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Der Israelit · 1884-01-28 · Heft 8 (28.1.1884) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 8 (28.1.1884)
Date
1884-01-28
Page
– (sequence 6)
Language
German
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124 Ansichten filier den Schnlchan-Aruch bearbeitet und j in bcin nach der eigenen Darstellung eines der Mitz arbeiter das Neligionsgescy w gut wie nicht berückj sichtigt ift, dcßhalb allein schon keinem Jehudi gej satten kann, der unsere geheiligte Tradition hoch hält.! Und Herr Professor Stcintbal wundert sich, wie er im Weiteren anssnhrte, das; sein gemäßigter Plan , bei den Orthodoxen Anstoß erregte! Um seine große Nachgiebigkeit zu zeigen berichtet er weiter, daß von einer streng orthodoxen Gemeinde ein Plan dieser Richtung cingcsandt worden sei. Gr wolle sich bemühen seinen Plan mii diesem zu vereinigen, und wenn dies nicht zu ermöglichen sein werdebeide Pläne der Negierung cinreichen, damit so die Gemeinden je nach ihrer Richtung sich den passenden auswählen könnten.. Auf eine Anfrage ans der Mitte der Versammlungen nach verschiedenen Institutionen des Vereins und dem Verhältniß des Bundes zu der „Alliance isr. Universelle" wird dies ausführlich beantwortet und besonders darauf hingcwiesen. daß die Beziehungen der „Alliance" und des Bundes stets freundliche gewesen, (die beiden Vereine ganz verschiedene Wirkungskreise haben und daß im klebrigen die Statuten und die Verhältnisse cs dem Bunde versagten, der „Alliance" sactich näher zu treten). Der Vorsitzende, Professor Lazarus geht sodann auf den zweiten Punkt der Tagesordnung über, Propaganda für den Bund. In längerer Auseinandersetzung stellt er die Gemeinde als einzige feste Korporation dar, die dem Iudenthm geblieben, und diese zu stärken und zu befestigen sei von großer Wichtigkeit. Er wendet darauf das Schriftwort an 'n mj/:i dsj O'irx. Die Aufgabe des Gemeindebundes sei cs, die Gemeinden zu kräftigen und zusammenzuhalten. Darauf , daß die Organisation des Bundes keine specisisch jüdische, bringt er ein Beispiel von nrv der auch, wie die Bibel in einem besonderen ganzen Abschnitt erzählte, als Fremder jüdische Institution organisirt habe. Redner erzählt nun, wie sehr die Zahl der außerordentlichen Mitglieder des Bundes, seit der Uebcrsiedlnng nach Berlin zugcnonuncn habe und fordert die Anwesenden, die noch nicht Mitglieder sind, auf, dem Verein beizntreten und alle anwesenden Mitglieder für denselben zu werben. Er kündigt noch einen baldigen Gemeindetag an, bei dem er die hiesigen Mitglieder auffordert den Ausschuß in der Gastfreundschaft gegen die Fremden zu unterstützen. Mit einem Dank au Geheimerath iilristeller für seine Verdienste um den Bund, schließt kurz vor */2'l 1 Uhr die Versammlung. (Wir halten cs für Pflicht, die von Herrn Professor Steiuthal ausgesprochenen Grundsätze des D. I. G. B. nochmals hevorzuheben: Ein Bund der cs für eine Errungenschaft hält, wenn die Jugend auf Angriffe gegen das jüdische Neligionsgesetz erwiedert: „Wir kennen den Schuschau-Aruch nickt, wir wissen nicht, was darin sieht und haben nichts damit zu thun" — ist schlimmer als der schlimmste Antisemitenbund. Sx u!2y o Dip' '■03 titt psnV nsj? nstj* „Sie rathen Rath und er wird zerstört, sie reden Wort und trifft nicht ein, doch mit uns ist Gott." (Red.) Berlin. Der Bauunternehmer Luttosch, ein bekannter Agitator, hatte sich gestern wegen eines Renkontres in einem öffentlichen Restaurant auf die Worten. Der Angeklagte befand sich am 22. Juli v. I. in'Gesellschaft mehrerer Herren im Stappenbeckschen Etablissement, Friedrichstraße 236. Er brachte das Gespräch auf die Juden und die Fortschrittler und sprach über den Stadtverordneten Ludwig Loewe die ehrverletzendsten Dinge in so lauter und provokatorischer Weise aus, daß der anwesende Privatkläger, ein Freund Loewes, sich gemüßigt fand, von dem Angeklagten die Zurücknahme der ansgesprochcncn schweren Verdächtigungen zu verlangen. Ter Angeklagte fuhr aber den Intervenienten mit den Worten an: „Sie sind wohl auch Einer von den von Loewe bezahlten Svioncn, Sie Lump, Sie verdienen, daß ich Ihnen eine herunterhaue!" Da der Angeklagte leugnete, diese Aeußerungen gethan zu haben, vielmehr behauptete, daß er den Privatklüger als Eindringling in feine Unterhaltung nur in die gehörigen Schranken znrückgewiefen habe, mußte der betr. Kellner vernommen werden. Derselbe bestätigte nicht nur die Angabe der Anklage, sondern fügte noch hinzu, daß die Bitte um Zurücknahme der Beleidigung in sehr höflicher Form vorgetragen worden sei. Rechtsanwalt Dr. Friedmann, als Vertreter des Privatklagers, beantragte eine möglichst! nachdrückliche Geldstrafe, um die Neigung des An-! geklagten, die Berliner Bierlokale durch seine antise-! Mischen Provokationen unsicher zu machen, etwas : einzusch ranken. Der Gerichtshof vermtheitte den . Angeklagten zu Mk. Geldbuße event. sieben Tage Gesängniß. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Ans Lemberg meldet man als Schkußkaprtel! über die von uns bereits mitgethcilte Affaire:! „Vorgestern wurde das 14jährige Judenmädchen; Chane Riste Philipp, in der Hauskapelle des Bastlia-; nermncn-Konvents getauft. Den Taufakt ^vollzog Bischof Sembratiowicz persönlich: als Tausparhen fungirten Landtags-Abgeordneter Gcheimrath Graf Russocki und die Gemahlin des Statthalters Herrn Zaleski."

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