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Der Israelit · 1884-01-28 · Heft 8 (28.1.1884) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 8 (28.1.1884)
Date
1884-01-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
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122 darauf gewöhnlich die Frage: woher die Zeit? Wir kommen, so sagen besonders die Elementarlehrcr, ja kaum mit unserer Stundenzahl aus, um die wichtigsten Kapitel aus dem Pentateuch und dem Gedctbuche durchznnehw.eu: wurden wir der Grammatik noch Zeit widmen, so wäre an ein Absolviren selbst dieses Pensums nicht zu denken. Gin fernerer, methodischer Einwurf ist der, daß der hebr. Unterricht in der Regel schon "mit sechs- bis siebenjährigen Kindern begonnen wird, die überhaupt für eine grammatische Behandlung des Stoffes noch nicht reif seien. Beide Einwände sind total unbegründet. Wer den ersten erhebt, verkennt ganz und gar, das; mit einem Kinde, welches die Grammatik der hebräischen Sprache beherrscht, sich in einer Stunde dasselbe erreichen läßt, was bei einem solchen, das nur mechanisch unterrichtet wird, vier Stunden in Anspruch nimmt, und daß ferner die Resultate dort weit sicherer sind, weil eben nicht ausschließlich dem Gedächtnisse anvertraut, sondern durch das Berständniß der Sprache befestigt werden. Wir dürfen es demnach mit voller Sicherheit aussprechen, daß die Zeit, welche auf den unteren Stufen des Unterrichtes der Grammatik zugewendct wird, sich auf den oberen' Stufen doppelt und dreifach rentiren muß. Was nun aber den zweiten Einwurf betrifft, daß der grammatische Unterricht zu hoch für die Kinder sei, in dem Alter, wo sie meistens das ' Hebräische beginnen, so kommt cs eben darauf an, eine Methode zu' finden, welche sich der Fassungskraft eines siebenjährigen Kindes, vom ersten Schuljahre dürfen wir wohl voranssetzen, daß es hauptsächlich den Lcseübuugeu gewidmet ist, accomodirt. Wie der' grammatikalische Unterricht überhaupt zu ertheilen ist, das wird sich natürlich' immer nach der Verschiedenheit der Schule, der Stufe und der jeweiligen Verhältnisse richten. Es ist z. B. klar, daß ani einer niederen Stufe weniger Gewicht auf die Theorie als auf das praktische Einüben der R'cgcln und deren Anwendung gelegt werden darf. Als Hanptgrundsaß möge immer festgehalten werden, daß ganz in derselben Weise, wie man heute jede moderne Sprache studirt, die Erlernung der Grammatik und die Aneignung eines Sprachschatzes Hand in Hand gehen. An passenden Lehrbüchern, die uns den angemessenen Lehrgang zeigen, ist kein Mangel. So ist die hebräische Sprachlehre von I. M. Japbct ein Buch, das in jede Schule eingeführt zu werden verdient. Ein besonderer Vorzug dieser Grammatik ist auch, daß derselben ein Vokabularium für den Unterricht im ersten Buche des Pentateuch als Anhang beigegebcu ist. Ein zweckmäßiges Vokabularium, für den ganzen Pentatcuchnnterlicht ist das von Joel Nathan. Ein kurzer Entwurf möge zeigen, wie sich die von mir ausgestellten Grundsätze m der Praxis gestalten, und ich füge hinzu, daß die günstigen Erfolge, die ich bei der Anwendung derselben währgenommen habe, mich von ihrer Nichtigkeit überzeugt haben. Ich stelle mir eine Schule vor, in der im Durchschnitt etwa 6 Stunden. per Woche dem hebräischen Unterrichte gewidmet werden können, von denen dann 1 auf hebräische Grammatik, 2 ans das Uebersetzen der Gebete und 3 für.den Pentateuchuntcrricht zu verwenden wären. Da, wo mehr Zeit für den hebräischen Unterricht erübrigt werden kann, kann natürlich auf jeder Stufe eine angemessene Erweiterung der Pensen ftattfinden. — Mit dem zweiten Schuljahre, also sofort, wenn das technische Lesen überwunden ist, beginnt neben dem Uebersetzen im Gebetbuch und dem Pentateuch die hebr. Grammatik mit dem Fürworte, der Mchrzahlbildung des Hauptwortes, die. ja auch den Kindern aus dem deutschen Unterrichte geläufig ist, und der der_ hebräischen Sprache cigeuthümlichcn Form der Popestivsnffixen, welche, mit einiger Geschicklichkeit behandelt, bei den Kindern das größte Interesse erweckt. — Im dritten Schuljahre möge die Lehre vom Hauptwort vervollständigt und der Kal eingeübt werden. Dadurch, daß die Präfixen und Suffixen der verschiedenen Conjugationen ja im Hebräischen gleich sind, ermöglicht schon die Kenntniß einer Form wenigstens einigermaßen das Verständnis des ganzen Verbums. Im Pentateuch, wird im dritten Schuljahre etwa das erste Buch beendigt, und ebenso mit dem Gebetüberfetzen in jedem Jahre in angemessener Weise vorangefchritten. Im vierten Schuljahre können die 7 Formen des - regelmäßigen Zeitwortes und das zweite Buch des Pentateucki, im fünften und sechsten Schuljahre die unregelmäßigen Zeitwörter und der Pentateuch bis zum Schluß duchgenommen werden. Nach einem sechsjährigen Schulbesuch werden also die Kinder nicht nur über einen reichen Fond von hebräischem Wissen verfügen, das Gebetbuch, den ganzen Pentateuch verstehen, sondern auch Sprachgewandtheit genug besitzen, um beim weiteren Boranschreiten die übrigen Bücher der heiligen Schrift unter Znhülfenahme eines Wörterbuches und nach paffender Anleitung durch den Lehrer schon mit einiger Selbstständigkeit lesen und verstehen zu können. Selbstverständlich wird, wo genügende Zeit zur Verfügung sicht, schon früher neben dem Pentateuch die Uebersetzuug anderer biblischer Bücher cinhergehc», nnd ebenso wird auch der Unterricht in derMischna oder einem anderen rabbinischen Buche schon vor der Absolvirung des Pentateuch beginnen können. In dieser Weise wird das Hebräische kein todtes Wissen bleiben, sondern es wird jeder neu erlernte Stoff einem Samenkorne gleichen, das ans fruchtbaren Boden gestreut wird; es lvird jedes einzelne

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