Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 6 (21.1.1884)
- Date
- 1884-01-21
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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87 Das, woran Laster viel schwerer litt, war der Stillstand in unserer nationalen Entwickelung, der wie ein Alp auf ihm lastete. Auch der Undank, welchen er erfuhr, ging ihm sicherlich nahe. Hat er doch zum preußischen Abgeordnetenhaus ein Mandat nicht wieder angetragen erhalten. Wir hofften von dem längeren Aufenthalt in Amerika Erholung und Erfrischung für den überarbeiteten, tief verstimmten Organismus. Er hat dort die Nuhe des Todes gefunden. Das viclgcgnälte Herz hörte auf Zuschlägen, als er sich anschickte, in das geliebte Vaterland zurückzukehren. Treuer für Deutschland hat selten ein Herz geschlagen. Zum Schluffe wollen wir noch die erhebenden Worte des berühmten deutschen Rechtslehrers Rudolph Gneist anfügen. Dieselben lauten: Immer erfüllt von warmer Liebe zu seinem Vaterlande, immer getragen von dem Streben nach einem höchsten sittlichen Ideal des Staats, immer redlich bemüht, dies Ideal auf dem Boden der gegebenen Verhältniffe zu verwirklichen, wird Eduard Laster nicht nur unvergeßlich in dein Andenken seiner Freunde leben, sondern sein Name wird unter den rechtschaffensten, uneigennützigsten, in glücklicher Zeit wirksamsten, politischen Männern Deutschlands stets mit hohen Ehren genannt werden. Ich bin gewiß, diese dankbare Anerkennung im Sinne aller meiner politischen Freunde aussprechen zu können. Zeitungsnachrichten und Correspondenzeu. Deutschland« Frankurt a. M., 17. Jan. Im Verein zur Förderung der jüdischen Geschichte und Literatur hielt diesen Mittwoch Abend Herr Dr. H. Heincmann einen Vortrag über die alexandrinische Periode der jüdischen Geschichte. Nach dem Hinweis auf die Bedeutung Alexandriens für den Welthandel und für die geistige Entwickelung der Menschheit schilderte der Redner die Lage der Juden in dieser Stadt, wohin sie thcilweise schon unter Alexander dem Großen, thcilweise unter dem ersten Ptolomäer cinwanderten und wo sie sich dem Handel und den Handwerken widmeten. Ihr geistiges Leben gewann eine eigenartige Richtung durch die Septuaginta, jene griechische Bibelübersetzung, welche auf Veranlassung des Königs Ptolsmäos Philadelvhos von 72 jüdischen Weisen verfaßt wurde, welche, unabhängig von einander arbeitend, zu demselben Resultat gelangten. Diese Bibelübersetzung führte der griechisch-römischen Welt zum ersten Male die Erkenntnis; m, daß die von ihren Philosophen nur geahnte Wahrheit des Monotheismus im jüdischen Volke schon längst klaren Ausdruck gefunden hatte. Der an und für sich berechtigte Stolz aber auf die Septuaginta führte zur Ueberschätzung derselben und zur Vernachlässigung der hebräischen Sprache. Hierdurch aber wurde auch die Erfassung der Grundwahrheiten des JudentlmmZ bei den Alexandrinern getrübt, da, wie sich.gerade an ihrem Beispiele zeigt, nur unmittelbar aus den heiligen Schriften ein richtiges Verständiß des Jndenthnms gewonnen werden kann, und ganz besonders die Durchdringung der schriftlichen Lehre mit der mündlichen nur bei genauer Beobachtung aller Einzelheiten des Urtextes möglich ist. Als 198 Palästina politisch von Egypten. getrennt wurde, wurde die Verbindung zwischen Alexandrien und Jerusalem noch erschwert. Während der Zeit der syrischen Verfolgung flohen viele Juden nach Egypten, unter ihnen auch em Sohn des Onias III, gleichfalls Onias genannt, welcher dem König Ptolomäos VI große Dienste leistete und hierfür von ihm die Erlaubnis; erwirkte und erhielt, irr.Egypten einen Tempel bauen zu dürfen. Es war dies ein schwerer Verstoß gegen eines der Grundgesetze des Judenthnms, welches, nachdem einmal der Gottesdienst in Jerusalem seine dauernde Stätte gesunden, auch den Opferdicnst ausschließlich auf diesen nationalen Mittel- . Punkt beschränken wollte, und in der verschiedenen Entwickelung, welche von jetzt an das palästinensische und das alexandrinische Geistesleben nahmen, zeigten sich dessen Consequenzen. Während die Palästinenser sich in das jüdische Schriftthum vertieften und aus ihm die Lehren der Weisheit zu schöpfen suchten, verfolgten die Alexandriner vor allem polemische und apologetische Zwecke. Sie suchten im Gegensätze zum Hcidenthnme die Erhabenheit des Jndenthums und die Vernunftmäßigkeit seiner Gesetze den Heiden gegenüber zu beweisen, deuteten aber hierbei sehr oft die ihnen aus den philosophischen Schriften der Griechen geläufigen Begriffe in die heilige Schrift hinein. Redner skizzirte sodann kurz die Vielseitigkeit des alexandrinischen Schriftthums, von dem uns größtentheils nur Fragmente erhalten sind, und führte besonders d'n Inhalt der apokryphischen „Weisheit Salomos" aus, welche aller Wahrscheinlichkeit nach Alexandrien angehört. Eingehend behandelte er dann Philo, welcher die Licht-u. Schattenseiten des AlexandriniSmns darstellt. Philo stammte aus der Familie der Alabcn'chen, der Vornehmsten Alexandriens. Von früh auf mit griechischer Philosophie bekannt, hatte er die heiligen Schriften nur in der Uebersetzung kennen gelernt, aber hieraus eine glühende Begeisterung für sie gewonnen. Dieser gab