Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 5 (17.1.1884)
- Date
- 1884-01-17
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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71 Feuill e t o ». Kur standhaft! xxv. „Und wenn er sich zehnmal taufen läßt," rief Fräulein von Wolkenberg mit Entrüstung, „ich kann den Widerwillen gegen den Juden nicht überwinden." „Sei nicht kindisch, Agathe," sagte Frau von Lebkowitz, „Zu stehst im Begriff, ein großes Glück mit beiden Händen von Dir zu stoßen". „Was soll aus Ihnen werden Fräulein??" nahm Herr von Lebkowitz das Wort. „Meine Frau und ich, wir sind alte Leute und werden nicht ewig leben. Nach dem Ableben meiner Frau wären Sie gezwungen, sich eine andere Stellung zu suchen. Welchen Eventualitäten würden Sie da entgeugehen! Sie müßten dienen, um das Stückchen Brod zu erwerben, das Sie genießen? Und eine Heirath? Vermögenslose Damen haben heutzutage nur geringe Aussichten. Für unsere junge Cavaliere sind meistens nicht Schönheit, nicht Geist, nicht alter, unbedeckter Adel das Bestimmende, sondern die Moneten." „„Du mußt diesen Widerwillen überwinden, meine Schwester!"" sagte Bruno. „„Du hast ja ganz Recht. Es ist hart für die Tochter eines alten reichsfreihecrlichen Geschlechts, die Gattin eines Juden werden zu sollen, selbst wenn dieser getauft ist. Jude bleibt Jude. Allein bedenke, welche unermeßliche Vortheile Du dadurch erringst! Und wenn Du auf Glanz und Reichthum verzichten willst — Du darfst es nicht, um meinetwillen nicht. Als unser unglücklicher Vater seinem Leben ein Ende machte und wir armen verladene Waisen trostlos in die Welt schauten, da habe ich, damals noch ein Knabe, mir fest vorgenommen, die verlorenen Familiengüter wieder zu gewinnen und das zerfallene Schloß unserer Ahnen neu aufzubauen. Dieser Vorsatz macht seitdem den Inhalt meines Lebens aus, er ist das Ziel aller meiner Wünsche. Als Officier bot sich mir nicht die geringste Aussicht dazu; im Gegentheile, ich hätte Schulden machen müssen; deßhalb quittirte ich den Dienst. Ich wäre Kaufmann geworden, um Rckchthum zu erwerben, wenn ich zu diesem Berufe Talent in mir verspürt hätte. Und jetzt, da wir, wie durch ein Wunder, das heißersehnte Ziel erreichen können, sollen wir cs wegen einer kindischen Mädchenlaune aufgeben? Ich habe Dir den Brief meines Freundes Köller gezeigt; er möchte Jude werden, um Bernhardine von Löwenhcim zu gewinnen. Und mir ist sie vom Vater zugesagt. Um die meine zu werden, soll sie die Taufe empfangen, und ich werde im Stande sein, den alten Glanz unseres Hauses im erhöhten Maße wieder herzustellen. Gilt Dir das gar nichts?"" „So sei es denn," sagte Agathe resignirt. .Um Deinetwillen, mein Bruder, will ich versuchen, s das mir unmöglich Scheinende zu vollbringen." Bruno umarmte seine Schwester. Herr und Frau von Lebkowitz wünschten ihr zu ihrem Entschlüsse Glück. Ihr Bruder eilte fort, um den Baron von Löwenheim herbeizurufcn. \ Nicht lange nachher erschien der Baron. Die Verwandten ließen ihn mit Agathe allein. Die eisige Kälte der jungen Dame machte den Baron verlegen. Schweigend saßen sich die Beiden eine Zeit lang gegenüber. „Gnädiges Fräulein," Hub. endlich Löwenheim mit zitternder Stimme zu reden. au, „Ihr . Herr Bruder hat mir die Freudenbotschaft gebracht, daß Sie mir gestatten wollen, um Ihre Gunst, um Ihre Liebe zu werben." „„Herr Baron,"" sprach das Fräulein kalt und gemessen, „„ich will wahr und offen gegen Sie sein. Mein Herz empfindet nichts für Sie."< „O, mein Fräulein,. ich bin nicht eitel genug, mir einzubildcn, daß Sie in Liebe erglühen für einen Mann, der viel älter Ist als Sie. Aber ich werde mir Mühe geben, Ihre Achtung und endlich auch Ihre Liebe zu erringen. Alle Ihre Wünsche werde ich zu erfüllen suchen, noch ehe sie ausgesprochen werden. Die Kostbarkeiten beider Hemisphären bin ich bereit, Ihnen zu Füßen zu legen. Es ist das keine Redensart — mein großer Reichthum gestattet mir das. Und wenn Sie sehen werden, wie ich Sie liebe, wie ich Sie anbete, dann werden auch Sie ein klein wenig in Liebe mir zugethan sein." „„Ich habe Ihnen noch nicht Alles gesagt, Herr von Löwenheim. Wenn ich es vorhin aussprach, daß mein Herz nichts für Sie empfindet, so war das nicht ganz genau. Ich besitze eine große Voreingenommenheit gegen die Inden."" „Hat Ihnen Ihr Herr Bruder nicht gesagt ....." „„Daß Sie sich taufen lassen wollen und zwar protestantisch. Er hat es mir mitgetheilt. Allein, meine Voreingenommenheit gilt nicht Ihrer Religion, die Sie verlassen wollen und die ich gar nicht kenne, sondern Ihrem Volke, Ihrem Stamme."" „Auadas wird sich verlieren." „Ich hoffe cs; da ich nun nicht aus Liebe zu^ Ihrer Person Ihren Antrag auzunehmen mich entschließen werde, so finden Sie cs wohl natürlich, daß ich zuvor meine Bedingungen stelle." „„Wenn Sie mich zum glücklichsten Sterblichen machen, Agathe, so sei jede Bedingung zum Voraus gewährt. Ich werde jede Summe, die Sie verlangen. Ihnen zur Verfügung stellen, ich werde Ihnen ein 'Nadelgeld aussetzcn, wie cs sonst nur Prinzessinnen zu beanspruchen pflegen, ich werde Ihnen für den Fall