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Der Israelit · 1884-01-28 · Heft 8 (28.1.1884) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 8 (28.1.1884)
Date
1884-01-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
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123 Wort Wurzel schlagen und sich zu einer kräftigen Pflanze entfalten. Es wird der Schüler mit jedem Schritte, den er voranschreitct, znnehmen an Wissensdurst und Begeisterung für die ihm erschloffencn Wissenschätzc; er wird ihn lieben und pflegen den lieblichen Garten der heiligen Lehre, der von den duftenden Blumen und von den köstlichen Früchten auf's herrlichste prangt. ZeltungSnachrtchteu und Correfpondenzen. Deutschland. Berlin, 22. Jan. Der bekannte antisemitische.! Professor Herr von Treitschkc, hat sich von s seinem Antisemitismus soweit verleiten lassen, daß j er gerstcrn in seinem Colleg unsren Vater Abraham i auf das gröblichste beschimpfte. Seine theologischen; College:: im Antisemitismus sind natürlich darüber j sehr ungehalten. Uns kann cs nur angenehm sein, j wenn dieser von manchen Leuten so -hockgepriesene j Gcschichtsprofcffor aller Welt seine Oberflächlichkeit j in der Beurtheilung historischer Persönlichkeiten und j seinen Mangel an Objektivität offen darlegt. Unser Vater Abraham steht in der Weltgeschichte viel zu j hoch, als das; die Angriffe eines Treitschkc sein scgens-! reiches Andenken zu tangiren vermöchten. Herr von , T. wird bald der wohlverdienten Vergessenheit an- - heimgefallcn sein, während der große Mann, welcher , zuerst die Einheit Gottes erkannte, ewiglich als einer! der grüßen Wohlthäter der Menschheit verehrt wird! werden. j Berlin, 23. Jan. Gestern Abend fand, im i Saale des Brudervereins eine Versammlung des; deutsch. Israelitischen Gemeindebnndcs statt. Der! Einladung des Ausschusses war ein nicht gerade > zahlreiches Publikum gefolgt, das sich jedoch aus > Vertretern fast aller Richtungen der hiesigen au , Schattirungen so reichen Gemeinde zusammensctzte. Aus der Tagesordnung 'stand Berichterstattung über die Thätigkeit des Bundes in den 2 Jahren seit! Verlegung des Vorortes nach Berlin und Propaganda.! Gegen */«9 Uhr eröffnet der gcschüstsführende Vor-! sitzende Gchcimerath Kristeller die Sitzung, begrüßt! die Anwesenden und betraut den zweiten Vorsitzenden Profeffor Lazarus mit der Führung der Verhandlung. Sodann nahm Gcheimerath Kristeller das Wort zu Schilderung der Vereinsthätigkcit in den letzten Jahren. Er betont zunächst, daß der Verein nur sociale und durchaus keine religiösen Aufgaben habe, und gibt dann in einhalbstündigcr Rede^ ein recht anschauliches Bild von der vielseitigen und vielverzweigten Thätigkeit des Bundes. Zunächst hob er die umfangreiche Eorrespondenz des Ausschusses hervor und schildert dann die Art, wie der Bund seinen vielen Ausgaben Nachkomme, mit. welchen Summen er die Zöglinge der deutschen Lehrerscminarien unterstützte, die Ermöglichung von Leprerversammlungcn, die Ausbildung' von jüdischen Krankenpflegerinnen , den Zweigvcrciu des Bundes, die Friedrich - Wilhelm - Viktoria - Stiftung zur Unterstützung von invalid gewordenen Angestellten armer Gemeinden und der Hinterbliebenen solcher Beamten n. s. w. ■ Nachdem zu dieser Auseinandersetzung trotz Aufforderung seitens des Vorsitzenden von der Versammlung nichts bemerkt wird, wendet sich dieser zu der meist besprochenen und vielgetadelten Seite der; Thätigkeit des Bundes, zur Sorge für den Religionsunterricht und gibt hier dem Vorsitzenden der Abtheilung für Lchrwesen des D. I. G. B. Herrn Professer Steinthal das Referat. Professer Steinthal ergeht sich in längerer Auseinandersetzung über die Schwierigkeiten des jüd. Religionsunterrichtes vor dem der andern Confessionen. Vor Allem versteht der Redner darunter das Erlernen des Hebräischen und der hebräischen Grammatik. Dies sei nothwendig, damit die Schüler erstens die Gebete verständen, (da in den Gemeinden hebräisch gebetet werde) und dann damit sie die „Stichworte" des religiösen Lebens wenigstens, in der Ursprache lesen könntm. Anßerdeui sei cs gut, wenn sie die Psalmen verständen, die ja die Grundlage bieten zu den Oratorien und so manchen Gedichten Schillers, und Göthe. sowie vieler deutschen Dichter. Auch müßten die Schüler die Sprüche der Bibel kennen, damit -sie, da so viele derselben Gemeingut Aller geworden, von der jüdischen Quelle wüßten. Dann kommt die Geschichte. Außer der biblichen Geschichte sind noch die wichtigsten Perioden der Geschichte des zweiten Tenipels und der nachcxilischcn Zeit dnrchznnehmcn. Auch hier kam der Herr Professor wieder ans das Acsthätischc und bedauert mit Heinrich Heine die geringe Kenntnis; unserer Jugend von der spanischjüdischen Dichterpcriode. Jetzt glaubt man wohl, daß, nach der Aesthätik wenigstens das Rcligionsgesctz eine Stelle finden werde; doch hören wir, wie sich der Redner darüber ungefähr folgendermaßen. auSdrückte. „Den Schnlch.ru - Arnch glaubten wir im Lehrpläne streichen zu können. Es ist eure Errungen-! schast, wenn die Kinder ans die Angriffe gegen dcn- ' selben antworten können, wir wissen nicht, was darin; steht und haben nichts damit zn thnn." Der Herr sprach nun von seinem Rormalschnlplan. Um allen i Parteien gerecht zn werden, so erzählte er. habe man sich sehr gemüßigt und den Plan nach der .mäßig . liberalen" Richtung der Verwaltung der hiesigen! Geineindc „mäßig' liberal" bearbeitet. Man kann \ sich denken, daß sich ein Schulplan, der mit solchen

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