Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 7 (24.1.1884)
- Date
- 1884-01-24
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2449406-2449414--19489-2508975- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
XXV. Jahrgang. Erste Geilage zu Nr. 7 -cs Äscaclit. Leitender Artikel. Literarisches. Wir erlauben uns, die Aufmerksamkeit unsrer Leser auf „Ahron's Reisehandbuch des Kaufmannes durch Europa, SüddeutsWand, Preis 6 Mark, Mainz, Carl Voltz, 1884, zu lenken. Der Verleger bittet uns, von diesem Werke unseren Lesern Kenntniß zu geben, da doch ein großer Theil der Reisenden der israel. Confession angehört. Wir entsprechen gern diesem Wunsche , zumal das Buch in jeder Hinsicht empfehlenswcrth ist. Der Besitzer dieses Buches erwirbt mit dessen Ankäufe gewisse Privilegien, z. B er kann gegen einen, der dem Buch bcigcbundenen, einzeln abzutrennenden 240 Coupons in allen Städten Süddeutschlands bei bestimmten Firmen ersten Ranges unentgeltlich kaufmännische Referenzen und Auskünfte jeder Art einziehen — er ist mit einem Worte eingeführt! Gegen andere Coupons erhält er in bestimmten Gasthöfen I. und II. Ranges auf die, Kaufleuten bereits gewährten billigeren Preise weitere 10 pCr. Rabatt. Hier hat also der Reisende den Nutzen, während z. B. bei Cooks Tickets der Unternehmer allein den Vorthei! zieht. Ein weiterer Coupon dient bei der Magdeburger Allgemeinen Versicherungs-Gesellschaft, wenn ausgefüllt und mit dein Versicherungsbeträge begleitet als Versicherungsantrag gegen Reise -Unfälle und die Versicherung läuft vom Momente der Postabstempelung; den Besitzern des Buches gewährt diese Gesellschaft auf ihre Prämie 15 pCt. Rabatt, welche sofort in Abzug gebrächt werden können. Der begleitende Text — 300 Seiten — ist sehr sorgfältig zusammengestellt und von großer Reichhaltigkeit, nicht allein in geschäftlicher Hinsicht als Nachschlagewerk, sondern auch als Führer durch alle Sehenswürdigkeiten. In letzterer Beziehung bietet er sogar manches Neue, das bis jetzt in anderen Neisewerken noch nicht veröffentlicht ist. Jüdische Hotels und Restaurationen sind meistens angegeben und sollen in späteren Bänden noch mehr Berücksichtigung finden. O. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. 8. Frankfurt a. M., 16. Jan. Von einem traurigen Gange heimgekehrt, erachte ich es für meine Pflicht, den Lesern d. Bl. von dem Manne Kunde zu geben, den wir heute zur letzten Ruhestätte geleitet haben. Dr. S i m o n Mayer, seit 23 Jahren Lehrer an der Realschule der isr. Religionsgesellschaft, ist vorgestern seinem schweren Leiden erlegen. In ihm verliert die Schule.einen ihrer besten und gewissenhaftesten Lehrer, den Kollegen ist in ihm einer ihrer treuesten Freunde entrissen. Wie sehr er es verstanden, die Liebe seiner Schüler zu gewinnen, davon zeugen die vielen einstigen Schüler, die sich heute als Leidtragende um seine. Bahre gesammelt, und jetzt als Männer tiefe Trauer um den Lehrer ihrer Kindheit bezeigten. Dr. Mayer war ein Mann von seltenen Eigenschaften. Mit einem ernsten Streben und auf das Ernste, gerichteten' Blick verband er rin kindlich naives Gemüth und einen kindlich naiven Sinn, welcher sich im Freundeskreise in einer ungezwungenen Heiterkeit und Fröhlichkeit und in der Lust am Scherze kund gab. Was ihn aber besonders anszcichncte, war sein lauteres, reines Herz, sein grundehrlicher Charakter, seine peinliche Gewissenhaftigkeit und seine Wohlthätigkeitsliebe. Sein Familienleben, war ein glückliches, eine liebende Gattin stand ihm hilfreich zur Seite und half ihm über manche Kümmerniß hinweg, die er in seinem Berufe erfahren, — bleibt ja Niemand von solcher verschont, der im öffentlichen Amte steht — ihrer treuen Pflege ist es auch zu verdanken, daß die Katastrophe, die seine Freunde schon seit längerer Zeit herannahen sahen, erst jetzt eingetreten ist. Zwei hoffnungsvolle Söhne waren der Stolz seines Lebens. — Ein Mann ohne Falsch und Tadel ist dahin gegangen; die Theilnahme an dem Heimgänge des Edlen war eine allgemeine; ein großer Leichenzug, voran die vier obersten Classen der Realschule mit dem ganzen Lehrerkollegium, gab dem Verstorbenen das Geleite. Eine Grabrede hatte derselbe sich verbeten. Der Direktor Herr Dr. Hirsch, dem die Aufgabe zngefallen wäre, die Rede zu halten, konnte daher nur diesen Willen des Verstorbenen den an der Bahre Versammelten kund thun. Möge der Verblichene sanft ruhen und ihm im Jenseits der Lohn werden, den die Braven in diesem Leben so selten finden, für all das Gute, das er hier gewirkt und vollbracht hat. n'aWr. Memel, 30. Dez. 1883. Dem Jahresbericht der hics. Sektion der All. Isr. zu Memel entnehmen wir: