Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 8 (28.1.1884)
- Date
- 1884-01-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Aufgabe als mit dem Verständnis; des Gebetbuches gelöst betrachtet, und namentlich ist es ja eine nach heute, sehr weit verbreitete Anschauung, ob mit Recht, werden wir später erörtern, das; für Mädchen eine (Erweiterung dieses Zieles überflüssig sei. — „Das Hebräische ist ein Bildungsmittcl, das in ganz cmi-! ncntcm Sinne, mindestens so viel wie andere Sprachen.! geeignet ist, Gemüth und Verstand in veredelnder ' und kräftigender Weise zu beeinflussen", so hören wir Andere sagen, die damit für diesen Unterrichtsgegcustand ein. bedeutend weiteres Feld eröffnen, die abcr wegen der Hintenansetzung des religiösen Motivs dem Hebräischen nicht die ihm gebührende Würdigung zusammen lassen werdet. Diesen beiden Standpunkten gegenüber, die ja an und für sich berechtigt, aber nur ihrer Einseitigkeit halber zu tadeln sind, muß das wahre Indenthum als ersten und hauptsächlichsten Zweck des hebräischen Unterrichtes die Kenntnis; der heiligen Schrift und möglichst die Einführung in die spätere jüdische Literatur betonen, um-so Geist und Gemüth der Kinder für das Verständnis; und für die Hebung des göttlichen Wortes zu eröffnen, welches eben nur in der Ursprache richtig 'begriffen und verstanden werden kann. Man mag jedoch über den Zweck des hebräischen Unterrichtes denken, wie man will, der einen Wahrnehmung, die sich uns mit Macht amdrüngt, werden wir uns nicht entziehen können, das; im Allgemeinen die Resultate in gar keinem angemessenen Verhältnis; zu der Zeit und der Mühe stehen, die wir diesem Gegenstände zu widmen gewöhnt sind: wir erzielen entschieden nicht das Mas; an hebräischem Wissen, das wir der diesem Fache znkommenden Wichtigkeit wegen erzielen sollten; wir erreichen aber auch selbst nicht annähernd das, was wir bei gleichem Answande von Zeit und Kraft in anderen" Sprachen, z. B. im Französischen und Englischen erreichen. Bctrachten wir uns das Quantum des hebräischen Wissens, das die Kinder im Durchschnitt in unseren Elementarschulen innerhalb einer Schulzeit von sieben Jahren erwerben, und vergleichen wir damff, was dagegen in einer Schule, die eine fremde Sprache, etwa das Französische, unterrichtet, in den sechs oder sieben Jahren erreicht wird, die man dortselbst dieser Sprache mit einer wöchentlichen Stundenzahl widmet, die gewiß im Durchschnitt die in der hebräischen Schule für das .Hebräische zur Verfügung stehende nicht überschreitet, so wird jenes sicher äußerst gering sein gegen die hier erzielten Erfolge. Wir betrachten es als etwas Selstvcrständliches, das; unsere Kinder nach einem sechs- bis siebenjährigen Unterrichte in einer fremden Sprache, wenn sie dieselbe auch nicht vollständig beherrschen, doch die Fertigkeit erlangt haben, das; sic ein mäßig schweres, in dieser Sprache geschriebenes Buch verstehen; dagegen sind wir bescheiden genug, cs als einen großen.Gewinn zu betrachten, wenn unsere Schüler nach einem eben so langen Unterrichte im Hebräischen etwa das Gebetbuch und den Pentat.uch, vielleicht anch noch einige andere Partieen aüs der Bibel übersetzen können. Tranen wir ihnen aber die Kraft zu, einen hebräischen Abschnitt, den sie in der Schule nicht gelernt haben, selbstständig zu verstehen? Haben wir sie mit der Fähigkeit und in den meisten Fällen mit der Lust ansgestatict, sich in dieser Sprache nach dem Verlassen der Schule weiter sortznbilden? Dasgrenze Räthscl dieses Eontrastes liegt in d ein A! a n g e l ein e r r ich t i g e.n M c 1 h o d e bei m U u t e.r richtende s H e b r ä i s ch cn. Wir leben in der Zeit des eiligsten Fortschrittes, aber was diesen Gegenstand betrifft, kleben wir noch am. Alten, und mit einer seltenen Zähigkeit halten wir fest an verjährten und eingewurzelten Vornrtheilcn. Es ist wohl nicht übertrieben, wenn, ich behaupte, das; die meisten Lehrer heute noch das Hebräische in der Weise'unterrichten, daß sie den Kindern das Pensum vörübersetzcn, vielleicht anch vordiktiren und es dann dieselben in ihr Gedächtnis; cinprägen lassen. Würde man nicht über die pädagogische Befähigung jedes Lehrers, der cs sich.einsallen ließ, in dieser doch rein mechanischen Weise irgend eine andere Sprache zu unterrichten, unbedingt den ^tab brechen? Diese Methode ist im Grunde genommen ein Anachronismus; sie war berechtigt, so lange der Unterricht sich ausschließlich auf's Hebräische beschränkte. Die Kinder lernten das Hebräische in derselben Art, wie sic sich ihre Muttersprache angceignet hatten, nämlich durch die häufige Wiederholung. Aber kann in unserer Zeit, wo immerhin nur eine beschränkte Stundenzahl diesem Fache zngcwandt werden kann, wo ferner auch Interesse und Gedächtnis; sonst so vielfach in Anspruch genommen werden, noch ans diesem 'Wege ein Resultat erwartet werden? Das Kind wird so höchstens mechanisch das ihm Borgesagte sich cinprägen, aber cs wird ihm immer jenes Gefühl der Sicherheit fehlen, welches zur freudigen Versenkung in ein Schrtstlhum nothwendig ist, und so erklärt sich denn die traurige T Hatsache, das; von hundert Schülern, die einen solchen Unterricht genossen Haber,, im Durchschnitt fmini einer noch im späteren Alter die Neigung zu selbstständigem 'Weiterforschen in jenem Buch der Bücher verspürt, das für alle Zeit das Lcbensprinzip für Israel bildet. — Aber wie ist dem abznhclscn? Dringt man nun, und cs ist schon oft geschehen ans eine grammatikalische Behandlung des Hebräischeu, um ein. eigenes Verständnis; der Schüler zu erzielen und zwar möglichst vom Anfang an, so hört man