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Der Israelit · 1884-01-24 · Heft 7 (24.1.1884) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 7 (24.1.1884)
Date
1884-01-24
Page
– (sequence 10)
Language
German
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108 Als das nengewählte Comitä mit dem 1. Januar 1883 seine Thätigkeit begann, war der verfügbare Baarbestand der Vcreinskasse ein geringer. Von den in runder Summa ausgedrückten Mk. 82,000, welche ' dem früher« Comittz, während seiner zweijährigen,; überaus erfolgreichen Thätigkeit zur Verfügung ge- '! standen, waren kaum noch etwa Mk. 14,000 übrig. | Damit wurde einstweilen die Vereinsthätigkeit, be- > stehend in Auswanderung?-und sonstigen Uuterstützun-! gen , in Unterhaltung der Schule und des Kranken-! Hanfes weiter zu führen unternommen.! Anfangs März war der Eassenbestand bereits! bis auf Mk. 837,12 gesunken, und um nicht bald j ganz von allen Mitteln entblößt zu sein, wurde be-; schlossen, einen Aufruf an die israelitischen Glaubensgenossen Deutschlands zu erlassen, und dieselben um Beisteuern zu den Vereinszwecken anzugehen. Es liefen sehr zahlreiche, aber keine besonders nahmhafte Spenden ein. Ihre Gesammtsumme belief sich auf Mk. 7832,20. Dieser Aufruf aber hat nach anderer Seite einen überaus großen, für alle Folgezeit andauernden Erfolg gehabt. Derselbe gelangte mit einem besondern Schreiben um Beihilfe an das deutsche Ccntralcomttfe für russ. jüd. Flüchtlinge in Berlin und wurde uns von demselben mitgetheilt, daß unserm Eomitö für solche auswandernde russische Juden, welche von ihren Verwandten ins Ausland geschickt werden, 5000 Mk. dergestalt zur Verfügung gestellt worden seinen, daß die Summe nach Bedarf in Raten bezogen werden könne; dazu war bemerkt worden, falls sich dieser Fonds als nützlich erweisen sollte, seine Vergrößerung bei Bedarf zu erzielen sein werde. Für das Krankenhaus wurde vom selben Eomitö ein Eapital von 5000 Mk. und für die Schule ein Capital von 40,000 Mk. festgestcllt. Das Eomitö zur Unterstützung der bedrängten russischen Israeliten in Frankfurt a. M., hat zum Krankenhausfonds 4000 Mk. bewilligt, ebenso 400 Mk. für die Talmud-Thora-Schule. Unsere Schule ist somit einschließlich der 12,000 Mk., welche dieselbe aus früheren Sammlungen bereits besaß, gegenwärtig mit 52,000 Mk. fundirt, auch der Fond unseres Krankenhauses ist von 7000 Mk. auf 16,000 Mk. angewachsen. Beförderung und Unterstützung von Auswanderern gehörte auch im abgelaufenen Jahre zu den Obliegenheiten des Comitbs. Der aus dem Vorjahre überkommene Eassenbestand, die diesjährige obenerwähnte Geldsammlung, sowie die vom CentralcomitL bewilligten 500 Mk. wurden vorzugsweise zu diesem Zwecke verwandt. Und als alle diese Summen beinahe verbraucht waren, da wandten wir uns abermals an das deutsche Centralcomitv. Mittelst Zuschrift Berlin 1. Octbr. theilte uns der Vorsitzende desselben Herr Justizrath Makower mit, daß uns weitere Mk. 5000 zu diesem Zwecke zur Verfügung gestellt worden seien. Obschon unser Eomitö sich auf das strengste an die Vorschrift gehalten und nur solche Personen befördert und unterstützt hatte, welche je zu den bereits ausgewandertcn Verwandten — Väter, Brüder, Gatten oder sonstige nahe stehende Personen sich hinbegeben wollten und unzweifelhaft echte Briefe, welche die Auswanderung auch wirklich zum Kommen auffordertcn, vorzeigen konnte, so sind doch trotz dieser Beschränkung im Jahreslaufe 473 Personen zu den Ihrigen befördert worden. Die Schule anlangend kann an dieser Stelle nur gesagt werden, daß in drei verschiedenen Localitätcn drei Elasten von drei Lehrkräften, gegenwärtig 85 Kinder unterrichtet werden, welche freien Unterricht, freie Kleidung und freie Bücher und Schnlutensilien, theilweise auch, wenn sie hier keine Angehörigen haben, freie Wohnung erhalten Die Schule befindet sich in gutem Zustande, was auch durch den Negierungsrath Herrn Siegert aus Königberg. welcher am 23. November v. I. sämmtliche. drei Elasten einer Prüfung unterzog, bestätigt worden ist. Eine kleine Anzahl Schüler sind im Laufe des Jahres aus der Schule entlasten und in guten Häusern als Lehrlinge untcrgebracht worden. Oest.-Nngar. Monarchie. H)esth, 18. Jan. Eultusminifter Trefort empfing heute eiue Deputation orthodoxer Juden, die ein Gegen - Memorandum gegen die bekannte Denkschrift der neologen Juden bezüglich der Organisation der jüdischen Gemeinden überreichte. In seiner Rede hob der Minister, wieNemzet berichtet, hervor, daß die Angelegenheiten der orthodoxen Judengemeinden sehr verworren und die Regelung derselben ein Gesetz unerläßlich sei. Bis dies geschehen könne, sei die Herstellung einiger Ordnung im administrativen Wege nothwendig; mit allen Rechten feien auch Pflichten verbunden, und die orthodoxen Juden muffen vor allem folgende Pflichten erfüllen: Sie müssen ihre Matriken ordentlich führen; die jetzigen Zustände seien unhaltbar, denn es komme vor, daß in einzelnen Gemeinden bis Juni kein einziger Fall eingetragen sei. Wo keine confesionelle Schule existirt, müffen die Kinder in die Simultanschule geschickt werden. Die Rabbiner muffen für ihr Amt qualificirt fein, ' wofür die hebräischen Kenntnisse nicht ausreichen. Auch die sogenannte Talmud-Thora- oder Winkelschnlen müssen organisirt werden; deren Besuch diene

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