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Der Israelit · 1884-01-28 · Heft 8 (28.1.1884) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 8 (28.1.1884)
Date
1884-01-28
Page
– (sequence 8)
Language
German
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121» mein Geist beschäftigte sich mit ganz anderen Dingen als mit der Predigt. Ich wurde ärgerlich über mich selbst und trat an's Fenster. Da verdarb mir mein Doppelgänger mit seinem Gruße vollends die Laune zum Arbeiten. Dr. Priester hatte Recht. Es war ein Wetter im Anzuge, denn die Luft war so schwül und mir wurde cs im Zimmer so drückend heiß, daß ich unmuthig meinen Schlafrock abwarf und diesen mit einen leichten Nock vertauschte. Als aber auch dieser mir sch? wenig Schutz vor der erhitzten Zimmerlust gewährte, setzte ich meinen Hut auf, bewaffnete mich mit einem Regenschirm und suchte ins Freie zu gelangen. Kaum aber war ich zehn Schritte von dem Nathansohn'schcn Hause entfernt,- als eine schwere Hand sich auf meinen Arm legte und eine tiefe, volltönende Männerstimme mich freundlich mit „guten Morgen Herr Doctor, wohin so eiligst?" begrüßte. Ich drehte mich rasch um, und vor mir stand ein Offizier, der mir freundlich zunickte. „Gestatten Sie mir, mein Herr," sagte ich, während ich meinen Unwillen und Aerger zu bekämpfen suchte, „daß ich mich vorstelle. Sie sind jedenfalls im Jrrthum befangen! Ich bin nicht ..." „Ah — was machen Sie da für Faxen, Doctor," unterbrach er mich rasch, unwillig mit den . Achseln zuckend. — „Vorstellen? Donnerwetter! das wäre wohl bei uns überflüssig, sollte ich meinen! — Wenn Sie aber absolut vorgestellt sein wollen, dann bitte, begleiten Sie mich Sonntag auf die Jagd, da gibt cs eine feuerige Vorstellung für Herrn Hase und Frau Kaninchen!" Dieses sprechend, schob er seinen Arm unter den mcinigen, und indem er sagte: „Kommen Sie, Priesterchen, ein armer Sünder bittet um Ihren geistlichen Zuspruch," versuchte er mich fortzuziehen. Lachend machte ich mich von seinem Arme frei. „Der bin ich eben nicht, Herr Lieutenant! obwohl ein armer Sünder von mir auch den tröstlichen Zuspruch annehmen darf! Der arme Dr. Priester hat heute seine Studentcnkleidcr wieder angelegt, um dadurch den Gesammteindruck unserer für uns so sehr peinlichen Aehnlichkekt abzuschwächen!" „Und wer sind Sie denn, in Teufelsnamen?" „Mein Namen ist Dr. Stein, Rabbiner" fügte ich rasch hinzu — „Und mit wem habe ich das Vergnügen?" „Premierlieutenant von Bürow, Eommandant der Zuchthauswache!" Argwöhnisch sah er mich an und zuckte ungläubig mit seinen Schultern. „Eine täuschende Aehnlichkekt — Gott verdamme — eine eigenthümliche Laune der Natur. Donnerw . . . . . bin sehr erfreut Sie.treiben Sie keinen Spaß, Doctorchen! Donnerwetterbombenelemcnt mich so anzuschwindeln, da soll doch gleich der Teufel in solche Späße hineinfahren!". „Es ist kein Spaß, lieber Burow, leider bitterer Ernst!" ertönte eine Stimme dicht neben uns und Dr. Priester in seinen Hellen Kleidern, dunkel d'reiu schauend, stand bei uns. Ich athmete erleichtert auf. „Was sagen Sie nur dazu, lieber Burow? Während ich heute schon mindestens zehnmal als Rabbiner begrüßt worden bin, wird mein Doppelgänger allenthalben als Arzt ausgenommen und als solcher auch tüchtig gequält. Köstlicher Spaß auf Ehr' —! ha! ha! — Nehmen Sie sich in Acht, Rabbinerchen, irgend eine ärztliche Verordnung zu treffen; mein Gesicht würde Sie kaum von der Anklage wegen Pfuscherei freisprechen können!" ,,„Ei, ei, Doctorchen! also um Ihren ärztlichen Ruf ist es Ihnen bange? Nun da dürste, glaube ich, der Nachtheil auf der Seite des Rabbiners größer sein, wollte ein Satan, wie Sie einer sind, die Aehulichkeit der Gestalt benutzen, um den Rabbiner zu spielen! — Brr, mir graust es schon bei dem Gedanken!"" „So, lieber Vnrow, meinen Sie, ich verstände das nicht?" „„Gewiß, Doctor, meine ich das! Damit aber der Satan, welcher sich bei Ihnen schon zu regen beginnt, nicht zum vollen Ausbruche gelange, schlage ich vor im deutschen Hause den Satan und den Aerger durch ein Gläschen herunterzuspielen. Sind Sie nicht der Meinung?"" „Gewiß! Schaden kann es ja nicht" „„Sie begleiten uns doch, Herr Rabbiner?"" „Nein, ich muß höflichst danken!" „Dann Adieu!" „Adieu." „Es wird dem armen Doctor Priester doch wohl keine andere Wahl bleiben", dachte ich bei mir. während .ich weitcrging: „als den geplanten Mord an seinem schöngepflegten Bart zu begehen!" (Fortsetzung folgt.) Die Fortsetzung der Erzählung „Nur standhaft" erscheint in drr nächsten Nummer. Hierzu tim Beilage. VerantwvrtlicheNedaction: vr. Lehmann in Mainz. — Verlag und Expedition der .JSraelit* große Bleiche 451 I. GottSleben'S Buchdrucker«! (Mainzer Anzeiger).

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