Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 5 (17.1.1884)
- Date
- 1884-01-17
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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70 . .Hirsch lernten einander im verflossenen Sommer im Kurorte Ems kennen. Cardinal Haynald ersuchte dort den Prager Ober-Nabbiner um ein Gutachten über die Wen zwischen Christen und Inden vom jüdisch gesetzlichen Standpi nkte, und der Ober-Nabbiner kam diesem Wunsche bereitwilligst nach und sendete ein diesbezügliches Gutachten an den Cardinal. Am 13. Dezember erhielt er nun von Letzterem mit besten Ncichstagsrede ein Schreiben, worin Cardinal Haynald sagt, er habe von mehreren ausgezeichneten Talmudkcnncrn Daten über die Ehen der Christen mitJuden vom jüdisch gesetzlichen Standpunkte erhalten; die überzeugendste Erörterung sei aber die des Prager Ober-Rabbiners.. Auf Grund dieser Erörterung habe der Cardinal seinen Ausspruch im ungarischen Oberhanse, wenn auch kurz, so doch, in ganz bestimmter Weise und für ihn (Cardinal) mit größter Beruhigung gethan. Haynald sagt ferner, daß er dieses ausgezeichnete Gutachten zum bleibenden Andenken im erzbischöflichen Archiv hinterlegt habe, und dankt schließlich dem Ober-Rabbiner für den erwiesenen Dienst. Ans diesem Anlaste hat Letzerer an den Cardinal zum Jahreswechsel ein Glückwunschschreiben gerichtet, worin er die Rede Haynald's als eine bedeutende Leistung bezeichnet und den Wunsch ausspricht, daß die Rcligiösität allerwärts erstarken und die Duldung zwischen den verschiedenen Confestionen als köstliche Frucht am Baume der Erkenntniß reifen möge. Rußland. Daß ein Korpskommandant mit einem vollständigen Stabe und einer Eskorte das Land durchstreift, um Studien über die — Judenfrage zu machen, ist gewiß neu. Solches ist aber, wie der Petersburger Korrespondent der „Times" meldet, wirklich inSüdrnßland geschehen, Um nämlich den auch von uns ittitgetheilten Ausführungen Demidow's, Fürsten von San Donato, entgegentreten zu können, hat General Kositsch, Kommandant eines in Kiew stehenden Armeekorps (während des Krieges war er Stabschef des 12. Armeekorps unter dem Großfürsten Wladimir), im vorigen Sommer mit 10 Stabsoffizieren und einer Kavallerie-Eskorte in sieben Bezirken an den Grenzen Oesterreichs und Deutschlands militärische und statistische Aufnahmen gemacht. Der „Times"- Korrespondent vermuthet, daß es diese „Rekognoszkrungen" gewesen seien,- welche vor einigen Monaten die österreichische und deutsche Presse beunruhigten. General Kositsch hat nun in einer Broschüre die Resultate seiner Forschungen veröffentlicht. Dieselben beweisen aber nichts, da die Untersuchungen des Generals sich nur' auf 43,400 Juden erstreckten, während Rußland, deren .über vier Millionen hat. Das ganze Unternehmen scheint darauf berechnet zu sein, die Juden und Fremden (meist Deutsche), in deren Händen sich die Fischerei, die Fabriken, die Mühlen und der Holzhandel jener Gebiete befinden, zu verdächtigen und die Ansicht zu verbreiten, daß dieselben mit einem einrückenden Feinde gemeinsame Sache gegen Rußland machen werden, also die ewige Angst: am m *101:1 nonSo njsopn o. Die zarische Negierung scheint noch immer nicht genug schlimme Erfahrungen mit politisirenden Generalen gemacht zu haben! St m e r ü n. New-Bork. Wie Laskers Bruder reich wurde, betitelt sich eine echt „amerikanische" Geschichte welche zur Zeit durch die Blätter geht. Die Reise Eduard Laster''s nach Amerika galt, wie bekannt, seinem in Galveston (Texas) als Banquier und Industrieller in glänzenden Verhältnissen keöenden, jüngeren Bruder. Der Schwager des Bruder des Verstorbenen hatte, als er vor langen Jahren nach Amerika kam, die flüchtige Bekanntschaft eines Ir* länders gemacht und diesem, als sich derselbe in großer Roth befand, ein Darlehen von 400 Dollars gemacht. Jahre vergingen darüber, der Schwager des jüngeren Laskers hatte jenes Darlehensgeschäft längst vergessen. Da wird er eines Tages in Galveston, wo er mildem jüngeren Lasker in Kompagnie ein bescheidenes Mühlenetablistement besaß, durch einen Diener nach dem Bahnhof beschieden, wo ihn ein Herr dringend zu sprechen wünsche. Beide Kompagnons begaben sich ungesäumt nach dem Orte der Rendezvous. Hier stellte sich dem Schwager Lasters ein Herr mit der Frage vor, ob er sich seiner nicht mehr entsinne. Die Antwort lautete verneinend. Erst als der Fremde den Schwager Lasker's durch Angaben aller Details daran erinnerte, daß er es sek, wacher einst jenes Darlehen von 100 Dollars empfangen, fand die Erkennungsscene statt. Der Fremde war kein Anderer als der schon seit Jahren' zum vielfachen Millionär gewordene Makay. Lange Zeit hatte Makay seinen Gläubiger vergebens gesucht, und als er ihn endlich ermittelt, war er mit einem Expreßtrain unverzüglich nach Galveston geeilt, um seiner Dankbarkeit Genüge zu leisten. Jenes Darlehen von 100 Dollars batte in dem Geschick Makaks einen Wendepunkt bezeichnet. Makay schenkte seinem wiedergefundenen Freunde sofort 100,000 Dollars in Baär und eröffnete den beiden Kompagnons für ihr Geschäft einen nach Belieben zu verzinsenden, unkündbaren Kredit von 500,000 Dollars. Washington. 10. Jan. Das Repräsentantenhaus nahm einen Beleidsantrag anläßlich des Ablebens Lasker's an.