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Der Israelit · 1884-01-14 · Heft 4 (14.1.1884) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 4 (14.1.1884)
Date
1884-01-14
Page
– (sequence 13)
Language
German
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60 und seinen geistigen Großthaten, von dem Siege des Göttlichen und der sittlichen Kräfte über Bosheit und Elend erzählt. Tief prägt sich in ihm ein die Ueberzeugung von dem unvergleichlichen Werthe und der unüberwindlichen Macht der Bildung, auf deren Erwerb er mehr und mehr sein Sinnen und sein Trachten richtet. Das ist der Erwerbssinn, den der kleine Judenknabe von seinem Vater, dem jüdischen Händler, überkommt: Und schnell rafft er zusammen, was in der engen Umgrenzung des Elternhauses und des kleinen Heimathsortes an geistigen Schätzen zu holen ist. Mit acht Jahren hat er die fünf Bücher Moses im Urtext überwunden, hat er sich zugleich in den Gedichten Schillers heimisch gemacht und übersetzt er die „Theilung der Erde" ins Hebräische. Die „Theilung' der Erde"! Ist nicht schon die Wahl dieses Gedichtes bezeichnend für den frühzeitig im Kleinen erweckten idealen Sinn? Ist nicht das Loos des Poeten, der die Vertheilung der irdischen Güter verpaßt hat, im Himmel wohnen muß, eine Vorbedeutung für das Schicksal des. nachmaligen großen Volksvertreters. - der in seinem selbstlosen Schaffen auf irdische Ehren und Vortheile, auf die Gunst der Machthaber, ja schließlich selbst auf die Gunst des Volkes verzichten und fern von der heimathlichen Erde einLeben voll mühseligen Ringens für ideale Ziele beschließen muß? Eifrig und mit Hast, als ahnte er, daß ihm hinieden nicht viel Frist vergönnt sei, setzt der Knabe seine Arbeiten fort; das Studium der Bibel und des Talmud befruchtete und schärfte seinen Geist, und als er mit dem dreizehnten -Lebensjahre nach altem jüdischen Brauch in den Verband der Synagoge aufgenommen wurde, da konnte er in seiner Barmizwah- Rcde Zeugniß davon ablcgen, daß er mit Nutzen vom Baume jüdischer Weisheit gepflückt hatte. Das war die erste Rede Lasters. Von einem Freunde sind uns Aufzeichnungen über eine Reihe hervorragender Momente aus dem Leben des Verstorbenen zugegangen, aus denen wir zunächst die folgenden Mitthcilungen hervorheben möchten. Das Jahr 1848 fand Laster als lOjährigen studiosus juris auf der Breslauer Universität, wo die bewegte Zeit ziemlich hohe Wellen schlug. Der Ausstand Wiens anfangs Oktober 1848. die Belagerung der Stadt durch den General Windischgrätz und die Bedrängnis; der Studcntcn-Legion cutflammlen die Breslauer Universitäts-Jugend und sie beschloß, den Wienern zu Hilfe zu eilen. Indessen wurde Mitte Oktober die Nachricht verbreitet, Wien sei bereits gefallen und so der Ausmarsch der Breslauer Studireudcn verhindert. Aber ein Theil derselben, darunter auch Eduard Laster, glaubte nicht an den Fall Wiens, welcher allerdings erst Ende Oktober erfolgte. Die kleine Schar der Studenten zog unter Anführung des kleinen Lasker nach Wien und wurde dort von der akademischen Legion mit Jubel begrüßt und bewaffnet. Lasker nahm Theil an den Kämpfen, wenn auch die Chronik seine kriegerischen Thaten nicht bezeichnet hat; aber er sprach in späteren Jahren gern zu vertrauten Freunde» über diese Episode seines Studentenlebens. Er schilderte namentlich die Bedrängnisse mit vielem Humor, die er bei der Abfahrt aus Wien als geschlagener preußischer Rebell erlitt. Zum Beginne der Konstiktsjahre (1863) traf der verstorbene Herausgeber der Berliner „Jahrbücher", Dr. I. B. Oppenheim, aus einer Nachtreise von Magdeburg nach Berlin im Coup6e einen redseligen Herrn, der in scharfer und kenntnißvoller Weise über die gesammte Lage des Staates, namentlich über Justiz und Polizei, sowie über die parlamentarischen Zustände sich aussprach. Dr. Oppenheim intercffirte sich im hohen Grade für die Ausführungen des ihm unbekannten Herrn und forderte ihn auf, indem er ihm seine Karte überreichte, die angeregten Themata zu bearbeiten und den Jahresbüchern mitzutheilen. Der so Aufgeforderte bemerkte zwar, daß er sich noch nicht publizistisch versucht habe, versprach aber, an die Arbeit zu Lehen. Seine Karte lautete auf den Namen des Apeffors Eduard Lasker. In einigen Tagen erschien er mit den betreffenden Artikeln in der Wohnung des Dr. Oppenheim und man weiß, wie schnell seine Arbeiten die allgemeine Aufmerksamkeit ans das Talent des Verfassers lenkten. Vom Jahre 186» bis 1872 schrieb Lasker regelmäßig zweimal wöchentlich Leitartikel für die „Nativnal-Zeitung". Redakteur und Herausgeber der gleichzeitig erscheinenden Berliner autographirten Korrespondenz war zwar der verstorbene Dr. Wackernagl. aber die leitenden Artikel der Parteikorrespondenz diktirte Lasker feinem Freunde Wackernagl, der im Stenographircn bewandert war. Wenn einstens die Fraktionsgefchichte der nationalliberalen Partei geschrieben wird, dann werden zahlreiche Charakterzüge und Thaten des Verstorbenen zu erzählen sein, die Helle Streiflichter aus den leitenden Staatsmann, auf die parlamentarischen Kollegen und sonstige Persönlichkeiten werfen müssen. Es sei hier nur erwähnt, daß bei den Verhandlungen über den Eintritt der Nationalliberalen in da- Cabinet Lasker die Forderung erhob, daß die Partei mit drei Mitgliedern in die Regierung eintreten muffe und zwar ging damals innerhalb der nationalliberalen Fraktion die überwiegende Meinung dahin, daß neben Bennigsen die Herren vForckenbeck und von Stauffenberg diejenigen wären, an welche m erster Linie hierbei zu denken sei. Fürst Bismarck erklärte jedoch, daß unabhängig von den sonstigen Garantiepunkten nur ein Mitglied ins Kabinet Aus-

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