Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 6 (21.1.1884)
- Date
- 1884-01-21
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Jaminelt, und beabsichtigt nun an die Verkeilung der I übrig gebliebenen Gelder zu . schreiten. Der oster-! rcichische Bothschaster hat dem Comittz der Alliance I Jsraelite hier dieser Tage zum selben Zwecke Frs. - 20,700 übergeben. Hierzu haben beigesteuert: Albert! v. Rothschild 6500, Maurice v. Königswarter 2500, ] Morpurgo und Parente 1700, Maurice Wahrmann, i Pest 8000, Pester Lloyd 2000 Frs. Dieses EomitS beabsichtige, ein Steingebäude aufführen zu lassen, dem der Name „Asile Hirsch" beigelcgt werden soll. Fenillet o rr. Aus dem Leben eknes orkhodoren ^Rabbiners. Skizze von Dr. Sta . 3. Eapitel. Der Empfang im Hause Nathansohn's. „Seien Sie mir noch einmal hcrzlichst willkommen, Herr Doctor", sagte Nathansohn, während er mich in sein Empfangszimmer führte und mir aus meinem Ueberzieher half. „Bitte, nehmen Sie hier Platz. — Ich will doch sehen, wo meine Alte steckt!" Während er so gesprochen, ging die Thüre auf und eine ältliche, stattlich ausschende Frau trat ein, die, als sie mich sah, auf mich zukam und mir die Hand wie einem alten Bekannten entgegenstreckte. — „Ah, HerrDr., seien Sie hcrzlichst willkommen!" . . und zu ihrem Mann gewendet: „Also, er ist heute noch nicht gekommen? Kann er vor rav überhaupt noch kommen?" „Na, na. Alte," sagte Herr Nathansohn, „nur ohne Sorge! Er ist ja schon da." „Warum Haft Du ihn aber nicht mitgebracht? Dieser Eandidat soll ja bei uns wohnen?" „Natürlich habe ich unfern lieben Gast mitgebracht," sagte Nathansohn, und sich an mich wendend sagte er: „Gestatten Sic, daß ich Sie meiner Frau vorstelle. Herr Rabbiner Dr. Stein, meine Frau." „Ha ha ha," lachte Frau Nathansohn, indem sie sich spöttisch verneigte, „das war doch ein sehr schlechter Spaß! ich sollte doch wohl Herrn Dr. Priester kennen!" „Sehen Sie, Herr Rabbiner," sagte Nathansohn lachend, „auch meine Frau ist in diesem Jrrthum befangen!" - „Ich fange an, auf meinen Doppelgänger," sagte ich lachend, „ernstlich böse zu werden; daß er es gewagt hat, meine Gestalt anzunchmen, will ich ihin gerne verzeihen, daß aber durch ihn mein Beruf angezwcifelt wird, ist unverzeihlich. — Es thut mir sehr leid, gnädige Frau!" sagte ich zu Frau Nathansohn gewendet, „Ihnen bestätigen zu muffen, daß ich zwar heute schon einige Mal für Herrn Dr. Priester angesehen wurde, tatsächlich aber kein anderer bin, als der von Ihnen freundlich erwartete Rabbiner, welcher die Ehre haben wird, diesen Samstag, so Gott will, in der Synagoge einen Probevortrag zu halten!" „O, verzeihen Sie," sagte Frau Nathansohn, — „und seien Sie mir hcrzlichst willkommen —! Aber in der That eine sehr frappirende Aehnlichkeit —"! Nun erzählte ich abwechselnd mit Herrn Nathansohn die Vorgänge in und bei der Post — beide lachten sie herzlich über die Verlegenheit des Herrn Löwenstein. „Das glaube ich," sagte Frau Nathansohn, „dem Löwenstein wird es schon nicht so angenehm gewesen sein, daß Sie seine Beurtheiluug Ihrer geschätzten Person mit angehört haben, denn er verdirbt es mit Niemandem gerne." „Aber daß er am rov raucht, ist eine lächerliche Unwahrheit —! Seine Frau, die eine gesetzestreue Jüdin ist, würde cs nicht zugeben, obwohl ich keinen Augenblick daran zweifle, daß Ihr Doppelgänger. Herr Dr. Priester, ihn dazu verleiten wollte. Aber so dumm ist heutigen Tages die Welt! — Sie meinen nur dann als gebildet zu gelten, wenn sie überall ansposaunen, daß sie die Satzungen der Religion lächerlich finden —! Was er aber von dem Rabbiner, der am jüngsten Samstag, hier gastirte, mitgetheilt hat, ist leider wahr und wäre ich an der Stelle meines Mannes, ich würde niemals zugegeben haben, daß derselbe überhaupt spreche. Ich bin einmal so eine dumme Frau, die alles Unwahre und Heuchelei für eine Entweihung des göttlichen Wortes und Gotteshauses hält. Habe ich nicht recht, Herr Doctor? — Aber was mache ich? rede in einem Athemzuge fort und denke nicht daran, daß Sie hungrig und von der Reise ermüdet fein werden! — „Johanna," sagte sie zu dein durch die in Bewegung gesetzte Tischglocke herbcigeeilten Dienstmädchen — „bitte, tragen Sie auf!" „Ich bitte, mich noch zehn Minuten zu entschuldigen," sagte ich — „ich muß noch zuerst Maariw beten." — Ich ließ mir Wasser reichen, wusch meine Hände und betete, und ich muß gestehen, daß ich noch nie mit so viel Jnnbrunst gebetet habe. Als ich im Postwagen die Unterredung zwischen Hornstein und Löwenstein anhören mußte, wäre ich am liebsten wie-