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Der Israelit · 1884-01-10 · Heft 3 (10.1.1884) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 3 (10.1.1884)
Date
1884-01-10
Page
– (sequence 8)
Language
German
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40 Freund. Ich liebe Ihre Schwester, und wenn es mir gelingen möchte, Gegenliebe zu erringen, so Ware ich der glücklichste Mensch ans Erden." „„Mein Herr Baron, meine Schwester und ich, wir sind arm, sehr arm. Ich ernähre mich von meiner journalistischen Thätigkeit; meine Schwester befindet sich in einer halbdienenden Stellung. Aber unser Adel gehört zu den ältesten; einer meiner Ahnherren ist mit Kaiser Friedrich Barbarossa als Streiter für das Kreuz gegen die Ungläubigen gezogen. lind Sie Herr Baron . . . ."" „Ich bin weder von altem Adel, noch haben jemals meine Vorfahren -für das Kreuz gestritten; aber ich bin sehr gut situirt und in der glücklichen Lage, Ihrer Fräulein Schwester das Leben so angenehm wie nur irgend möglich z» gestalten, auch ihre Zukunft für den Fall zu sichern, wenn ich vor ihr ans diesem Leben abberufen werden sollte." „„Richtet eben nicht die Verschiedenheit der Religionen eine unüberstcigliche Schranke zwischen Ihnen und meiner Schwester qus?"" „Eine Schranke wohl, aber keine uuübersteigliche." Der junge Mann reichte dem Baron die Hand. „„Ich verstehe Sie,"" sagte er, „..und wünsche Ihnen Glück zu diesem Entschlüsse. Wenn Sie erst katholisch getauft sein werden, so wird meine Schwester Sie mit ganz andern Augen betrachten."" „Katholisch? Ich bin mit meinem Allergnädigsten Herrn, dem regierenden Fürsten von D., sehr eng befreundet und stehe in hohen Gnaden bei Allerhöchstdemfclben. Seine Hoheit sind rifriger Protestant und wurde es sehr ungnädig aufnehmen, wenn....." „„Ich glaube kaum, daß meine Schwester darauf bestehen würde, daß Sie gerade zur katholischen Kirche übertreten. Jüdin würde sie, soweit ich sie kenne, niemals werden. Aber, ob ihr künftiger Gemahl Katholik oder Protestant sein wird, das, glaube ich, wird ihr gleichgiltig sein."" „Mein lieber, junger Freund, Sie würden mir einen großen Liebesdienst erweisen, wenn Sie bei Ihrer Fräulein Schwester für mich ein gutes Wort einlcgen wollten." „„Mein lieber Baron, ich muß Ihnen zu meinem Bedauern sagen, daß Ihre Chancen sehr schlecht stehen. Ich habe bereits von Ihnen mit meiner Schwester gesprochen. Sie ist sehr, sehr stolz auf unfern alten Adel."" „Ich muß die Hand Ihrer Schwester erringen. Mir wäre das Leben vergällt, wenn ich dieses Ziel nicht erreichen würde. Mein lieber, junger Freund, seien Sie mein Fürsprecher! Auch für Sie wäre es ein Glück, wenn Sie mein Schwager würden. Ich könnte Ihnen die Mittel gewähren, die es Ihnen ermöglichte,.', Ihr Stammgut wieder zu erwerben." „„Das wäre der heißeste Wunsch meines Herzens! Ich werde alles Mögliche versuchen, meine Schwester zu bestimmen, daß sie das Glück, welches sich ihr darbietet, nicht von sich stoße."" Löwenheim erhob sich. „Ich danke Ihnen," sagte er, „für dieses Versprechen." „„Wollen Lrie schon gehen, Baron? Bleiben Sie noch ein wenig. Ich kann Ihnen vielleicht Dinge erzählen, die für Sie von Interesse sind. Einer meiner Freunde ist jetzt in D. Cr ist Adjutant des Prinzen ...."" # _ „Ich weiß, ich weiß! Der Prinz soll sich mit Prinzeß Aurelie verloben Die Auszahlung des Brantschatzes wird meinem Hause übertragen werden." „„Mein Freund hat auch die intime Freundin der Prinzeisin kennen zu lernen das Glück gehabt."" „Ah, meine Tochter Bernhardine." „„Mein Freund ist ganz entzückt und bezaubert von der Schönheit, Liebenswürdigkeit und dem Geiste der jungen Dame. Er schreibt mir, er könne sich entschließen, Jude zu werden, um sie zu erringen." " „Das hätte er. nicht nöthig. Bernhardine ist so erzogen, daß sie ohne Bedenken den Glauben ihres künftigen Gatten annehmen wird. Mein lieber, junger Freund, ich habe schon daran gedacht, daß,, wenn Sie Bernhardinen und meine Tochter Ihnen gesällt,- wir uns nochmals mit einander verschwägern könnten. Führen Sie meine Angelegenheit bei Ihrer Fräulein Schwester — ich glaube, jeder junge Mann darf sich glücklich schätzen, wenn er ein Mädchen wie Bernhardkne gewinnt." „„Sie stellen mir, verehrter Herr Baron, ein großes Glück kn Aussicht, das meine kühnsten Hoffnungen übersteigt. Aber das kann meinen Eifer, Ihre Angelegenheit bei meiner Schwester zu befürworten, nicht erhöhen. Cs ist lediglich die Rücksicht auf Agathens Glück, die mich bestimmt, dahin zu wirken, daß Sie als ihr Verlobter Ostende verlassen." (Fortsetzung folgt.) MI" Die Fortsetzung der Erzählung „Ans dem Leben eines orthodoxen Rabbiners" crfchemt in der nächsten Nummer. Hierzu zwei Beilagen. Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann in Mainz. — Verlag und Expedition des „Israelit" gr. Bleiche 4L I. Gottsleben's Buchdruckerei (MainzerAnzeiger).

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