Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 5 (17.1.1884)
- Date
- 1884-01-17
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2449406-2449412--19441-2508925- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
69 und winzigen Gemeinde (O'2-V') herab, die Nabbinatc wurden, nachdem ihre Inhaber das Zeitliche gesegnet, aufgelöst, und als Ersatz hicfür wurde ein Anschluß an das Nabbinat der Kreishanptstadt hergestellt. Wie gestaltete sich über das religiöse Leben dieser früheren Landbewohner in den großen Städten? Die meisten hielten es für angezekgt, den neuen Verhältnissen das bisherige religiöse Leben zu opfern und mit dem großen Strome zü schwimmen. Was Wunder, daß die in den Städten schon vertretene Religionslosigkeit durch solchen Zuwachs ungemein anschwoll, und cs schließlich dahin kam, daß jetzt in mancher großen Stadt Bayern's unerläßliche Religions-Attribute gar nicht, oder nicht in religionsgesetzlicher Weise zu finden sind, woran freilich auch die betreffenden Rabbiner, die eben ihre Berufung solcher Gesinnung verdanken, nicht ohne Schuld sind. Wohl fanden sich in einigen großen Städten Bayerns mehrere treu zu unserer Thorah stehende Männer zusammen, die sich als Gemeinde in der Gemeinde constituirten, und mit großen pecuniären Opfern eine' eigene Schule und Synagoge beschafften, z. B. in München, Nürnberg und Fürth; allein bei den bestehenden Gesehen stehen solchen Gemeinden keinerlei gemeindliche Befugniß zü, und die Gemeinde als solche ist und bleibt eine neologe; und den Rabbinaten dieser monopolisirtcn Gemeinden gehören massenhaft jüdische Laut gemeinden an, die nach und nach dem religiösen Verfalle entgegen gehen, indem sie religiös-großstädtisch werden. In Unterfranken ist die Lage nun eine ganz andere: Die im Jahre 1840 crcirten Rabbinate bestehen noch alle, meist mit Männern von entschieden orthodoxer Richtung besetzt. Die jüd. Gemeinde der Kreishauptstadt, wenn auch reich an - neologen Elementen, entfaltete und erhielt sich unter ihrem unvergeßlichen Führer zu einer wahrhaft jüdischen, ausgestattet mit allen religiösen Einrichtungen .und Bedürfnissen. Nach dem Hinscheiden dieses Führers richtete-sich mit Recht der Blick aller Gcsctzestreuen in Bayern auf Würzburg mit der bangen Frage: Wird W., von wo uns die religiösen Angelegenheiten des Landes eine so gute Stütze fanden, bei seiner zahlreichen neologcn Mitglicderschaft eine solch jüdische Gemeinde bleiben, oder werden, was ihre Schwestergemeinden sind!? - Die Vorgänge bei der Besetzung der Stelle sind den Lesern d. gefch. Blätter sicherlich noch bekannt, und ebenso, daß es nur dem Umstande, daß die Landgemeinden mitzuwählen hatten, zuzuschreiben ist, daß Herr Rabbiner Nathan Bambergcr Amtsnachfolger seines verewigten Vaters wurde. Bald fünf Jahre sind seitdem verflossen, und die Würzburger jüdische Gemeinde ist in religiöser Beziehung als solche ans ihrem frühern Standpunkte geblieben. Dies aber gerade ist manchem d^r Herren von der Reform ein Dorn im Auge, und darum soll um jeden Preis das Joch der Landgemeinden abgeschüttelt, und ein eigener Stadtrabbiner angcstellt werden. Ucbrigens ist schon aus dem Resultate der Abstimmung, beziehungsweise der Nichtabstimmung zu ersehen, daß viele, auch neologer Richtung, nicht für die Trennung sind, wenn auch bei manchen die Furcht vor der dann unausbleiblichen Steuerschraube mitgewirkt haben mag. Die Minorität aber wird es sicher nicht unterlassen, bei den höchsten Landcsbehörden dahin zu wirken, daß alles beim status guo ante verbleibe. Dies um so mehr, da das Versprechen der großen Wortführer (sie wollen für die Stadt auch nur einen strengorthodoxen Rabbiner gewählt wissen) nur als Köder zu betrachten sein dürfte. Sind die Landgemeinden erst einmal glücklich abgestrcift, und die Herren haben das Heft.in Händen, dann wird es sicher auch in W. dahin kommen, daß das Häuflein der Getreuen auf dem nicht mehr, ungewöhnlichen Wege des Privaten für seine religiöse Ueberzeugung und Bedürfnisse sorgen dürfte. Und das verhüte Gott, im Interesse der ganzen Judenheit Bayerns! — Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 40. Jan. Gestern Abend ist über Auftrag des Landcsgcrichtes Wien in der Czaki'schen Buchhandlung die Confiskation des Romans: .Jllona, die Tochter des Millionärs" vollzogen worden. Von den im Druck erschiene» 5000 Bogen konnten im Ganzen 4500 Bogen in Beschlag gelegt werden. Die Eonfiskation erfolgte über Einschreiten, des Dr. Markbreiter in Vertretung der verwittweten Gräfin Jllona Batthyanyi, des Grafen Sigmund Batthyanyi und des Heinrich Schoßberger de Tornya, nachdem die genannten drei Personen theils un eigenen Namen, theils zur Wahrung des Rufes des im Duell gefallenen Grasen Stephan Batthyanyi, gegen den Verfasser und Verleger des Romans, die Herren Fockt und Ezaki, die Einleitung der Voruntersuchung wegen Vergehens der Ehrenbcleidigung und die sofortige Beschlagnahme desinkriminirtcn Romans begehrt hatten, welchen beiden Anträgen von der Rathskammer des Wiener Landcsgerichts auch sofort Folge gegeben wurde. Grag, J1. Jan. In der gestrigen Sitzung des ungarischen Oberhauses zeigte Cardinal Haynald seinen Freunden einen in Angelegenheit des Misch-Ehe- Gesctzes an ihn gelangten Brief des Prager Ober- Rabbiners Marcus Hirsch. Hierüber berichtet die Bohemia: Cardinal Havnald und Ober-Rabbiner