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Der Israelit · 1884-01-24 · Heft 7 (24.1.1884) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 7 (24.1.1884)
Date
1884-01-24
Page
– (sequence 7)
Language
German
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105 Deutschland. Mainz, 23. Jan. Wir haben heute dem löblichen Central-Comitö der „All. Jsr. Univ." zu Paris wiederum 500 Mark zum Besten der Abgebrannten zu Haskiöi übersandt. Die Summe der von uns für obigen Zweck gesammelten und übersandten Gelder beträgt nunmehr 1500 Mark. F e ui X I et o rr. Iur standhaft! XXVI. Fräulein Bernhardine von Löwenheim hatte soeben ihre Toilette beendet. Heute fand große Hoftafel zu Ehren der Verlobung der Prinzessin Aurelie statt, und Bernhardine war zu derselben befohlen worden. Schon stand wartend die Equipage vor der Thüre, und die muthigen Rosse stampften ungeduldig den Boden. Da wurde der jungen Dame ein Brief überbracht, der soeben Lurch einen Eilboten von der Post gesandt worden war. „Ah, von meinem Papa," sagte Bernhardine freudig überrascht. „Was mag er mir so Eiliges mitzutheilen haben?" Sie erbrach den Brief. Beim Durchlesen desselben wurde sie immer ernster, bis Thräncn ihren Augen entströmten. „Mein geliebtes Kind," schrieb der Baron, „wie soll ich Dir das Glück meines Herzens und die Freude meiner Seele schildern! Du weißt, wie innig ich Deine gute Mutter geliebt, und wie tief ich sie betrauert habe. Jetzt ist ein neuer Frühling in mein Herz eingezogen. Aus meinen früheren Briefen hast Du entnommen, welch einen schönen Bekanntenkreis ich hier in Ostende gefunden habe. Vor Allen zog mich ein Geschwistcrpaar an, der Freiherr Bruno von Wolkenberg und dessen Schwester Agathe. Baron Bruno ist ein sehr schöner und liebenswürdiger junger Mann, ein vollendeter Cavalier, ein Mann von tiefer und ausgebreiteter Bildung. Seine Schwester ist eine junge Dame, wie es keine zweite auf Erden gibt, schön wie Juno, eine hohe imponirende Gestalt, einer Fürstin vergleichbar, ja sie würde jedem Königsthron zur Zierde gereichen. Nun, denke Dir, mein süßes Kind, mir armem Sterblichen ist das unnennbare Glück zu Theil geworden, dieses edle und schöne Fräulein zu gewinnen! Agathe ist meine Braut, und ich bin der glücklichste Mensch ans Erden, glücklich, auch Deinetwegen! Meine angcbetete Braut wird Dir eine mütterliche Freundin werden — mütterlich, nein, dazu ist sie zu jung, denn Agathe ist nur wenige Jahre älter als Du; aber sie wird Dir wie eine liebevolle Schwester sein. Die Wolkenbergs gehören dem ältesten Adel an; ihr Stammbaum reicht bis in das zwölfte Jahrhundert hinauf. — Wie gern möchte ich, daß Du Zeugin meines großen Glückes seiest; allein, meine angcbetete Braut wünscht erst als meine Gattin ihren Einzug in D. zu halten. Wir werden daher in aller Stille hier unser Hochzeitsfest feiern und dann den Spätherbst in Italien zubringen. Ich muß deßhalb noch einige Monate auf die Freude verzichten, Dich, meine geliebte Tochter, umarmen zu können. Mein Schwager wird uns begleiten und dann mit uns nach D. kommen. Ich kann die Zeit nicht erwarten, bis Du ihn kennen lernst. Er ist ein prächtiger Mensch und wird Dir gewiß sehr gefallen. Was ihn betrifft, so schwärmt er jetzt schon für Dich. Nicht allein ich habe ihm viel von Dir erzählt, sondern sein Freund, der Premierlieutenant von Köller, der in Gefolge des Prinzen Arnulf sich jetzt in D. aufhält, hat ihm ganz begeistert von Dir geschrieben. Vielleicht . . Nun, Du wirst sehen, siegen und besiegt werden! Ich sehe mit Sehnsucht einigen Zeilen von Dir entgegen und bin fest überzeugt, daß Du den innigsten Antheil an dem Glücke Deines Vaters nimmst. Ich bitte Dich, schreibe sofort! Von meinem lieben Bräutchcn bin ich beauftragt. Dir. die herzlichsten Grüße zu senden. Auch sie freut sich sehr auf den Augenblick, in welchem sie Dich umarmen und mit Dir einen Freundfchaftsbund für das ganze Leben wird schließen können. Nochmals bitte ich Dich, schreibe bald Deinem überglücklichen Vater." Bernhardine war in einen Sessel gesunken und in heiße Thräncn ausgebrochen. So bald hatte ihr Vater ihr geliebtes Mütterchen vergessen! Die Zofe kam und mahnte zum Aufbruch. Nur ungern entschloß sich Vernhardine, zu Hofe zu fahren; ihr war das Herz so schwer! Allein, sie durfte heute nicht fehlen; das würde ihr Prinzessin Aurelie niemals verziehen haben. Sie trocknete ihre Thräncn und versuchte es, wenigstens heiter zu scheinen. Es war eine überaus glänzende Versammlung, an -der Bernhardine Theil nehmen durfte. Allerhöchste und höchste Herrschaften waren zahlreich eri schienen, um das Verlobungsfcst des Prinzen Arnulf! und der Prinzessin Aurelie mitzufeiern. Zwei große Tafeln waren hergerichtet. An der einen saßen nur : regierende Fürsten und Mitglieder der fürstlichen Fa- ,t mitten, an der andern die vornehmsten Cavaliere der . verschiedenen Höfe und ihre Damen, so wie die eingeladenen nichtsürstlichen Gäste. Dernhardinens Tisch-! nachbar war der Lieutenant von Kötter.

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