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Der Israelit · 1884-01-17 · Heft 5 (17.1.1884) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 5 (17.1.1884)
Date
1884-01-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
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68 Stelle sei erwähnt. „Vier Sprachen — sagen sie — haben folgende besondere Vorzüge: das Griechische klingt seines Nythmns wegen schön im Gesänge, das Römische eignet sich seiner Männlichkeit wegen zum Kampfe, das Syrische, wegen seines zahlreichen . dumpfen Selbstlaute, zu Klageliedern,. das Hebräische, seines hellen Klanges wegen. zur Rede (Jer. Megilla I. u. Sota VII.). — Sagen uns nun solche Stellen einerseits, wie fern die Rabbinen von dem ihnen angcdichteten Obskurantismus Waren, so rufen sic uns anderseits die tief zu beherzigende Lehre zu, alle unsere Kräfte aufzubieten, um gleich ihnen Thorawissenschaft zn hegen, Talmud zu Pflegen, aber auch andere Wissenszweige zu erstreben und zu erwerben. Und nun drängt sich uns unwillkürlich die Frage auf: warum wird an hiesiger Talmudschule jenem weisen Gebote, das aus den Worten, und mehr noch aus dem Leben unserer ältesten Tana'im und Amoraim spricht, nicht Genüge gethan, warum wird ihm nicht entsprochen? Warum existirt an derselben kein Lehrstuhl für den Unterricht i» der Landessprache? Die ungarische Negierung ist — und-welche Negierung ist. es nicht? — auf die Pflege dieses ihres Nationaleigenthums besonders, eifersüchtig; — es wäre also abgesehen von dem etwaigen Bedürfniß — schon eine Forderung der Klugheit an der Jeschibah zu Preßburg eine Lehrstelle für die uug. Sprache zu errichten. In der Vermittelung des uns überkommenen geistigen Schatzes ans seiner Ursprünglichkeit durch eine andere Sprache ist cs durchaus kein Unterschied, ob dieses durch die französische, deutsche oder ungarische geschieht. Eine Ausnahme in der Werthschätzung macht für den Juden nur die hebräische Sprache, erstens, weil sie die Sprache unserer Ahnen, unseres Stammes und unserer Nation gewesen, daun weil sich in ihr Gott der Menschheit offenbart und ihr Seinen heiligen Willen kundgegeben hat. Ja auch in Bezug auf letzteres sucht der Talmud in seiner Milde und Versöhnlichkeit eine Ausgleichung herbei, indem er lehrt: „Jedes Wort, das..aus dem Munde Gottes hervorging, theilte sich in siebenzig, d. h. in alle Sprachen der alten Welt" (Sabb. 88.d.). ' Ist darum auch die Pflege des Hebräischen das höchste und heiligste Gebot des Israeliten (vgl. Succa 42 a., Jerusch. Schck. III. Ende), so ist cs auch nicht minder die der jeweiligen Landessprache. Wird aber — fragen wir —für Beides an der Talmudschule zu Preßburg in ausreichender Weise gesorgt? — I). V Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Vom Rhein, im Januar. Daß der religiöse Boden nirgendwo so unfruchtbar, wie mau häufig anzuuehmen geneigt ist, kann sich nicht deutlicher zeigen als in der Entwicklung, welche die vor mehrere» Jahren in Elberfeld begründete Seperatgemeinde genommen hat. Seit langer Zeit schien in dieser Stadt, wo die Reform eine der radikalsten geworden, jeder jüdisch-religiöse Sinn ausgestorben. Die Festigkeit, mit welcher das ursprünglich sehr schwache Minjan sein Ziel verfolgte, hat ihm rasch größer« Anhang gebracht, so daß dasselbe jetzt im Begriffe steht, sich als Gemeinde (von ca 20 Familienvätern) zu organisiren. Rituelles Bad und zuverlässige Schechitah sind schon lange eingerichtet, dazu tritt als neue Institution nunmehr die Eröffnung einer Elementarschule unter Leitung dieser Gemeinde. Der von ihr angestellte Religionslehrer wird infolge dessen dem Amt als Schochet nicht mehr obzuliegen vermögen und würde demnach, wie aus einer Annonce dieses Blattes hervorgeht, die Niederlassung einer für diese Function und für gediegenen Talmudunterricht sich qnalificirenden Persönlichkeit gewünscht. Aus Schwaben, 10. Jan. Nicht ohne Jn- . teresse verfolgt man auch bei uns die Vorgänge in Würzburg, die dortige Rabbinerangelegenheitbetreffend, und wahrscheinlich ist dies überall der Fall, wo man ein offenes Auge für die religiösen Zustände Bayerns hat. In Bayern fanden die religiösen Jnstitutkovm stets, obwohl oder besser weil, ohne jüdische Oberbehörde, die beste Pflege, und unsere h. Staatsregierung stand denselben schützend und stützend zur Seite. Auch der Nerv des jüdischen Lebens, das Thora- Studium, fand stets seine Vertreter und Anhänger bei uns, namentlich in Würzburg, unter dem unvergeßlichen Rabbiner S. B. Bamberger s. A. Bayern zählte in den 40r Jahren viele ländliche Großgemeinden (cvbnp), mit im Ganzen *33. sage mit Worten neununddreißig a:ntirende Rabbiner, abgesehen von vielen auf der Hochschule zu Fürth approbirten Rabbinats-Candidaten, die theils als Privatleute, als Lehrer durch Lehre und Leben für die Erhaltung und Erstarkung des religiösen Geistes wirkten, und keiner der bayr. Kreise hatte mehr ländliche Großgemeinden und Rabbiner als unser Schwaben. . Später, und namentlich mit Eintritt der allgemeinen Freizügigkeit, wurde die Sachlage eine ganz veränderte. Die meisten Großgemeinden sankendurchVerzugktrdieKreishauptstädte zu kleinen

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