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Der Israelit · 1884-01-17 · Heft 5 (17.1.1884) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 5 (17.1.1884)
Date
1884-01-17
Page
– (sequence 8)
Language
German
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72 meines Todes ein Witthum bestimmen, das dem | einer verwittweten Fürstin gleich kommen soll'"" „Mein Herr Baron, Sie verkennen mich ganz! und gar. wenn Sie meinen, daß solche Wünsche für! meine Entschließung maßgebend seien. Was meine Person betrifft, so überlasse ich all diese Bestimmungen ganz Ihrem Ermessen. Die Bedingung, die ich zu stellen habe, bezieht sich auf die Zukunft meines Bruders. Ich verlange, daß Sie ihm Ihre Tochter jur Frau und ein Heirathsgut geben, das ihn in den Stand setze, den alten Glanz unsres Namens und Geschlechtes wieder herzustellen." „„Auch hierin bin ich Ihnen schon vorgekommen, Agathe. Bereits bin ich mit Bruno übereingekommen, daß ich ihm gestatte, um meine Tochter zu werben. Und was das Heirathsgut betrifft, so wird er dafür Schloß Wolkenbcrg dreimal wieder ausbauen und dreimal so viel Güter dazu erwerben können."" „Und wenn Ihre Tochter sich weigert, die Gattin meines Bruders zu werden?" „„Warum sollte Sie sich weigern, einem schönen jungen Manne, einem vollendeten Eavalier, wie Bruno ist, Gehör zu geben?"" ' „lind wenn sie es dennoch thun sollte?" „„Daran ist ja gar nicht zu denken."" „Und wenn es dennoch so wäre?" „„Dann könnte ich allerdings meine Tochter nicht zwingen, sich gegen ihre Neigung zu verheirathen."" „Und ich hätte mich nutzlos geopfert! So hören Sie, Herr von Löwenheim, meine Bedingung: Ich werde erst dann Ihre Braut, wenn die Vermählung meines. Bruders mit Ihrer Tochter vollzogen sein wird." . „„Sie stürzen mich ans allen Himmeln. Agathe! Bedenken Sie, was Sie verlangen! Wenn Sie meine Frau sein werden, so kömmt Bruno zu uns nachD.; da macht es sich ganz von selbst, daß er um Bernhardine wirbt und sie gewinnt. Wenn Sie jedoch Ihr Jawort bis dahin anfschieben wollten, so würden Sie die Verbindung Ihres Bruders mit meiner Tochter unmöglich machen. In unserer kleinen klatschsüchtigen Residenz hätte man es bald heraus, daß Sie der Preis sind, um ben ich meine Tochter verkaufe, und Bernhardine würde sicb dann entschieden weigern, auf unsere Pläne einzngehen. In D. weiß man cs heute schon, daß ich Sie liebe, daß^ich um Sie werbe. Ich bitte Sie, Agathe, geben <sie diese Bedingungen auf, sie käme einer Ablehnung gleich."" Bruno von Wolkenberg, dem die Unterredung zu lange gedauert hatte, trat ins Zimmer. „Kommen Sie mir zu Hilfe, Bruno," rief ihm Löwenheim entgegen. Dann erzählte er ihm von der Bedingung, die seine Schwester gestellt hat. „Agathe", sagte Bruno, „Du beleidigst mich. Glaubst du wirklich, daß es mir unmöglich sein sollte,' das Herz eines siebenzehnjährigen Mädchens zn gewinnen?" „So sei es denn", sagte Agathe seufzend und reichte dem entzückten Baron ihre Hand, die dieser an seine Lippen preßte. - (Forts, fgt.) MM. Ich weiß ein Wort, und so ist keins mehr In der Welten unendlichem Wesen; Es ist so einfach, ist doch so hehr. Ist gleich, wie es ewig gewesen; , Und nicht unterliegt es dem Wechsel der Zeit, Gleich dem verbleibt es in Ewigkeit, Dem seine Bedeutung ist eigen. War Alles schon da, wird wieder sein. Und Aehnliches auch wird gefunden, , Mein Wort, es ist es nur Einer allein In der Höh', in der Erde tief unten; Und ein Lob ist», wie herrlicher, würdiger keins. Für den Herren des Weltall, des ewigen Seins, Der da thront in den himmlischen Reichen. Und wer des Wortes Wahrheit erkannt. Er lebte nimmer vergebens. Und raubte man ihm auch den irdischen Tand, Er besitzt noch die Krone des Strebens. Mit lächelndem Munde, mit freudigem Muth Besteigt er der Scheiter wildzehrende Gluch Und stirbt für die Wahrheit, die reine. Und kommt für den Juden jene Stund', Da er sterbend von hinnen muß scheiden: Das Wort, das so oft gerufen sein Mund, Es soll seine Seele geleiten. Von erkaltender Lippe fließt leise das Wort Und in tausend Herzen Halles donnernd fort. Das Wort, das Wort, das ich meine. Jonas. Auslösung erfolgt in Nr. 7. Die Namen der richtig Löienden werden, wenn solche uns längstens bis Mittwoch Vormittag den 23. Januar Mgezangen» i» gleicher Nummer veröffentlicht. Wb" Die Fortsetzung der Erzählung „Aus dem Leben eines orthodoxen Rabbiners" erichemt in der nächsten Nummer. Hierzu zwei Beilagen. Verantwortliche Redaction: Df. Lehmann in Mainz. — Verlag und rkrpsdition des „Israelit" gr. Bleiche 4L. I. Gottsleben's Bnchdruckerei (MainzerAnzeiger).

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