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Der Israelit · 1884-01-21 · Heft 6 (21.1.1884) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 6 (21.1.1884)
Date
1884-01-21
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXV. Jahrgang. Beilage zu Nr. 6 des Israelit. Leitender Artikel. Einzelne Beiträge zur talmudifchen Sprach- und Sachkunde. Von Dr. H. E. I. Für die Erkenntniß der Entstehung der Mischna ist es von großer Wichtigkeit, den eigentbümlichen Platz kennen zu lernen, den die Sprache der Mischna im Entwicklungsgänge des Hebräischen einnimmt. Es erklären sich daraus mannigfache Sprachcrscheinnngen, die dem Idiom der Mischna das eigenthümliche Gepräge verleihen. Im Folgenden wollen wir eine dieser Eigenthümlichkeiten besprechen, anknüpfend an eine Talmudstelle, die jüngst in einem andern jüdischen Blatte besprochen wurde. In demselben sucht Herr Dr. Salomon Kohn zu beweisen, daß das chaldäische Idiom zur Zeit der späteren Amoraün so vorherrschend im Volke gewesen sein muß, daß ihm das Verständniß des Hebräischen ganz abhanden gekommen wcw Der Beweis wird geführt aus Berachoth 32a.: bw ma '•nd ,n*csj7 iv wx x"*i icx iv'ix ’xo — — '2^1 xntrx ox ->2x n'oay Da nun das Letztere nur die chaldäische Uebersetzung des Ersteren ist. so ist scheinbar der Beweis erbracht, daß im Volke die einfachsten Worte des Hebräischen nicht mehr verstanden wurden und erst in das volkslhümliche Idiom übersetzt werden mußten. Diese ganze Beweisführung scheint mir aus mehr als einem Grunde unzutreffend. Denn.erstens handelt cs sich hier nicht um einen Ausdruck fürs Volk, sondern um eine talmudische Frage, diezwiscken den Amoraün verhandelt wurde. Es ist doch nicht anzunehmen, daß die Amorann nach der Uebersetzung der Worte rr-osy b? »x gefragt haben sollten, die doch jedes Kind, das einige hebräische Vokabeln innehat, übersetzen kann. Herr Dr. S. Kohn sagt daher nur, daß das Volk das Hebräische nicht mehr verstanden hat. Aber um das zu beweisen, braucht es nicht erst diese Stelle, da doch so viele deutliche Thatsachen diese Unkenntniß des Volkes darthun. Die ganze Institution des Meturgeman diente ja nur dazu, um dem Volke die heilige Schrift, die in der Ursprache vorgelesen wurde, zu übersetzen und die Vorträge der rvo’tr' ’irao, bic meistentheils hebräisch waren, zu verdeutlichen. Vergleiche z. B. die sehr instructive Stelle in Pesachim 42 a, wo mitgetheilt wird, daß die Leute den Ausdruck utw o’d^ mißverstanden hattenj, bis es ihnen durch m'm xm übersetzt wurde. Aus dieser Stelle geht klar hervor, daß das Volk das hebräische ub' im Sinne von „Uebernachten" nicht verstand; denn sonst wäre der Jrrthum daselbst, daß sie Mb als Pronomen Possesivuin aufgefaßt haben, unbegreiflich. Ein fernerer Beweis befindet sich in Joma 20b, wo Nab als Meturgeman des Nab Schila die Worte 122.1' init xip x^22 übersetzte; N. Schila wolltexV-2:1.1 x-'p übersetzt haben. Daraus geht doch deutlich hervor, daß das Hebräische den Leuten auf aramäisch hat erklärt werden müssen. Vgl. Naschi z. St:DDnn: ryo-jp'onp vv-y o2ino x .i, rp v; und daselbst weiter: '12- 1221 rp->p 'i vn- ■sro2 xSp 0*2-0 c2in k',t. Es wäre überflüssig, weitere Beweise dafür anzuführen. Nun bleibt aber die obige Stelle in Berachoth um so schwieriger. Da es sich dort nicht um einen öffentlichen Vortrag handelte, so ist es doch gewiß sonderbar, daß die Gcmara sich bcmüssigt sieht, die Worte mosy bv e'x auf aramäisch zu übersetzen. Es handelt hier jedoch um eine interessante Eigenthümlichkeit der Mischna und theilweise auch der Talmudsprache, durch welche mir obige Stelle bereits seit langer Zeit ausgefallen ist. Daß das Hebräische während der Dauer des zweiten Tempels nach und nach anfgehörthat, Volkssprache zu sein und dem Aramäischen Platz gemacht Hat, darf als bekannt vorausgesetzt werden. Klagt ja schon Nehemias: „Ihre Kinder sprechen zur Hälfte Aschdodisch und verstehen das Hebräische nicht mehr" (Neh. 13, 24). Die Gebildeten verstanden uitd sprachen freilich noch in späterer Zeit das Hebräische, während das Volk bereits nur Aramäisch sprach. Besonders scheint das Hebräische in der Familie des Naßihauses gepflegt worden zu sein, wie der Ausspruch Nabbi's, Baba Kamma 82 b., bezeugt „Was soll in Palästina das Syrische?" sagte er. „Sprechet entweder hebräisch oder griechisch!" Bekannt ist ferner, daß seine Magd den Schülern Aufschluß gab über hebräische Worte, deren Bedeutung ihnen unverständlich war. Vgl. Megilla 10 a. und sonst. Die gelehrte Sprache blieb aber immer noch in Palästina, das Hebräische, was wir ja an den Misch

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