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Der Israelit · 1884-01-10 · Heft 3 (10.1.1884) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 3 (10.1.1884)
Date
1884-01-10
Page
– (sequence 10)
Language
German
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42 beer, ein gewichtiger Gewährsmann in Sachen des Musikalisch-Schönen, hat einst, als man seinen musikalischen Rath zur Einweihungsfeicr einer Synagoge einzog, sich dahin geändert, daß die Synagogenmusik auch aus ästhetischen Gründen nicht üngeführt werden solle, und daß es nichts Ergreifenderes gebe als die menschliche Stimme. Und durch dieses Aufden-Thron-setzen ästhetischer Scheknformen, durch Augenweide und Ohrcnkitzel glaubt man die Andacht zu heben? Andacht, die nicht aus eigenem Herzen quillt, kann unmöglich durch äußere sinnenbcranschende Mittel bewirkt werden, und es ist nie und nimmer denkbar, daß sich der Geist auf den schwingen solch' erzwungener Andacht zum Himmel hebt. Es ist ein erzwungenes Werk, durch äußeren Mechanismus dauernd auf das Gemüth zu wirken, wenn das Gemüth von Haus aus öde und wüst ist und sich darin keine Regung für religiöse Begeisterung und ideales Schaffen kund thut, ein Werk, wahrlich, darnach beschaffen, um alsbald seines Meisters zu spotten. .iVNp, Heiligung, ist die Devise des Iudenthums. Sittliche Schönheit und nicht formal-ästhetische, fordert die Religion des Iudenthums. Sie fordert die Heiligung des ganzen Menschen, nicht nur des Fuhlens, sondern auch des Denkens und Handelns und sie fordert sie nicht für einzelne Feierstunden im Jahre, sondern für's ganze Leben hinieden. Kann aber diese jüdische Heiligung des ganzen Menschen für's ganze Leben durch ein zeitweiliges Ergreifen und Erheben des Gemüthes zu den lichten Höhen unvergänglicher Ideale bewirkt werden? Mt Nichten! Die Augenweide, welche moderne in auserlesener Schönheit prangende Gotteshäuser bieten, dauert nur wenige Augenblicke und stumpft sich gar bald bis zur völligen Gleichgültigkeit ab: der Ohrenschmaus, den uns die moderne Synagogenmusik bereitet, ist über kurz oder lang vorüber und der Eindruck war nur für den Augenblick des Genusses. Darf es aber die Aufgabe des Gotteshauses, der Pflegstätte religiöser Sammlung, sein, für dieAugenblicke des ästhetischen Genusses zu wirken?' Muß nicht vielmehr die religiöse Sammlung, die wir im Gottcshause durch Gebet und nicht durch ästhetische Genüsse austreben sollen, sich auf das ganze Leben erstrecken, es weihend und heiligend? Nicht als ob die Religion des Iudenthums die Freude am Schönen verböte. Allein wenn der Cultns des Schönen in so hohem Maße überhand nimmt, daß darob der Geist des Gesetzes zn verderben droht und die sittliche Idee, moralische Handlung und das religiöse Bewußtsein darob einbüßt an Kraft und Stärke, dann legt die Religion mit Recht ihr Veto ein. Du kannst und sollst — so ruft sie ihren Bekennern zu, Unsitten und Mißbräuche entfernen, aber nicht darfst du Bräuche und Sitten einführen, die zur Umgehung und Uebertretung der Gesetzesvorschriften verleiten. Dagegen sollen jüdische Geister sich wappnen, jüdische Herzen sich stählen, auf daß sie Widerstand leisten den verlockenden Sirenen des das formale Schöne begünstigenden Hellenismus unserer Zeit. —d. Zeitungsnachrichten und Correfstondenzen. Deutschland. Mainz, b. Jan. Aus Cöl n erhalten wir die Trauernachricht von dem Ableben des Herrn Saloinon Rothschild In den.weiten und großen Kreisen der Freunde des Dahingefchiedenen wird diese Trauerbotschaft Theilnahme erregen. Herr R. war ein Jchudi in des Wortes eigenster Bedeutung. Seit frühester Jugend lebte und kämpfte er für das orthodoxe Judenthum. Als in die Synagoge zu Cölu Reformen eingeführt wurden, errichtete und erhielt er eine eigene Synagoge. Seine Wohlthätigkeit kannte kerne Grenzen. Sein Hauptstreben war dahin gerichtet, seine Kinder zu gesetzestreuen Juden und Jüdinnen zu erziehen, was ihm auch unter göttlichem Beistände gelungen ist. Seine edle, fromme Gattin V'"rr7 stand ihm dabei hilfreich zur Seite. Sem Andenken luirb seinen zahlreichen Freunden unvergeßlich bleiben. pns tot! Mainz, 7. Jan. Wir haben'heute an das Eentral-Comitö der „Alliance Jsr. Universelle" zum Besten der Abgebrannten in Haskjör 500 Mk.überschickt. Die Summe der für diesen Zweck von uns gesammelten und übersandten Gelder betragt nunmehr iOOO Mk. Mainz, 7. Jan. Wir haben heute zum Besten der russischen Auswanderer, die sich unter der Leitung des Herrn Rabbiners Löb Frum kin aus Alexotten in Rußland, der Colonie „Pethach Thikwah" im heiligen Lande angeschlossen haben, 2000 Mk. ausbczahlt. Die Summe der von uns für diesen Zweck verwendeten Gelder beträgt nunmehr 3033 Mk. 70 Pfg. - Mannheim, 4. Jan. Am 1. Tage des Chanukah-Festcs, an dem Tage, an welchem er das 80. Lebensjahr vollendet hatte, verschied Rabbi Lob Et tl i n g er , Klausrabbiner hier und Kreisrabbiner von Ladenburg. Da derselbe sich jeden ehrenden Nachruf verbeten, so beschränke ich mich auf die Mittheilung der schmerzlichen Thatfache. Rabbi Löb y"j war ein jüngerer Bruder des weltberühmten Oberrabbinen von Altona, Rabbi Jakob Ettling er >"r.

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