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Der Israelit · 1884-01-10 · Heft 3 (10.1.1884) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 3 (10.1.1884)
Date
1884-01-10
Page
– (sequence 5)
Language
German
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37 dauerndes, ehrenhaftes Andenken in deren Annalen gesichert. Die Versammlung ehrt ihrerseits denselben durch Erhebung von ihren Sitzen. Nachdem die Wahlen vorgenommen worden und das Protokoll verlesen war, wurde die Versammlung geschloffen. Die zahlreich erschienenen Mitglieder verließen sichtbar befriedigt den Saal. Frankfurt a. M., 3. Jan. Im Austrage des hiesigen konservativen Vereins hielt Herr Professor Adolf Wagner aus Berlin gestern Abend in hiesiger Vtadt einen Vortrag über Sozialismus, Sozialdemokratie und Sozialpolitik, lieber die Jndenfragc erging sich der Redner wie folgt: Ich würde es für einen Mangel an Muth halten, wenn ich nicht auch hier in Ihrer Stadt offen hcrvorhöbe, was nicht nur meine Ansicht ist. sondern Thatsache. Wem hat denn diese moderne wirthschaftliche Freiheit gegenüber dem Handwerker, dem Landwirth, dem reellen Kaufmann am meisten genützt? Ganz überwiegend dem jüdischen Theil der Bevölkerung! (Beifall an mehreren Stellen i:n Saal.) M. H. Wenn man das sagt, so gilt mau sofort als antisemitischer Hetzer. Das ist die wohlfeile Art und Weise, wie sich das Judeuthum unangenehme Wahrheiten vom Halse zu schaffen sucht. (Beifall von denselben Stellen.) Ick weiß, daß cs anständige Elemente gibt, ich kenne selbst viele darunter in der Wiffcnschaft, in der Presse und auch im -wirthschaftliche» Leben. Ich bedauere, daß sich hier immer wieder dieser enge Zusammenhang des Judenthums zeigt, daß sie glauben, da, wo man nicht den Inden als solchen angreift, sondern als Vertreter schlechter wirthschaftlicher Praktiken, sofort auch für den ihrem Stamm und Glauben Angehörigen Partei nehmen zu .müssen, der solche schlechte wirthschaftliche Praktiken vertritt. Hören Sie einmal irgendwo im deutschen Volk, in Handwerkerkreisen, in den Kreisen der kleinen Kauflcutc, in den Kreisen der Landwirthe über die Dinge reden, Leute, die im Nebligen politisch sichen mögen wie sie wollen, mögen sie konservativ, oder liberal sein, , sie werden überall hören: Ja, eS ist wahr, daß das jüdische Element cs vornehmlich ist, das die Rothlage 'nicht immer schafft, aber sie ansbeutct. Es sollte gerade die Aufgabe der reellen Elemente im Judenthum sein, dieses znzngcstchen, und an der Verbesserung mitzuarbcitcn. Das als antisemitische Hetzerei zu bezeichnen, halte ich einfach für Thorheit. Es fällt mir nicht ein, mein deutsches Volk von nllen wirthschaftlichcn Und socialen Fehlern srcizuspreichcn. Ich weiß, das; die Juden zum Theil ästch gute Eigenschaften besitzen, sie sind vielfach fleißiger, nüchterner, das Wirthshaus u. dgl. spielt nicht die Rolle wie beim deutschen Volk, daS sind Schäden, die wir anerkennen; aber aus der anderen Sekte wird auch nichts uns abhaltcn dürfen, zu sagen: Gerade die Sucht beim Judenthum, jeden kleinen Vortheil im wirthschaftlichcn Leben ansznbcntcn. ist es, die vielfach den Juden auf einen unreellen Weg hinausführt und ihn zu demjenigen bringt, das' wir als Wucher bezeichnen. Es ist im deutschen Osten dahin gekommen, daß man Jemand, der schlechter wirthschastlich verjährt, einfach einen Juden nennt, in ähnlicher Weise, wie' man daS Wort „Gründer" gebraucht. Ich bedauere das, denn ich sehe darin eine Ungerechtigkeit gegenüber den Juden, aber cs zeigt, wie verhängnißvoll jene Politik ist, wenn man sich weigert, Fehler, die das Judenthum seit einem Jahrtausend gemacht hat, zu verbessern, und sägt: Jeder, der solche Fehler hervorhebt, ist einfach ein Hetzer, der die Inden zum Scheiterhaufen verdammen möchte. So ist nicht,zu leugnen, daß auch die Juden in die strengere wirlhschaftliche Ordnung hineingcreiht werden müssen, und wir nicht jedem Einzelnen erlauben können, blos nach seinem Gutdünken zu verfahren". Die „Frankfurter Zeitung" bemerkt dazu: Die Behandlung der Judenfrage durch Wagner entbehrt der Logik und spottet jeder tieferen Erkenntnis'. Allerdings hat der Herr Professor hier in Frankfurt den Stöcker'schen Hetzfnscl , mit dem er.neuerdings in Berlin die antisemitischen Schaarcu zu berauschen suchte, bedeutend verdünnt kredenzt, aber Fusel bleibt Fusel. Gerade ein Mann von der Vergangenheit Wagner's sollte wissen, daß die Jndcufrage, wenn sie überhaupt Berechtigung hat, nur ein Segment, nur ein kleiner Ausschnitt ans der großen socialen Frage dcS Verhältnisses von Kapital und Arbeit ist; der erste beste Soeialdcmokrat würde ihn darüber belehren können. Uns liegt cs fern, den Wucher zu vcrtheidigcn, jüdisch oder christlich ist er in wirthschaftlicher und ethischer Beziehung unheilvoll. Aber wenn man von jüdischem Wucher spricht, der den kleinen Landmann erdrückt, darf inan da von den Großgrundbesitzern schweigen, welche schlimmer als die Juden in den östlichen Provinzen die Bauern „auspovern" und ihre Güter durch Ansschlachtung des Klcinbcsitzcs zu Latifundien im schlimmsten römischen Sinne des Wortes zu erweitern suchen? Herr Wagner verwahrt sich dagegen ein Hetzer zu sein, sein Freund Stöcker thut das ja gelegentlich auch, aber erkennt er denn nicht, daß seine fanatische Einseitigkeit in Benrlhcilnng der wirthschaftlichcn Thätigkcit einer bestimmten Klaffe von Bürgern keine andere Frucht zeitigen kann, als den brutalsten Zlassenhaß?

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