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Der Israelit · 1884-01-10 · Heft 3 (10.1.1884) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 3 (10.1.1884)
Date
1884-01-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Projeckte m r zu günstige politische Eonstellation gebildet, und nur hegen denn auch ernstlich die Befürchtung, Ungarn werde schon im Herbste, nach Eröffnung des. neuen Reichstages, mit einem, unter ncologcr Leitung stehenden Sniiimm beglückt werden. (H wäre daher höchst an der Zeit, das; die orth. Israeliten in Ungarn nunmehr eine aktuelle Politik inaugurirtcn und nicht thatlos an sich die (Ereignisse hcrankommcn ließen. Wir wiederholen daher: nicht im Seminare, in der mangelhaften Organisation des Icschiba- Wcscns liegt die Gefahr. Es helfe da — wer hiezu Beruf und guten Willen hat (Jsr. Jhrg. XVI. S. Welcher Gcsinnnngstrenc, für seine religiöse Nebcrzengung warmsühlendc orth. Iehndi wird Angesichts der eingetrctcncn Umstände obige Zeilen lesen können, ohne von den schmerzlichsten Gefühlen, der Wchmnth und des Bedauerns erfüllt zu werden, welcher, der es ehrlich meint, ohne den bittcru Borwurf zu erheben: D’crx Was jener 2-1 '2 22 82,' im über die thatsächlichen Verhältnisse und ihrer zukünftigen Gestaltung nur vermuthnugsweise geäußert — es ist leider nur zu bald bittere Wahrheit geworden; die Politik des Geschchcnlafscns — sic hat sich nur zu schwer gerächt. Doch cs war nicht blos die vereinzelte Stimme jenes deutschen Reisenden, die sich in diesem Sinne vernehmen ließ; zahllose andere aus dem Schoße der orth. Partei in Ungarn selbst haben oft und nachdrncklichst ihrer gleichen Ucbcrzcngung in diesen geschätzten Blattern Ausdruck gegeben. Doch darüber s. G. w. in meinem nächsten Briefe. I). Literarische Hlotir 8. Die Buchhandlung von I. Kau ff mann in Frankfurt a. M. versendet einen „Katalog hebräischer Handschriften", ans den wir hiermit Liebhaber und Sammler alter seltener Maniiseripte wie auch Freunde der hcbr. Literatur aufmerksam machen .wollen. Unter den 1-19 Nummern silldcn wir manches in historischer und literarischer Beziehung höchst Interessante, wie beispielsweise die Nr. 98, die mehrere in Noten gesetzte Synagogcngesängc und Psalmen enthält; ferner erwähnen wir die Nrn. 99 und 100, eine Sammlung von Streitgcdichtcn gegen Sabbatai Zewi und Nathan und Gaza. Besonders bcrvorzuheben ist das auf Pergament geschriebene Machsor, das nach den Untersuchungen des Herrn Dr. S. Bär sowohl wegen seiner Lesarten als auch wegen seltener fast vergessener liturgischer Stücke, die nur in diesem Mscr. ganz enthalten sind, höchst werthvoll ist. 'Die Preise, welche neben den einzelnen Nummern in Mark! angegeben sind, scheinen uns mäßig zu sein. | i Unser verdienstvoller Mitarbeiter, der berühmte Schriststellcr.Herr S. Kohn, dessen wundervollen Erzählungen sich, was Fülle der Gestaltungen und Tiefe der Auffassung betrifft, nur wenige an die Seite stellen können, findet nunmehr auch im Auslände seine Würdigung. Diese Woche beginnt nämlich in Rom, in der „0{>in;one,“ dem ersten Blatte Italiens unter dem Titel: „Vita, attualu, Itomanzo di 8. Colin,“ eine Nebersetznng seines Romans „Gin Spiegel der Gegenwart" (1879 Eosteuoble, Jena,) ' zu erscheinen. —; \ ■ 11 iwrnnwiiiMnnjTTifiM—nirirrrirrrnTTm—r—^mrrf i T" 'i Hin Zcitttngöttachrichtsrr uub Cvrrespvndettzcu. Deut sch l a n d. - Ans der Rhemproviuz. In wenigen Tagen wird die jnd. Rheinprovinz ein Fest feiern, dessen Bedeut- ' samkeit weit über die Grenzen unsres Bezirks hinaus' reicht und das allem Anschein nach die Freunde des gcsetzestrcnen Judeuthnms aus vielen deutschen Gauen in die Ätetropolc unserer Provinz ziehen wird. Es'ist die feierliche Einweihung des neucrbautcn Scminargebändcs, die am l6. Januar in Köln stattsinden wird. Der Verein des jüdischen. Lehrerseminars für Rheinland hat seine sämmtlichcn, zahlreichen Mitglieder mit Einladungen bedacht. Ebenso sollen, dem Vernehmen nach, an Alle, die zum Banfond bcigetragcn, oder sonstige Eapitalicil gespendet haben, Einladungen ergangen sein. Eine Institution, die wie das Kölner Seminar nur der freudigen Opscrwilligkeit weiter Kreise seine Entstehung und Fortentwickelung verdankt, nimmt in den Herzen seiner zahlreichen Freunde und Gönner einen zu' hervorragenden Platz ein, als daß sich nicht jeder Einzelne glücklich schätzen sollte, an einem Feste, persönlich Thcil zu nehmen, das' in der That in unserer" heutigen Zeit, einen Dtc*n tr.-rp in des Wortes wahrem Sinn bedeutet. Biele hervorragende Männer haben ihre Lcthciligung bereits zugcsagt und jeder Tag bringt neue Zusagen. Diese, großartige Bethciligung verleiht schon allein dem Feste, indem cs viele edle gleichgesinnte Geister zusammcnführt, eine mehr als gewöhnliche Bedeutung. Das gescizcstreue Judcnthum und seine von ihm-gelehrte. Humanität sind die geistigen Mittelpunkte, um welche dieses Fest alle seine Thcilnehmer schaart, das cinznweihcnde Gebäude und seine Zöglinge sind die greifbaren Beweise von der ungebrochenen Kraft des alten überlieferten Jndenthnms, sobald sein Geist die richtigen Träger gefunden.

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