der nunmehr bald „geschüttelt" werden wird und nun gar, wenn erst die Pcßach-Woche beginnt Und der Empörung wilde Gluth Durch aller Weiber Adern rinnt. Wehe, wenn sie losgelaffen, Mit des Besens Kriegspanier, Kaum ein Plätzchen unS noch laffen Zn dem ganzen Hausrevier! Tenn die guten Frauen Haffen Was sich fügt nicht nach Gebühr! In der Kücbe steht Geschirre . Bunt in Wirre; Brettchen dort, in reicher Wahl, Dhne Zahl; . Hort ihr's poltem, spat und früh i DaS sind sie! Und nun geht das Schütteln los. Immer rastloser, immer nervöser, stürmischer wird die Schüttelei: Besen stauben, Bürnen knarren, Lappen reiben, Messer säarrrn, Gläser klirren, Kehrwisch schwirren AlleS rennt, läuft und eilet. Alles dürstet, reibt und seilet. Dis von Ehowe; alles rein, Blank und fein. . Jetzt wird der Keller, der Boden, die Vorplätze u. s. w. gescheuert: Auch im Zimmer Auf drn D'.elen Lieht man ne gar emsig wühlen, Aus den SpUlen. aus den Ritzen Mm; he: vor das Lhome; schwitzen! Riesengroß! — Grenzenlos Ist jedoch die Müh' belohnet. Wenn der liebe Peßach thronet,. Reich im Glanze wunderbar! Schon geziert Lind die Schränke, Wie polirt Tisch und Bänke, . Matzekläse in der Küche Freundlich winken; Keller, Messer, Gabeln blinken All' so schön! — Hoch erfreut, tftinj entzückt Und beglückt Schaut rh: großes Werk die Maid! Doch immer noch gibt es zu lhun. Sie reibt den Maror, kocht die Fische, Tenn erst an» Hellen Sedertische Kann sie auf ihren Lorbeer n rnh'n. Ein Vortrag, »ur den Purimtisch vorzüglich ge- : eignet, der sicherlich nicht verfehlen wird , auf die; Stimmung der Zuhörer in angenehmster Weise zu : wirken. j Und mm kommt.Doch wozu soll ich Alles verratheu? Wenn Sie noch mehr davon wissen wollen, so wird Herr Gold schm i dt mit Vergnügen ' bereit sein. Ihnen gegen Einsendung von Mk. 1 das Büchlein franco zuzusenden. H.