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Der Israelit · 1884-01-24 · Heft 7 (24.1.1884) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 7 (24.1.1884)
Date
1884-01-24
Page
– (sequence 8)
Language
German
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4U6 „Mein gnädiges Fräulein," jagte er, „2k scheinen heute in sehr ernster Stimmung zu sein. Betrübt Sie vielleicht schon jetzt die in Aussicht stehende Trennung von Ihrer fürstlichen Freundin?" „„Der Abschied von Prinzeß Aurelic,"" sagte Bernbardine, „„wird mir sehr schwer werden. Allein, es wäre zu früh, wenn ich mich schon jetzt darum betrüben wollte. Ich habe einen Brief von meinem Papa erhalten, in welchem er mir mittheilt, daß er seinen Aufenthalt in Oftende nicht allein noch ausdehnen wird, sondern daß er nachher nach Italien zu reisen gedenkt, so daß noch einige Monate vergehen werden, ehe mein Vater nach Hause zurückkehrt, und dieser Gedanke verstimmt mich ein wenig."" „Wenn ich Ihr Papa wäre, ich würde mich keinen Tag von einer so liebenswürdigen Tochter entfernen. A propos, hat Ihr Herr Papa Ihnen nicht geschrieben, ob die Wolkeubergs noch in Ostende sind?" „„Sie sind noch dort. Kennen Sie den Herrn von Wolkenbcrg und dessen Schwester?"" „Gewiß. Wolkenberg stand mit mir bei derselben Compagnie. Der arme Teufe! hat den. Dienst qmttiren müssen, weil es ihm bei der Garde zu kostspielig wurde. Jetzt ernährt er sich vom Schriftstellern. Seine Schwester ist ein sehr schönes Mädchen, nicht so schon wie Sie, mein gnädiges Fräulein — eine junonische Erscheinung und ungeheuer stolz, was, unter uns gesagt, zu ihrer Armnth und 311 ihrer untergeordneten Stellung sehr wenig paßt. Sie ist nämlich Gescllschaftsfräulein bei einer entfernten Verwandten, der Baronin Lebkowitz." Bernhardine hörte nicht mehr, was ihr redseliger Nachbar sprach. Sie gedachte der Worte ihrer verstorbenen Mutter, daß nur der Neichthum ihres Vaters die Brücke sein könne, über die er zu einer Verbindung mit einer hochadcligen Fanlilie zu gelangen im Stande wäre. Diese stolze, junge Dame hatte sich nur, um dem bittcrn Loose der Armnth zu entgehen, mit dem reichen Banguier verlobt. Und Bernhardine selbst, das hatte sie schon ans dem Brief ihres Vaters heransgelesen, sollte — so hatte ihr Mütterchen einst gesagt — als Mittel gebraucht werden, um dem vornehmen Namen den soliden Rückhalt des materiellen Besitzes zu verschaffen!. Bernhardine war tieftranrig. Als die Tafel ausgehoben wurde, erbat sie die Erlaubniß, sich zurückzichen zu dürfen. In ihrem Zimmer angelangt, entledigte sie sich ihres Schmuckes, schickte das Kammermädchen fort und machte in heißen Thräueu ihrem gepreßten Herzen Luft. Nachdem sie lange genug geweint hatte, kam ihr der Gedanke, daß sie lhrem Vater schreibe» müjje. Das war keine leichte Aufgabe, den rechten Ton zu treffen, um von ihrer Verstimmung nichts durchblicken zu lajjen. Sie schrieb einen Brief nach dem andern und zerriß ihn wieder. Endlich warf sie folgende Worte auf das Papier: „Mein geliebter Vater! Du kannst Dir leicht vorstcllcn, wie sehr Dein liebes Schreiben mich aufgeregt hat, begnüge Dich daher für heute mit dem Ausdrucke der besten Wünsche für Dich. In unwandelbarer Liebe Deine Tochter." (Fortsetzung folgt.) MUek. Kannst die Königin Du künden. Die selten in den Schlössern weilt? . Ueber Sternen wirst Dü finden. Die manch' dunkle Hütte theilt. . Ist jenes große Wort verklungen. Jubeln freudig alle Zungen Sein Wesen zur Begleiterin. Selten wird sie gern ertragen. Oft gehaßt, verfolgt,^ zerschlagen. Nimmermehr stirbt sie dahin. Ewig jung kehrt sie Dir wieder. Und'es flieht der eit'le Trug, Doch ihr schallen keine Lieder, Still ist sie sich selbst genug. Harrt des Weisen kühner Liebe, Und sie quillt aus freiem Triebe, Sie, die noch kein Schwert bezwang. Glücklich, 'wer in ihr geboren. Glücklich, wer sie nie verloren. lücklicher, wer sie errang. Jonas. Auslosung erfolgt in Nr. 9. Tic Namen der richtig Losenden werden, wenn uns solche bis längstens Mittwoch Bormittag den 30. Januar zugegaugen, in gleicher Nummer veröffentlicht. Auflösung des Näthsels in Nr. 5: nnx E'mgesandre richtige Lötungen siehe: Zweite Beilage Leite Hs. Die Fortsetzung der Erzählung „Aus dem Leben eines orthodoxen Rabbiners" erschemt in der nächsten Nummer. i» Hierzu zwei Beilage». VerannvonU»« Redactron: Dr. Lehmann m Main,. — Verlag unt» Expedition de« .Israelit' grobe Bleiche 45. a r l S l e d e n'S DuchdruNerei (Mainzer Anzeiger).

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