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Der Israelit · 1884-01-14 · Heft 4 (14.1.1884) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 4 (14.1.1884)
Date
1884-01-14
Page
– (sequence 12)
Language
German
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59 Parinack - Eaison, 220 in Saraiko. 180 in Kalcdji- Rachtche, 600 in Arabdjilar, 600 in Serie-Pascha, 220 in Tchiksaili, 640 in Ieni-Machalle, 2300 sind iil den Kasernen von Eournbarhane unlcrgebracht und 100 sind in den Dörfern von Tekir-Serai, Ortakeny, Cousqounyonk, Nalata rc. zerstreut. Wie wir schon früher berichteten, ist das Elend groß, das in diesen Lagerplätzen herrscht, wo diese 7000 Unglücklichen der Ungunst der Witterung auögesetzt, vom Regen bis auf die Haut durchnäßt, trotz der Verrhcilung von Kleidern und Decken durch mitleidsvolle Seelen vor Kälte starren. Sieben von denselben sind erfroren. Zum Uebcrmaß des Unglücks wird versichert, daß in Folge der Anhäufung so vieler Menschen an verschiedenen Plätzen, durch die unvermeidliche Vermischung, die daraus erfolgt und der Schmutz der Plätze, sowie aus anderen Ursachen ansteckende Krankheiten, wie Scharlach, Röcheln rc. unter den Brandbcschädigten ausgebrochen sind. Cs ist daher dringend an die Unterbringung in besondere Wohnungen oder hölzerne Baracken im Interesse dieser Unglücklichen selbst, als auch hinsichtlich der öffentlichen Gesundheit zu denken, nin so mehr als die Verlängerung dieser Lage schweren Schaden herbeiführcn . könnte. Dieser Gegenstand sollte sowohl von den kaiserlichen Behörden als auch von dem Unterstützungs-Comitcs in ernste Erwägung gezogen werden. Gewiß darf man diese Unglücklichen nicht verhungern lassen. Wir können über die Verthcilung von Brod und Brennmaterialien nur unfern Beifall aussprechen; aber vor Allem müßte man die größtmöglichste Summe zum Ankauf von Brettern und zur Errichtung von Baracken verwenden. Haben diese Unglücklichen wieder ihr Heim, so werden sie auch ihren Unterhält wieder durch Arbeit verdienen. Man hatte auch die jetzt drohende Gefahr ansteckender Krankheiten entfernt. Ter Oberrabbiner hat sich vergangenen Freitag nach Kaßknui begeben. Er hat die verschiedenen Plätze besucht, überall Trost spendend und zum Vertrauen auf die Großmuth deö Kaisers, der kaiserlichen Negierung und ihrer reichen Glaubensgenossen ansmunternd. Der Herr Baron von Hirsch hat für die Brandbeschädigten 5000 Francs geschickt, das Haus Allatini aus Salonichi 5000 Fr. Das Haus Rothschild von London sandle 100 Livres Sterling. Das von Ctcinbroder aus Enclsohn von London haben das crstere 50 Livres, das zweite' 20 Livres, die Pariser Rothschild 5000 Francs geschickt. Dieses ist schon eine Summe, womit man 2500 bis 3000 Personen unter Dach bringen könnte, während die Mildthätigkeit Sr. Majestät des Sultans und der Bevölkerung unserer Stadt, von der. kaiserlichen Negierung, die schon so viel für die Brandbeschädigten gethan hat, wirksam unterstützt, noch für einige Zeit für Drodverthcilung und für die Beherbergung der noch klebrigen sorgen wird» Die überall, wo cö sich um Werke der Barmherzigkeit Handelt, nnermündliche Frau Fernande; wurde gestern im Bazar von Ctambul gesehen, Decken und Kleidungsstücke kaufend. Seine Excellenz Lord Dufferin und die Frau Gräfin Dusserin haben sich vorgestern nach Heßkeuy begeben und Geld unter die dürftigen Israeliten vertheilt. Ter oekumenische Patriarch hat 150 Bettdecken, der armenische Herr Rerscs hat mehrere große zu Jeni- Mahalle gelegene Häuser ausräumen lassen, um dort eine Anzahl schutzloser Brandbeschädigten unterzubringen. Ein provisorisches Eomite aus angesehenen Israeliten und Armeniern hat sich gebildet um Unterstützung zu vertheilen. Jahya Chabaz Effendi und Serkin Esfendi Berberian entfalten eine über alles Lob erhabene Thätigkeit. T ie iSraelit. Gemeinde unserer Stadt ist von dem Eifer, den die Gemeinden zur wirksamen Hilfeleistung bewiesen, tief gerührt worden. Fenilleto n. Erinnerungen an Eduard Lasker. (An unserem Bilde.) . Dem Portrait Laskers, das wir heute in unserer Extrabeilage dem geehrten Leser vor-Augen-führen, wollen wir noch einige Erinnerungen an den großen Mann anfügen. ZuJaroczin war es, wo einst Evuärd Lasker das Licht der Welt erblickte und den ersten Schritt in's Leben ihat. Lenken wir einmat unsere Schritt nach jenem kleinen Posen'schen Städtchen. Wir stchcn vor einem unscheinbaren Häuschen. Drinnen waltet ein ernster, fleißiger Mann — der Bater unseres Lasker — am Tage seines mühsamen Gewerbes; sein kleines Eisen- und Glaswaarengefchäst erfordert die ganze Kralt des Mannes, der den Mangel an baaren Mitteln durch Intelligenz, Rührigkeit und Sparsamkeit ersetzen muß. Des Abends aber, wenn die Feierstunde geschlagen, verwandelt sich der bescheidene Handelsmann in einen emsigen Jünger der Wissenschaft, der in den verschlungenen Gängen der talmndischen Dialektik ebenso zu Hause ist, wie in der logischen geschlossenen, systematischen Weisheit eures Maimonides und Moses Mendelssohn, der die tiefsinnigen schwungvollen Klänge der Psalmen, wie die der späteren jüdischen Poesie eines Jehnda Halevi und Gabirol, .mit Begeisterung in sich aufnimmt. Unter solcherLeitung bildet sich der klekne'Ednard heran, wachsen ihm die Schwingen des Geistes; er horcht begierig auf, wenn der Vater daheim, oder auf Spaziergängen von den Leiden des jüdischen Volkes, aber auch von seiner wunderbaren Erhaltung

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