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Der Israelit · 1884-01-14 · Heft 4 (14.1.1884) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 4 (14.1.1884)
Date
1884-01-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
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52 chitah ins Werk gesetzt wird, schnell des Nimbus edlen Mitgefühls entkleidet Mrd und ein ganz anders Ansehen bekommt, wenn man bedenkt, daß trotz des Vorgebens, man wolle das religiöse Gefühl .schonen, man sich noch gar nicht bemüht hat, auch nur im Entferntesten zu zeigen, daß man den ernsten Willen hat. Solches zn thun. Alles was man thnt, ist, sich ans eine Broschüre eines Exrabbiners zu berufen, der viel weniger von der Lust zu rcformiren als von der Sucht von sich reden zu machen, zu feinen Extravaganzen getrieben wird. Wir schlagen den Herren Schcchitahgegnern ein Mittel vor, worin wir erkennen wollen , ob es ihnen wirklich um Feststellung der Wahrheit zu thun sei. Wir schlagen ihnen vor, von sämmtlichen Nabbinen der großen und größeren Städten Deutschlands Gutachten darüber einzufordern, ob die Schechitah eine gesetzliche Bestimmung der jüdischen Religion und ob es religkonsgesetzlich einem Juden gestattet fei, Fleisch von einem Thiere zu genießen, das anders als durch die Schechitah zu Tode befördert worden; daun zähle man die Antworten und man wird sehen, daß die überwiegende Majorität anders als Herr Stern die Frage beantworten wird. Ja, wir glauben uns nicht zu täuschen, wenn wir behaupten, daß auf Herrn Stern's Seite keine drei sich stellen werden. Für uns wäre natürlich der Ausfall einer solchen Probe irrelevant, unsere religiöse Ucberzeugung. würde weder nach der einen noch der andern Seite hin, dadurch altcrirt; aber die Gegner, welche sich doch den Schein ruhiger Objectivität geben möchten, sie müßten mit Freuden einen solchen Schritt versuchen, um die Welt von ihrer Objektivität zu überzeugen. Hier wären es die verschiedensten Richtungen, die ihr Votum in der Schechitahfrage abzugeben hätten, und wenn wir einen solchen Schritt anrqthen, so wird man uns gewiß nicht den Vorwurf machen können, daß wir uns auf den einseitigen Parteistandpunkt stellten. Einer Frage kann man sich aber nicht erwehren, wenn man die Bewegung gegen die Schechitah überblickt! Wie kommt es dock», daß man mit so großem Aufwand von Energie und mit solcher Hartnäckigkeit immerfort gegen eine Manipulation anstürmt, deren Grausamkeit den Stürmen, wenn sie ehrlich sein wollen, immerhin', als' zweifelhaft erscheinen muß, und welche von dem überwiegend größten Theile der Nrtheilendcn aber, weder erkannt noch anerkannt wird,, während die müthigen Streiter' gegen ein Verfahren, bei dem eine Qual des Thieres offenbar nicht zu vermeiden ist, was. auch von den Freunden dieses Verfahrens garnicht geleugnet wird, nicht ein Wörtchen der Mißbilligung haben, vielweniger-- sich zu dem Entschluß aufraffen können, auch die Abstellung eines solchen Verfahrens zu dringen? Es ist die Jagd, die wir meinen. Ist nicht da von der Hetze bis zum Schluß alles Thkerquälerei? Die wenigsten Thiere werden doch so getroffen, daß sie durch den Schuß: unmittelbar verenden; wie viel Qualen hat das angefchostene Thier zu erdulden bis es endlich todt zusammen bricht! Hier aber schweigen die weisen, von tiefem Mitleid gegen die Thiere erfüllten Herren. Warum? Den Juden gegenüber das große Wort zu führen, dazu hat niemals viel Mannesmuth gehört und gehört jetzt gewiß nicht viel dazu, aber ein kräftiges Wörtlein gegen das Jagdvergnügen zu wagen — ja Bauer, das ist etwas Anderes! Wer wollte so unhöflich fein, die Zirkel derer zu stören, welche das Jagdvergnügen als ein solches ansehen, dessen ein Leben» welches Anspruch auf Noblesse erhebt, unter keinen Umständen, entbehren darf. Zeitungsuachrichten und (Korrespondenzen. Deutschland. Berlin. Zu derselben Stunde, in der Laster kn Amerika starb, traf nach dem D. M B. in Berlin ein Brief desselben ein, in dem er einem nahen Anverwandten und intimen Freunde unter Anderm folgendes schrieb: „Sein physisches und geistiges Wohlsein sei dermaßen befriedigend, daß er schon seit langer Zeit kein solches Behagen empfunden habe. Er hoffe zuversichtlich, in völliger Geistesfrische und Munterkeit sein liebes Berlin wiederzusehen. Der Winter lasse sich so schön an, daß man sich in einem herrlichen Sommermonat versetzt wähne. Er freue sich daher, einer milden Seereise entgegenzusehen. Doch wolle er an die' Seereise gar nicht denken; denn er ertrage freudig und geduldig alle Fährlichkeiten und Widerwärtigkeiten der Reife, da sie ihn ja wieder dem Vaterlande zuführe." Wie der Bruder des Verstorbenen telegraphisch nach Berlin meldete, soll die Leiche temporär in Newyork beigesetzt werden. In feinem Testamente setzt Laster seine Geschwister zu seinen Erben ein. Es ist kaum anzunehmen, daß nennenswerthes Vermögen vorhanden sei,' dagegen ist wohl eine werthvolle Büchersammlung und vielleicht das Recht an einem literarischen Nachlaßzu vererben. Allgemein hat das freundliche Gedenken des Todten durch die confer-' vative Presse einschließlich be§ antisemitischen Deutschen Tageblattes wohlthuend berührt. Die einzige Aus» nähme macht das Leiborgan des Herrn Stöcker, der Neichsbote, welcher sich nicht versagen konnte, das Andenken des edlen Todten zu besudeln. Auch daS gereicht dem Heimgegangenen zur Ehre.

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