Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 4 (14.1.1884)
- Date
- 1884-01-14
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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5,5 Holland. Amsterdam. Das gute Glück, welches mehrere holländische Juden zu hohen Stellungen gelangen lieb, scheint diesen auch in den hollänv. Eolonien zu Theil zu werden; namentlich ist dieses in dem Holland. West-Indien der Fall. In dieser Colonie sind zwei Präsidenten und ein Mitglied des Gerichtshofes, der Generaladvokat und drei Magistratsmitglieder jüdischen Glaubens. Unter den 15 Mitgliedern des Eolonialrathes sind 5 Juden und außer dem Gesundhcits - Inspektor unter 5 Aerzten 4 Israeliten. Rußland. Aus Konoiop, einer Stadt im Gouvernement Tschernigow, schreibt man dem „Odesskij. Listok": Der Landpolizeimeister hat auf Grund einer Vorschrift des Gouvernementschefs den hiesigen Juden befohlen, ihre christlichen Dienstboten zu entlassen. Dieser Befehl hat sowohl unter den Juden, als auch unter den christlichen Dienstboten große Aufregung hervorgerufen. Die meisten Juden unterwarfen sich natürlich diesem Befehl und entließen ihre christlichen Dienstboten; aber gerade letztere waren damit am wenigsten zufrieden. Die Möglichkeit des Erwerbes ist für Dienstleute eine beschränkte, da die Zahl derer, die Dienstleute halten können, überhaupt nicht groß ist. So geschah es denn, daß viele Dienstboten ihre jüdischen Herrschaften baten, sie doch wieder in Dienst zu nehmen. Nicht wenige, jüdische Familien gingen darauf ein und nun begann die Polizei Protokolle aufzunehmen und dieselben dem Friedensrichter zu überweisen, der die schuldigen Juden zu 5 bis 17 Rubel Strafe oder otägigem Arrest verur-, theilte. Fünfzehn solcher Sachen sind bereits verhandelt worden und wegen derselben Uebertretung hat die Polizei noch ca. 60 Juden zur Verantwortung gezogen. Die kleinruffischen Köchinnen aber erklären übereinstimmend: „Mag der Gouverneur selbst kommen und dann wird auch noch nichts sein; mag er uns Brod und Obdach geben, dann werden, wir nicht dienen." P a l ä st i n a. Jerusalem. Die Juden in Jerusalem sehen glücklicherweise dem seelcnfängerischen Wirken der Missionäre nicht ruhig zu. Dank der Initiative der Herren Frumkin, Herausgeber der „Habazeleth," Nissim Behar, Direktor der jüdischen Knabenschule und Ben-Ichuda, hat sich unter dem Namen „Esras Nedachim" eine Gesellschaft gebildet, die sich zur Aufgabe stellt, den von den Netzen der Missionäre umgarnten, russischen und rumänischen Glaubensgenossen, überhaupt' allen jüdischen Emigrantew aus den verschiedensten Ländern Arbeit zu verschaffen und so weit die Mittel reichen, ihnen auch anderweitig hilfreich zur Seite zu stehen. Freilich wird die neue Gesellschaft den vollen Taschen der Missionäre gegenüber einen schweren Standpunkt haben; doch ist es zweifellos, daß wenn die Gesellschaft ihre Thätigkcit mit Erfolg begonnen, ihr die Unterstützung des Auslandes zu Theil werden wird. A fr i k a. Tanger. Bei Gelegenheit des Festes El Ashro versammeln sich die Muselmänner auf dem Platze SoM-Barra zu allerlei Belustigungen, deren beliebteste ist, alle diesen Platz passirenden Juden mit Steinen zu bewerfen. Voriges Jahr, beklagte sich ein Israelit, der das Opfer dieses grausamen Spieles gewesen, bei dem franz. Agenten Herrn Montfraix, welcher die Bestrafung der Angreifer bewirkte. Dieses Jahr wurde Herr Montfraix, der diesen Platz durchschritt, von einem Hagel Steine beworfen, die wahrscheinlich einem auf der Seite sich befindlichen Israeliten bestimmt waren. Der franz. Geschäftsträger hat eine energische Genugthuung verlangt und erhalten. F e n i l l e t o ii. Mrs dem Leben eines orthodoxen Kabbiners. Skizze von vr. Sta ... - 2 Capitel. Die Ankunft. Zwei Männer, einer von gewaltiger Corpulcnz und gutmüthigem Gesichte. der andere mit kurzgeschorenem Haare, glattrasirtem Gesicht, schlankem Wüchse standen noch am Wagen. Ich schloß daraus, daß diese meine Reisegefährten Hornstein und Löwenstein seiem „Ah Herr Doctor," sagte der Dicke, während er mir auf die Schulter klopfte. „Also Sie waren unser Reisegefährte. Ptui! Es war nicht schön von Ihnen, daß Sie sich durch nichts merken ließen." „Löwenftein," sagte er, iudcm er seinen mit einer Dame sprechenden Concurrentcn anstieß. „Denken Sie mal, den ganzen Weg ist der Herr Doctor mit uns gefahren und hat kein einziges Wort mit uns gesprochen. Ist es nicht schändlich?" .